Pöppelkiste - RezensionWir sind Künstler in Paris, sogenannte Bohemians. Manchmal leben wir in den Tag hinein, manchmal haben wir eine Schaffensperiode, vor allem aber genießen wir das Künstlerleben.
Zu Beginn des Spiels haben wir ein Kartendeck, das aus zehn Karten besteht und einen persönlichen Spielplan. Außerdem gibt es eine Auslage mit Musen (auf Karten) und weiteren Karten, die das Künstlerleben darstellen.
Jeder Spieler spielt einen Charakter, der eine spezielle Eigenschaft aufweist, unter anderen gibt es den Journalisten, der jedem anderen Spieler zu Beginn ein Leiden (Karte mit negativer Wirkung) verschafft. Während Musen das künstlerische Schaffen fördern, behindern Leiden es.
In meinem Zug ziehe ich Karten, bis ich fünf Karten aus dem Künstlerleben auf der Hand habe. Musen und Leider zählen nicht dazu. Leiden lege ich sofort aus. Mit den anderen Karten gestalte ich meinen Tag und möchte viel Intuition bekommen. Dazu lege ich meine Karten aus, die links und rechts null bis vier halbe Symbole zeigen. Füge ich zwei halbe Symbole zusammen, so bringt mir das vollständige Symbol eine Intuition. Ich bekomme auch Intuition, wenn meine linke bzw. rechte Karte eine bestimmte Farbe aufweist. Die Effekte der Musen werden zusätzlich angewendet und können für weitere Intuition sorgen.
In der Auswertung wird geschaut, ob ich eine künstlerische Pause eingelegt habe. Verzichte ich darauf (ich lege vier statt drei Karten), erhalte ich ein zufälliges Leiden in mein Deck. Anschließend zähle ich meine Intuition. Diese nutze ich für den Kauf neuer Karten, als da wären das Künstlerleben, die Musen und auch Siegpunktkarten.
Nicht verbrauchte Intuition kann ich im Atelier speichern und später verwenden. So kann ich die Auswirkungen von Leiden vermeiden, zusätzliche Karten ziehen oder auch eine Karte aus meinem Deck entfernen. Das Spiel endet, wenn ein Spieler die spielerzahlabhängige Anzahl von Siegpunktkarten erworben hat.
Das Spiel hat zwei sehr unterschiedliche Seiten. Bestechend ist das Flair. Das Künstlerleben wird grafisch und zusätzlich mit Worten perfekt dargestellt. Es macht Spaß, die Bilder zu betrachten, den Text zu lesen und das Flair auf sich einwirken zu lassen.
Leider ist der Ablauf nicht so gelungen. Bei uns stellten sich die Musen als sehr stark heraus. Sie geben zusätzliche Funktionen, dabei oft mehr Intuition, ohne dass ich dafür weniger Künstlerkarten auf die Hand bekomme. Deshalb sind bei uns die Musen sehr beliebt und werden gegenüber den Künstlerkarten klar bevorzugt. Auch die Leiden weisen deutliche Unterschiede in der Stärke auf. Wer als ersten die Syphilis bekommt, steckt andere an und hat lange keine Nachteile. Andere Karten hingegen führen dazu, dass in einer Spielrunde fast kein Fortschritt erreicht werden kann.
Weil auch die Siegpunktkarten im Verlauf des Spiels immer teurer werden, kann ein zurückliegenden Spieler nur schwer aufholen. Bei uns gewann in der Regel der Spieler, der schnell die ersten Musen und dann die ersten Siegpunktkarten kaufen konnte.
Bohemian kann ich aufgrund der genannten Eigenschaften nur Spielern empfehlen, die ein Spiel mit Flair und starker thematischer Einbettung suchen und die über Unausgewogenheit deutlich hinwegsehen können. (wd)
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Steckbrief Bohemians |
Autoren | Verlag | Spieler | Alter | Spieldauer | Gestaltung |
| Jasper de Lange | Pegasus | 1 - 4 Spieler | ab 10 Jahre | 45 - 60 Minuten | Hanna Kuik, Roman Kucharski, Tomasz Jedruszek |