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TroyesTroyes

Bei manchen Spielen ist es so, dass man sie auf den ersten Blick nicht oder nur kaum wahr nimmt. Der erste Blick kam durch die Scout-Liste auf der Spiel '10, auf der das Spiel ganz oben stand. Trotzdem fiel mir das Spiel nicht weiter auf und weil ich immer wieder las, dass die Regel der Qualität des Spiels nicht gerecht würde, verlor ich es zunächst aus den Augen.
Ich nehme es hier vorweg: Die Mängel in der ersten Regel, die ich nie kennen gelernt habe, wurden erkannt, und die Regel erhielten eine gründliche Überarbeitung. Ich habe Troyes immer mit diesem Regeln gespielt. Bis auf zwei kleinere Unklarheiten, die ich über die englische Version klären konnte, war die Regel einwandfrei. Rückblickend hat sich das Warten auf die überarbeitete Regel gelohnt, denn das Spiel ist ein sehr originelles Strategiespiel, das auf wunderbare Weise das Zufallselement Würfel einbindet.
Wie manches Spiel, so spielt auch Troyes im Mittelalter. Hier nun kümmern wir uns um die Belange der Stadt. Wer im Geschichtsunterricht ein wenig aufgepasst hat, weiß über die drei Stände Adel, Klerus und gemeine Bevölkerung Bescheid. Genau um diese drei Stände mit ihren Aufgaben und Zielen geht es in Troyes.

SpielplanDabei werden die Stände durch jeweils sechs Würfel repräsentiert. Sie werden über die Gebäude verteilt, wobei jeder Spieler zu Beginn gleich viele Würfel, aber in anderen Kombinationen erhält. Doch bevor wir uns diesen Würfeln weiter zuwenden, schauen wir uns kurz die Aufgabe der Stände an. Der Adel trägt die militärische Verantwortung und wehrt überwiegend die Feinde ab, die Troyes angreifen. Währenddessen möchte der Klerus eine Kathedrale errichten und die gemeine Bevölkerung hat für die Versorgung zu sorgen, was hier ausschließlich über Geld dargestellt wird.
Schauen wir uns nun an, wie die Spieler Einfluss auf die drei Stände ausüben. Nachdem die Spieler von ihrem Grundgehalt ihre Adligen und Kleriker bezahlt haben, würfeln sie ihre Würfel gemäß der Verteilung in den Gebäuden.
Nun, werden die Konflikte ausgewertet. Zum einen treten innere Unruhen in Troyes auf und zum greifen Feinde die Stadt an. Die Folgen der Unruhen sind zunächst unabwendbar und müssen erlitten werden. Die Konflikte hingegen betreffen zuerst den Startspieler der Runde: Er bekommt eine Menge Würfel, die die Feinde repräsentieren. Er muss nun mindestens den Würfel mit der höchsten Augenzahl besiegen, indem er dessen Wert mit seinen Würfeln aufbringt. Adlige mit ihrem militärischen Verständnis zählen dabei doppelt. Die nicht besiegten Feinde überreicht er dann dem nächsten Spieler und der Kampf beginnt erneut. Das setzt sich solange fort, bis die Feinde erledigt sind.

Marktplatz von TroyesDamit können sich die Einwohner Troyes ihrer eigentlichen Aufgabe zuwenden, wozu die Würfel verwendet werden dürfen, die nach den Konflikten noch übrig geblieben sind. In einem Spielzug können ein bis drei Würfel benutzt werden, wobei sowohl ihr Erhalt als auch ihre Verwendung ungewöhnlich ist. Beim Erhalt sind die eigenen Würfel kostenlos. Ich kann aber auch fremde Würfel kaufen, wobei sich der Preis nach der Größe der verwendeten Würfelgruppe, nicht aber nach den Augen der Würfel richtet.
Die Anwendung der Würfel ist noch ungewöhnlicher. Bei den meisten Aktionen werden die Augen der Würfel zusammengezählt und durch einen vorgegebenen Divisor geteilt. Der ganzzahlige Anteil am Ergebnis bestimmt nun die Häufigkeit mit der Etwas geschieht. Das klingt kompliziert, ist aber mit der Schulmathematik der dritten Klasse zu bewerkstelligen. Ein Beispiel veranschaulicht dies: Die Würfel zeigen 6, 5 und 3 Augen, was in Summe 14 ergibt. Wenn der vorgegebene Divisor eine 3 ist, ergibt sich nun 14 : 3 = 4 Rest 2. Die Häufigkeit der Anwendung beträgt also 4.
Mit solchen Würfelgruppen kann ich fünf verschiedene Dinge tun. Ohne Division kommen der Kathedralenbau, der Einfluss und Siegpunkte bringt, sowie die Verdrängung in den Gebäuden, durch die man später mehr Würfel erhält, aus. Die einfachste Aktion mit Division ist die Landwirtschaft, die Geld bringt.
Die beiden restlichen Aktionen werden über Karten abgewickelt, die wiederum für unterschiedliche Abläufe in den Spielen sorgen. Die früher erwähnten Konflikte, sowohl Angriffe als auch Unruhen, können durch Würfel dauerhaft abgewehrt werden, was Einfluss und Siegpunkte bringt. Außerdem gibt es pro Spiel für jeden Stand drei individuelle Karten. Auch hier hat die Funktion einen Bezug zum Stand; so sind die Adligenkarten oft auf die Abwehr von Konflikten ausgerichtet, während die gemeine Bevölkerung für Geld und manchmal auch für Siegpunkte sorgt. Jetzt sind wir aber auch schon fast am Ende. Mit Einfluss kam man unter anderem die Würfel verändern: Für wenig Einfluss noch einmal würfeln, für mehr Einfluss umdrehen. Und als allerletztes bekommt jeder Spieler noch eine zu Beginn des Spiels eine Karte, die eine Person aus der Geschichte Troyes zeigt. Sie nur ihm bekannt ist. Bei Spielende gibt die Person dann jedem Spieler Siegpunkte, der gewisse Bedingungen erfüllt wie zum Beispiel eine bestimmte Menge an Geld oder Einfluss.

diverse Karten

Schon die Beschreibung zeigt, dass Troyes ein Spielerspiel ist. Dabei mutet es zunächst mit den Würfeln nicht so an, denn dieses Zufallselement ist hier gleich 30 Mal vertreten. Nun wird es aber sehr taktisch verwendet, und so bringt es nur wenig Zufall, dafür umso mehr Originalität, in das Spiel.
Gerade diese Originalität sowie die damit verbundene Komplexität erschweren die erste Partie: Die Regeln wirken ungewöhnlich, und nur schwer bekam ich eine Vorstellung davon wie das Spiel funktioniert Mit dem ersten Spiel, präziser mit den ersten beiden Durchgängen, wusste ich dann, wie das Spiel abläuft - regeltechnisch. Obwohl mit den Karten eines der zentralen Elemente schrittweise ins Spiel kommt, war zunächst die Fülle an Möglichkeit sehr groß: Welche Würfel sollte ich verwenden? Sollte ich welche dazukaufen? Welche Karte sollte ich nutzen? Das erste Spiel war ein reines Lernspiel und trotz aller eigenen Unfähigkeit machte mir das Spiel Spaß - auch weil ich genau merkte, was ich verkehrt gemacht hatte.
diverse KartenMit weiteren Partien gewann ich an Erfahrung und an Überblick. Nun konnte ich die Vielfalt der Karten genießen, boten und bieten sie mir die Abwechslung, die ich in mir in einem solchen Spiel wünsche. Inzwischen habe ich viele Partien gespielt und habe auch genügend Mitspieler, die das Spiel kennen. In einer solchen Runde steigert sich der Spielspaß noch einmal, weil nun das Niveau steigt und die ohnehin geringe Downtime und die Spieldauer sinken.
Jetzt kommt die ohnehin vielschichtige Interaktion voll zum Tragen. Der Wettlauf um die Siegpunkte der positiven Karten hat ebenso begonnen wie die Beseitigung der Angriffe und Konflikte. Es werden Würfel zu- und abgekauft und fleißig Personen, sprich Spielfiguren, aus den Gebäuden geschubst. Es gibt genügend Möglichkeiten, die Mitspieler zu ärgern. Der wiederum hat dennoch seine Möglichkeiten, und bei aller Interaktion kann ein Spieler nicht aus dem Spiel genommen werden; eine wunderbare Eigenschaft für ein komplexes Spiel. Zuletzt zwingt Troyes die Spieler auch zur Beobachtung der Mitspieler. Nur so können sie ungefähr herausbekommen, welches Ziel sie für das Ende des Spiels verfolgt. Damit gibt es ein weiteres Element für - eine andere Art - Interaktion und bis zum Schluss Ungewissheit über den Ausgang der Partie. So werden Grübeleien wie es sie bei anderen strategischen Spielen häufig gibt, gleich von vornherein unterbunden.

Damit kann ich ein klares Fazit ziehen: Troyes lohnt für jeden, der komplexe Spiele mag und sich nach originellen Spielmechanismen sehnt. Mehr als hier wird er sie kaum bekommen; den Spielspaß gibt es gratis dazu. (wd)

Steckbrief
Troyes

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Sébastian Dujardin, Xavier Georges, Alain Orban Pearl Games 2 - 4 Spieler ab 12 Jahre ca. 90 Minuten Alexandre Roche