Pöppelkiste - RezensionAm 21. Juli 1969 landete die Mondfähre Eagle auf dem Mond. Neil Armstrong betrat als erster Mensch den Mond. Heute sind wir weiter. Die Menschheit gründet Mondkolonien, baut Gebäude, versorgt Kolonisten und bekommt Hilfe von Robotern. Ein Traum wird wahr, oder vielleicht doch ein Alptraum?
Am Anfang scheint alles in Ordnung zu sein. In vier Schichten wird gearbeitet. Gleich mehr dazu. An zwei Stellen treten leichte Probleme auf und zwei Twists helfen den Kolonien, sofern sie dies wünschen. Ach so, außerdem haben wir Pläne von vier Gebäuden (Karten auf der Hand) zum Start unserer Kolonie, dazu 30 Kolonisten, vier Nahrung und vier Geld.
Bei der Arbeit gibt es fünf Bereiche. Ernten bringt Lebensmittel, die hier durch Äpfel repräsentiert werden, Forschung bringt uns Pläne für Gebäude (in Form von Karten), Schürfen versorgt uns mit schnödem Mammon und Bauen erlaubt uns, für Geld ein Gebäude zu errichten. Außerdem können wir durch Aufstocken noch Kisten bekommen. Kisten schauen wir uns später an.
Kommen wir zu den Problemen. Diese fangen harmlos an. Beim Hunger müssen wir unsere Kolonisten versorgen, indem wir Äpfel abgeben, und beim Papierkrieg bekommen wir zwar einen Plan von einem Gebäude, müssen aber zwei abgeben. Dann kommt der große Schrecken: Fehlfunktionen der Roboter. Leider unterstützen uns die technischen Helfer nur sehr wenig. Dafür töten sie immer wieder Kolonisten, zum Beispiel wird der Küchenroboter richtig böse, wenn er nicht genügend Nahrung vorfindet. Auch die weiteren Ereignisse sind nicht positiv: Streitereien, Unfälle und andere Begebenheiten kosten das Leben vieler Kolonisten.
Wenn unsere Mondbasis keine Kolonisten mehr ausweist und jemand verstirbt, war das ein Arbeiter, der in einem Gebäude lebte. Das Gebäude wird abgerissen und die restlichen Kolonisten kommen in die Basis. Leider endet das nicht, und so wird Gebäude um Gebäude abgerissen, bis schließlich eine Mondkolonie ohne Gebäude und Kolonisten dasteht. Dann endet das Spiel und der Spieler mit den meisten Kolonisten in seiner Kolonie und seinen Gebäuden gewinnt.
Es besteht die Möglichkeit, das letzte Ereignis, die Gebrauchsanweisung, zu erreichen. Dann endet das Spiel, ohne dass eine Mondkolonie verwaist ist. Auch dann gewinnt der Spieler mit den meisten Kolonisten.
Mein erster Gedanke zu dem Spiel war: Skurril. Wer will denn ein Spiel spielen, bei dem alles, was er aufbaut und erreicht hat, durch das Spiel wieder zerstört wird? Ich kenne inzwischen die Antwort darauf: die meisten Spieler in unserem Spielkreis. Die Mondkolonie mit ihren verschrobenen Robotern und den so unbeliebten Ereignisse erfreut sich großer Beliebtheit.
Der Beginn ist langsam und konstruktiv: Wir bekommen sogar einige Kolonisten dazu und errichten zahlreiche Gebäude. Dann bröckelt es langsam und hoffentlich bei dem Mitspielern schneller als bei mir. Manche Gebäude sorgen für weitere Aktivitäten in den Mondkolonien, oft kleine Tauschaktionen, seltener kleine Verluste. Eines fehlt uns noch: die Kisten. Sie kommen auf Gebäude. Manche stehen dort nur dumm herum, während sie bei anderen Gebäuden eine große Hilfe sind.
Schadenfreude und kollektive Zerstörung sind zwei feine Elemente in diesem Spiel. Wohlgewürzt führen sie trotz eines destruktiven Ablaufs, der für einen guten Science-Fiction Thriller gereicht hätte, zu einem positiven Spielgefühl - ausgenommen bei dem Spieler, der als erstes Gebäude abreißen muss. Nur die Haltung gegenüber Robotern könnte ein wenig ins Negative abrutschen.
Ich selbst habe viel Spaß mit der Mondkolonie bisher gehabt, viele meiner Mitspieler auch. Der Ablauf zeigt dann deutlich, warum die Mondkolonie den rotgefärbten zusätzlichen Schriftzug „Bloodbath“, zu Deutsch Blutbad, trägt. Deshalb möchte ich auch nicht in einer dieser Mondkolonien leben, sondern sie stattdessen noch häufig auf den Spieltisch bringen. (wd)
P.S.: Nachtrag für das Logbuch: Das Spiel enthält so viele Karten für Roboter, Twists und Gebäude, dass kein Spiel dem anderen gleicht. Für Abwechslung ist gesorgt. Und wer hat daran gezweifelt, dass Kolonisten neun Leben wie Katzen haben?
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Steckbrief Moon Colony Bloodbath |
Autoren | Verlag | Spieler | Alter | Spieldauer | Gestaltung |
| Donald X. Vaccarino | alea | 5 - 14 Spieler | ab 14 Jahre | 45 - 56 Minuten | Franz Vohwinkel |