Chicago Express -
Schmalspurbahnen und Erie Railroad CompanyChicago Express - Schmalspurbahnen und Erie Railroad Company

Für die Freunde von "Chicago Express" hat Queen Games zwei Erweiterungen in einer kleinen Schachtel nachgelegt. Für die Beschreibung und Bewertung des Grundspiels verweise ich auf meine Rezension.

SchmalspurbahnenIn dem ersten der beiden Zusatzmodule - "Schmalspurbahnen" - kommen im Laufe der Partie orangefarbene Loks ins Spiel, die für den Bau der sog. Schmalspurbahnen eingesetzt werden können. Wenn ein Spieler passt und dabei den Aktionszeiger weiterdreht, kann er gleichsam als Entschädigung eine dieser Loks auf ein leeres Feld an das Ende einer der Eisenbahnlinien setzen (tabu sind Stadtfelder), um damit die Mitspieler zu behindern. Berg- und Waldfelder können so blockiert werden, so dass Konkurrenten zu einem Umweg gezwungen werden; auf Ebenenfeldern erhöht sich der Preis des Anschlusses.
"Erie Railroad Company" ist die zweite Erweiterung, mit ihr kommt eine weitere Linie ins Spiel, die "Erie". Sobald ein Spieler eine der Städte Cleveland, Youngstown, Wheeling oder Charleston (also Stadtfelder in der Mitte des Spielplans) anschließt, ist sie verfügbar. Jetzt kann die einzige (!) Aktie dieser Gesellschaft ersteigert werden. Das Startfeld der neuen Gesellschaft ist Buffalo (im Norden) mit dem Grundwert "+3" (durch ein Zusatzplättchen angezeigt). Als einzige Linie kann sich die "Erie" auch gezielt ostwärts bewegen. Dabei darf sie als einzige Gesellschaft sogar New York (die als Basis des "New York Central System" für andere Eisenbahngesellschaften eigentlich nicht zur Verfügung steht) anschließen und dafür den Wert um satte acht Punkte steigern.

Erie: AktieGerade die zweite Erweiterung gibt "Chicago Express" eine neue Note. Wer ihre Aktie ersteigert, ist damit automatisch Einzelkämpfer, der immer nur gegen die anderen, nie mit ihnen agieren wird. Dadurch wird ein wesentlicher Aspekt des Grundspiels - dass man nämlich gemeinsam in Linien investiert, um den Ausbau und die Entwicklung der Gesellschaft nicht allein tragen zu müssen - relativiert. Wer die "Erie" sein Eigen nennen möchte, sollte also vorausplanen, damit er genug Eigenkapital besitzt, wenn ihre Aktie versteigert wird. Und aufgepasst: Steigen die Konkurrenten früh aus der Bietrunde aus und ist das Anfangsgebot eher niedrig ausgefallen, ist die Gesellschaft so gut wie wertlos, da kaum ausbaufähig, zumal die wenigen Waldfelder auf dem Weg nach New York jeweils nur magere zwei Dollar abwerfen, wenn sie entwickelt werden. In unseren Testrunden wurde die "Erie" bald für Summen zwischen 18 und 25 Dollar erworben, manchmal sogar mehr, damit die 13 Loks der Gesellschaft bei Störfeuer garantiert zu einer lukrativen Strecke verbunden werden können. Der Spieler hat hier drei Optionen: Entweder bewegt er sich im Norden ostwärts, um New York anzuschließen (damit wäre diese im Grundspiel eher weniger bebaute Gegend aufgewertet), oder er bewegt sich zügig nach Chicago, um die Chicago-Dividende einzuheimsen und vielleicht noch Detroit anzuschließen. Als letzte Möglichkeit bietet sich u. U. an, südwärts nach Pittsburgh vorzustoßen, besonders dann, wenn diese Industriestadt bereits bestens entwickelt worden ist. Für welche Option sich der Spieler entscheidet, hängt natürlich vom Status der anderen Linien zum Zeitpunkt der Versteigerung der "Erie" ab: Je weniger Gesellschaften z. B. bereits in die Nähe Chicagos gelangt sind, desto eher wird sich die "Erie" westwärts orientieren. Und: Je später im Spiel vorhanden, desto weniger attraktiv ist eine Investition in diese Gesellschaft.
Erie: PlättchenGrundsätzlich ist der "Erie"-Spieler größtem Risiko ausgesetzt, da keiner seiner Mitspieler ein Interesse daran hat, dass er eine der genannten Optionen verwirklicht. Natürlich ist es auch möglich, ihn "einfach machen zu lassen". Doch da gibt es ja noch die Schmalspurbahnen, die gerade der "Erie", die mit ihren wenigen Loks und dem begrenzten Kapital alles andere als flexibel ist, schaden können! Sie sind vor allem interessant in Spielerrunden von zwei oder drei Teilnehmern. Mit größerer Spielerzahl sind dahingegen die regulären Aktionen zu wertvoll, um gezielt darauf zu verzichten, damit man eine Schmalspurbahn setzen kann. Das im Grundspiel sich ständig wandelnde Verhältnis von Kooperation und Konfrontation verschiebt sich durch die Erweiterungen klar in Richtung Konfrontation. Vor allem die Zwei-Personen-Partien erhalten so mehr Biss, die Schmalspurbahnen kommen mehr zum Einsatz. Häufig stehen sich im letzten Drittel des Spiels dann der Eigner der "Wabash" und der Besitzer der "Erie" im spannenden Wettbewerb gegenüber.

Die "Chicago Express"-Erweiterungen werden die Skeptiker nicht überzeugen und die Kritiker nicht bekehren können. Sie sind kleine, aber feine Zusätze, deren Reiz sich vor allem den schon vom Grundspiel Begeisterten erschließt. Voraussetzung ist allerdings, dass die Verschärfung des Konkurrenzcharakters den Geschmack trifft. Wer die beiden neuen Module mit Gewinn spielen will, muss genügend Zeit und Muße aufbringen, um die mit ihnen gegebenen neuen Möglichkeiten voll auszuloten. Wenn das Grundspiel regelmäßig bei Spieleabenden auf den Tisch kommt, führt an den Erweiterungen eigentlich keine Bahnstrecke vorbei. (thb)

Steckbrief
Chicago Express - Schmalspurbahnen und Erie Railroad Company
Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Harry Wu Queen Games 2 - 6 Spieler ab 12 Jahre ca. 60 Minuten Michael Menzel