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Alba LongaAlba Longa

Bevor Rom zur Weltmacht wurde, war Alba Longa die tonangebende Stadt in Latium. Der Sohn des Aeneas, Ascanius, soll sie der Legende nach gegründet haben. Im Spiel "Alba Longa" führen die Spieler eine von fünf Städten (neben der titelgebenden Stadt auch Roma, Reate, Veji oder Velitrae) an und kämpfen um die Vormacht in Süditalien. Wer zuerst zehn Monumente errichtet hat und mindestens 16 Einwohner ("Arbeiter") hat, gewinnt das Spiel.

StädtetafelDoch zunächst beginnen die Spieler mit nur acht Arbeitern. Diese versuchen sie reihum in verschiedenen Bereichen auf ihrer Städtetafel einzusetzen. Dazu stehen Ihnen vier achtseitige Stab-Würfel (s. Bild) zu Verfügung. Je Farbe können die Würfel zum Einsetzen von Soldaten (schwarz), Händlern (grau), Handwerkern (weiß) und Priestern (braun) verwendet werden.

Das Spiel verläuft über Jahre, die jeweils in zwei Jahreszeiten zerfallen. In der Aussaat, der ersten Jahreszeit, kümmern sich die Spieler vorrangig um Militär, Handel, Bau von Monumenten und Religion. Dabei würfelt der Startspieler, wählt einen Würfel und setzt maximal so viele Arbeiter auf seinem Tableau ein, wie der Wert (1-4) des gewählten Würfels beträgt. Reihum können die Mitspieler für 1 Münze je einen der übrig gebliebenen Würfel kaufen und entsprechend Arbeiter auf ihre Stadttafel positionieren. Das bezahlte Geld wird auf Marktständen gesammelt. Schließlich würfelt der nächste Spieler usf. Wenn der Startspieler erneut sämtliche Würfel werfen möchte, muss er bereits 1 Münze zahlen, beim nächsten Mal sogar 2 usw.

Wenn alle Spieler gepasst haben, kommt es zur Auswertung der Stadtbereiche: Die Städteführer können allein oder im Bündnis andere Städte sabotieren, Händler in den Basar schicken, Handwerker im Steinbruch arbeiten lassen und mithilfe von Priestern die Götter gnädig stimmen.

HeldStets zu Beginn kommt es zu den militärischen Auseinandersetzungen.
Falls man Soldaten in die Kaserne gestellt hat, wählt man nun zunächst das Angriffsziel und kann dann zusätzlich Helden (auch zur Verteidigung) verwenden, deren Stärkepunkte zur militärischen Kraft hinzuaddiert werden. Die positive Differenz aus Angriffs- und Verteidigungswert entscheidet darüber, wie viele Sabotageakte der bzw. die Angreifer durchführen kann bzw. können. Sabotieren bedeutet, bis zu vier Arbeiter des Unterlegenen unverrichteter Dinge wieder in den Vorrat ("Unterkunft") zurückzusenden.
Im Basar streicht man im nächsten Schritt das erwirtschaftete Geld ein und bekommt je nach Arbeiterzahl Bonuszahlungen von den Marktständen. Je zwei Handwerker im Steinbruch erbauen ein Monument und die Priester im Tempel sammeln für die anschließende Erntezeit Frömmigkeitspunkte an. Zum Schluss gibt der Startspieler sein Amt an einen seiner Mitspieler weiter.
-In der Ernte, der zweiten Jahreszeit, wird all dies wiederholt, mit der Ausnahme, dass nun auch Bauern auf die Felder und den Bauernhof geschickt werden sollten. Hierfür wird keine bestimmte Würfelfarbe benötigt. Der Startspieler entscheidet vielmehr jeweils, welche der vier Würfel er für diese Option verwenden möchte (in der Regel denjenigen mit dem höchsten Wert). In der Auswertungsphase bekommen die Spieler dann je nach Wetterlage (Dürre, mildes oder Regenwetter) ein bestimmtes Maß an Getreideplättchen pro Bauer (2-4). Durch Einsatz von Frömmigkeitspunkten können sie ihren Ertrag verbessern und ggf. auch den Segen der Götter (weiteres Getreide, Geld oder sogar ein kostenloses Monument) beanspruchen.
Am Ende eines Jahres muss für jeden Arbeiter der Stadt 1 Getreide als Nahrung abgegeben werden. Weitere Getreidemarker können schließlich für die Vermehrung der eigenen Bevölkerung ausgegeben werden, falls man sie nicht für die unter Umständen schwierige Ernteperiode des nächsten Jahres aufsparen möchte (die Art des dann herrschenden Wetters wird durch eine Karte angezeigt).

Die Beschreibung des Spielablaufs macht bereits deutlich, dass "Alba Longa" in der Version des Grundspiels (für 3-5 Spieler) eine recht gleichförmige und repetitive Angelegenheit ist. Schnell stellt sich heraus, wie man agieren muss: möglichst ausgewogen für den Fortschritt beim Bau der Monumente und durch geschickte Erntearbeit für genügend Nahrung sorgen. Überraschenderweise ist die Militäraktion in dieser Variante kaum attraktiv. Zu Beginn einer Partie lohnt sich der Einsatz schon deswegen nicht, weil Arbeiter Mangelware sind, jeder an die Kaserne verschwendeter Mann für eigene Ausbauaktionen fehlt und beim Gegner wenn überhaupt nur marginale Schäden anrichtet. Wenn man dann in der Endphase von "Alba Longa" genügend Arbeiter für ruhmreiche Militärschläge zusammen hat, können die Mitspieler zu diesem Zeitpunkt entweder durch Verteidigung oder durch die bloße Masse ihrer eigenen Arbeiter Vorsorge treffen. Allein in Partien zu fünft kann die militärische Option manchmal sinnvoll sein, aber auch nur dann, wenn sich Allianzen gegen führende Spieler bilden. Da diese zu bilden - wenn nicht durch Zufall - nur mithilfe offener Absprachen möglich ist, wird das Spiel jedoch vollends zu einem unangenehmen Unterfangen.
Da also interaktives Tun durch diesen Fehler im Spielsystem ausgehebelt wird, doktern die Städteführer einfach vor sich hin und müssen dann häufig erkennen, dass derjenige unter ihnen, der sowohl bei den Monumenten als auch bei den Einwohnern gut starten konnte, fast nicht mehr einzuholen ist. Angesichts der Spieldauer von ca. 90 Minuten ist es außerdem unbefriedigend, dass oft Kleinigkeiten über den Spielsieg entscheiden, nicht zuletzt der Zufall des Würfelwurfs.

WetterkarteIn unseren Testrunden haben wir aus diesen Gründen schnell zu den drei in der Regel angebotenen Spielvarianten gegriffen. In der Variante "Gute Planung" wird man für die Mehrheit an Arbeitern in den einzelnen Bereichen zusätzlich belohnt, in der Variante "Kriegsbeute" können die angreifenden Spieler, die gleich viel oder weniger Monumente als der Verteidiger besitzen, nicht nur sabotieren, sondern auch sabotierte Arbeiter als Sklaven an gleichem Ort auf ihrer Stadttafel einsetzen. In der Variante "Assisi" schließlich, die auch zu zweit spielbar ist, können die Spieler die neutrale Stadt "Assisi" angreifen, um Beute (Nahrung, Geld und Sklaven) zu machen.
Die Varianten machen das Spiel etwas interaktiver, in der Variante "Assisi" verringert sich ein wenig das Missverhältnis von militärischem Aufwand und Belohnung. Doch auch hier gilt, dass die kriegerische Auseinandersetzung fast völlig zu vernachlässigen ist, vor allem im Zweipersonenspiel ist es kaum angeraten, den Gegenspieler direkt anzugreifen. Wer von Beginn an auf Wachstum bei den Arbeitern setzt, hat es auch gar nicht nötig, militärisch aktiv zu werden, es sei denn, er gönnt sich den Luxus, seine Mitspieler auch noch durch minimalen Einsatz von Soldaten zu ärgern.

Insgesamt kann also "Alba Longa" sowohl in seiner Grundversion als auch in sämtlichen Varianten nur schwerlich überzeugen. Bestenfalls haben wir hier "unteres Mittelmaß" auf dem Tisch. Es ist daher nur allzu verständlich, dass die Testspieler kaum noch eine zweite Partie wagen wollten, da der Wiederspielreiz trotz gelungener Ausstattung und Gestaltung gering ist. Darüber hinaus bleibt schleierhaft, für wen das enttäuschende "Alba Longa" gedacht ist: Während die wenigspielende Familie abgeschreckt wird durch das umfangreiche Regelwerk und die lange Spieldauer, werden es die sog. Vielspieler nicht einsehen, mind. 90 Minuten in ein Spiel zu investieren, dass dann durch den Zufall eines Würfelwurfs oder durch einen "run-away leader" bereits vorzeitig entschieden wird.

Für mich ist es ein Rätsel, dass eine frühe Version dieses Spiels im Jahr 2009 den Wettbewerb der "Ludothèque de Boulogne-Billancourt" gewinnen konnte, denn empfehlen kann ich "Alba Longa" eigentlich niemandem.(thb)

Steckbrief
Alba Longa

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Graeme Jahns Huch & Friends 2 - 5 Spieler ab 12 Jahre ca. 90 Minuten Hans Janssen