Jäger und SammlerJäger und Sammler

Jäger und Sammler - das klingt für mich nach Steinzeit, vielleicht auch deshalb, weil es ein eigenständiges Spiel in der Carcassonne-Reihe diesen Titel trägt. Der Klang führt mich in die richtige Richtung, denn wir begeben uns in die Steinzeit und was hier noch ein wenig dauern wird, ist dort schon Realität: Sommer.

SommerBevor wir jedoch mit unseren Sammlern und Jägern aktiv werden können, gestalten wir erst einmal die Landschaft, indem wir 112 Sommerplättchen auf das Sechseckraster legen. Damit liegen neun verschiedenen Plättchen in unterschiedlicher Häufigkeit aus. Wir schauen sie uns später an.
Auf dem Spielplan gibt es vier Sommer- und vier Winterlager. Deren Positionen sind fest vorgegeben. Da Sommer herrscht, starten unsere Steinzeitmenschen in den Sommerlagern und zwar pro Spieler und Lager einer.

Ein Spielzug ist dann ganz simpel. Wir bewegen zwei Mal einen Steinzeitmenschen auf ein benachbartes Feld, wobei wir für beide Bewegungen den gleichen Steinzeitmenschen nehmen dürfen. Das Zielfeld muss dabei unbesetzt sein und auf ihm muss noch ein Plättchen legen. Alternativ darf ich auch beide Bewegungen nutzen, um ein besetztes Feld zu überspringen. Ein paar Plättchen bedingen Ausnahmen: So darf ich von einer Höhle zu einer anderen ziehen und ein Mammut nur dann betreten, wenn ich dazu eine Waffe abgeben kann. Schließlich lässt sich ein so großes Tier nicht mit der bloßen Hand erlegen.
Verlasse ich in meinem Spielzug ein Plättchen, das weder Weg noch Höhle zeigt, sammele ich es ein. Pflanzen und Gegenstände wandern verdeckt in meinen Semmelstapel, nur Waffen und Mammuts bleiben offen liegen.
Zuletzt sollte ich noch Wintervorräte anlegen. Dazu betrete ich ein Winterlager und lege dort eine Vorratskiste ab, wobei in jedem Lager von jedem Spieler genau eine Kiste abgelegt werden darf.
Irgendwann neigt sich der Sommer dem Ende entgegen. Unsere Steinzeitmenschen finden dann immer weniger Bewegungsmöglichkeiten und ziehen sich dann von Spielplan zurück und der Sommer endet dem Entfernen der wenigen Sommerplättchen, die nicht eingesammelt wurden.

Winter Nun kommt der Winter. Nur die Wege und Höhlen sind vom Sommer verblieben. Die restlichen Sechsecke werden mit Winterplättchen befüllt, die deutlich mehr Mammuts, aber weniger Waffen aufweisen. In den Winterlägern werden die Vorratskisten gegen Steinzeitmenschen ausgetauscht und so muss, wer weniger als vier Vorräte angelegt hat, den Winter mit weniger Steinzeitmenschen bestreiten. Der Winter wird dann nach den gleichen Regeln wie der Sommer gespielt. Lediglich die Vorräte sind in die Sommerläger zu bringen, enthalten sie doch einiges an Mammutfleisch. Mit Ende des Winters verziehen sich unsere Steinzeitmenschen vom Spielbrett.

Nachdem wir so ein Jahr in der Steinzeit verbracht haben, kommt es zur Auswertung. Die Pflanzen bringen die aufgedruckte Punktzahl, ebenso die Mammuts, deren Wert nur deutlich höher liegt. Bei den Gegenständen hängt der Wert von der Anzahl gleicher Objekte ab. Nur Waffen haben keinerlei Wert mehr. Zum Schluss gibt es noch Punkte für jede Vorratskiste im Sommerlager. Wer nun in Summe die meisten Punkte hat, ist der beste Sammler und Jäger.

Das Spiel ist typisch für den Autor: Die Wertungen sind durchkalkuliert und gerecht. Das Spielprinzip wirkt mehr mathematisch als thematisch und ein Spielzug dauert in der Regel nicht sehr lange. Das Spiel ist auch typisch für den Verlag: Die grafische Umsetzung ist gelungen. Das Tiefziehteil ist dem Material angepasst und bewahrt es daher souverän auf. Auch die Regel ist wieder vollständig, doch muss man an einigen Stellen genau lesen.

SommerlagerEntsprechend ist dann der Gesamteindruck: Es funktioniert tadellos. Die Spieler bedrängen sich gegenseitig um die lukrativsten Plättchen und um die Zugmöglichkeiten, die nach und nach weniger werden, vor allem zu den Lägern zu gelangen mag immer schwieriger werden. Zu zweit wird so aus dem Spiel ein kühles Denkspiel, bei mehreren Spielern gilt es dazu einzuschätzen, wer welche Pläne verfolgt.
Das Spiel kann man dabei ebenso aus dem Bauch heraus spielen wie man über die einzelnen Züge brüten kann. Beides kann angenehm sein, jedoch niemals, wenn Spieler beider Arten gemischt am Spiel teilnehmen.

Insgesamt erweckt Jäger und Sammler bei mir den Eindruck eines Winterspiels: Klar, sonnig, durchgestylt, funktionell - alles schön und gut - doch eine gewisse Kühle bleibt. (wd)

Steckbrief
Jäger und Sammler
Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Reiner Knizia Amigo 2 - 4 Spieler ab 10 Jahre ca. 45 Minuten Claus Stephan