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ZhanguoZhanguo

Der Verlag What's Your Game? hat sich einen Namen gemacht mit Strategiespielen, deren sehr komplexe Regeldetails häufig selbst geübte Passionsspieler vor so manche Herausforderung stellen. Ein amerikanischer Kritiker stieß sich indes an der kühlen Mechanik der sog. Euro-Spiele und brachte seine Missbilligung auch schon einmal dadurch zum Ausdruck, dass er eine Spielschachtel von seinem Hausdach warf. So weit würde ich sicherlich bei den Spielen von What's Your Game? nicht gehen wollen, aber es ist offensichtlich, dass seit dem erfolgreichen "Vasco da Gama" (2009) der Komplexitätstrend sogar noch zugenommen hat. In "Vinhos" (2010) z. B. sind die vielen kleinen komplizierten Spiele im Spiel etwas zu viel des Guten, sodass es zwar in meinem Besitz ist und bleibt, aber sehr selten hervorgeholt wird, da der Aufwand der Regelauffrischung doch enorm ist. "Madeira" (2013) war dann im Vergleich dazu etwas zugänglicher und wies in die richtige Richtung. Mit ZhanGuo gibt es nun ein weiteres spielerisches Schwergewicht aus dem Verlag und es stellt sich die Frage, ob es Spieltiefe und Eleganz besser miteinander verbinden kann als seine Vorgänger.

CharaktereZhanGuo ist ein kartengesteuertes Spiel, das thematisch in die Zeit der streitenden Reiche (so die deutsche Übersetzung des Titels), also in die Gründungsepoche Chinas eingebettet ist. In jeder der fünf Runden spielen die Spieler reihum sechs Karten aus, um den jungen Herrscher Ying Zhen bei der Einigung des Reiches auf den Gebieten der Schrift, Währung und Gesetzgebung zu unterstützen und seine Aufträge zu erfüllen. Und natürlich geht es darum, reichlich mit Siegpunkten belohnt zu werden. Das Spielbrett zeigt die fünf Provinzen des jungen Reichs. Ihnen entsprechen fünf Abschnitte auf den einzelnen Spielertableaus. Hier setzen die Spieler drei Sorten von Beamten ein, um Arbeiter für die illustren Bauprojekte anzuwerben oder als Gouverneure Unzufriedenheit und Aufstände zu bekämpfen.

Der Ablauf einer Runde ist simpel. Die Spieler ziehen in der ersten Phase sechs Karten, je zwei von einem der drei Stapel. Diese sind den drei Bereichen Schrift, Währung und Recht zugeordnet und weisen einen niedrigen, mittleren oder hohen Zahlenwert zwischen 1 und 120 auf. Ist man am Zug, hat man in der Ausspielphase zwei Optionen: Entweder legt man eine Karte als "Vereinigungs-Aktion" an einen Provinzabschnitt seines Tableaus oder man führt eine von sechs "Hof-Aktionen" aus. Während man beim Anlegen bis zu drei "Vereinigungs-Oktagone" der Kartenfarbe erhält, kann man am Hof neue Beamte auf das eigene Tableau bringen, diese zwischen den Provinzabschnitten verschieben, aus einer bestimmten Kombination von Beamten einen Gouverneur für eine Provinz generieren, Arbeiter anwerben sowie diese für den Bau der Chinesischen Mauer oder den Bau von Palästen verwenden. Bei den "Vereinigungs-Aktionen" ist Vorsicht geboten, denn die Bevölkerung der einzelnen Provinzen neigt bei zunehmender Aushebung von Arbeitern und Anhäufung von Karten zu Aufständen, die den Handlungsspielraum einschränken. Durch das gezielte Entsenden von Gouverneuren kann hier Abhilfe geschaffen werden.

Wertevorgaben auf der RückseiteIn der dritten Phase einer Runde können die Spieler, die die Mehrheit an Oktogonen gesammelt haben, diese gegen attraktive Boni wie zusätzliche Beamte, Arbeiter und später gar Gouverneure, Mauern oder Paläste eintauschen. Je mehr Belohnungen man erhält bzw. je wertvoller die einzelnen Belohnungen sind, desto weiter zurück rückt man in der Spielerreihenfolge der nächsten Runde.

Die beiden Optionen "Vereinigung" und "Hof" stehen in einem Zusammenhang, der unter bestimmten Bedingungen attraktive Wechselwirkungen in Gang setzt. Durch das Auslegen von Karten werden nämlich Fähigkeiten freigeschaltet, die man durch Hof-Aktionen aktivieren kann. Hier kommen die Kartenziffern ins Spiel: Bei drei Aktionsmöglichkeiten kann man entsprechende Fähigkeiten der ausgelegten Karten nutzen, wenn die in den Hof gespielte Karte einen Wert aufweist, der höher ist als der der darunter liegenden. Zwei der drei weiteren Aktionen erlauben dies, wenn der Wert niedriger ist. Auf diese Weise kann es gelingen, seine eigenen Handlungsmöglichkeiten durch Zusatzaktionen wie z. B. die Bewegung von Arbeitern oder Beamten auszubauen oder Belohnungen in Form von "Vereinigungs-Oktogonen" bzw. Siegpunkten zu erlangen.

Apropos Siegpunkte: Die Spieler erhalten sie während des Spiels und bei der Endabrechnung. Durch das Entsenden von Gouverneuren sind Punkteboni ebenso zu erhalten wie durch den Bau von Palästen, der sich in einem Ertrag in Höhe der bereits in die Provinzen gespielten Karten auszahlt. Am Ende bescheren Mauerausbauten Punkte für bestimmte angesammelte Kartensorten oder Beamte. Darüber hinaus gibt es Punkte für erfüllte Aufträge des Kaisers. Diese liegen in zwei Abteilungen aus und beziehen sich auf die Verteilung von Palästen, Gouverneuren oder Mauerteilen bei einem Spieler. Je mehr Aufträge pro Sektor man erfüllt hat, desto mehr Punkte erringt man. Außerdem wird die Mehrheit an Gouverneuren in den einzelnen Provinzen belohnt.

Spielplan

ZhanGuo vermittelt in jeder Spielerzahl ein kompaktes, gutes Spielgefühl. Die Wechselwirkungen zwischen Kartenauslage und Hof-Aktion sorgen für viel Spannung. Mit zunehmender Spielerfahrung hält man besonders die Handkarten der Mitspieler im Auge, um zu kalkulieren, wann der geeignete Zeitpunkt für das Ausspielen bestimmter Karten gekommen ist, damit man die begehrten Bonusaktionen nutzen kann. Zugleich ist darauf zu achten, einzelne Spieler nicht zu viele "Vereinigungs-Oktogone" sammeln zu lassen, sondern selbst häufig in den Genuss der Belohnungen am Ende der Runde zu kommen. Man muss damit rechnen, dass die eigenen Pläne durch die Aktionen der Konkurrenten durchkreuzt werden, doch dies macht gerade den Reiz im Wettlauf um die besten Belohnungen aus. Hier ist es entscheidend, selbst die Initiative zu ergreifen und durch frühzeitiges Ausspielen von Karten die Gegner in die Schranken zu verweisen.

MauernDurch die variable, in jeder Partie neue Auslage von Aufträgen und Mauerplättchen werden unterschiedliche Strategien möglich, die sich auf das Kartenmanagement auswirken. Dass auch der Zufall beim Ziehen von Karten eine Rolle spielt, stört da wenig, da die erwähnten Wechselwirkungen manches vordergründige Ungleichgewicht ausgleichen können. Von fern erinnert der Kartenmechanismus an das Spiel "Deus", doch im Unterschied zum aktuellen Titel von "Pearl Games" ist die Zahl der ausgelegten Karten pro Provinz auf drei begrenzt, sodass die Aktivierung der Bonusaktionen in der Regel zügig erfolgen kann und der Spielfluss nicht gehemmt wird. Wer möchte, kann die in der Spielregel angebotenen Varianten (Spielertableaus mit unterschiedliche Startvoraussetzungen, Auktion dieser Tableaus zu Spielbeginn, Auswahl von Karten in der ersten Rundenphase) aufgreifen, um dem Spiel neue Facetten abzugewinnen, allerdings ist die grundlegende Variabilität aus meiner Sicht völlig ausreichend, um einen andauernden Spielreiz zu gewährleisten.

Kurzum: Mit ZhanGuo liegt ein sehr attraktives, auf spannende Interaktion ausgerichtetes Spieldesign vor. Die Thematik wirkt nicht aufgestülpt, sondern fügt sich stimmig in das Konzept ein und wird durch die unaufdringliche und funktionale Grafik gut unterstützt. Das Spiel ist aus einem Guss und bewältigt die Aufgabe, Spieltiefe und Spielbarkeit harmonisch miteinander zu verknüpfen, mit Bravour. Für mich ist es das beste Spiel seiner Art aus dem Herbst 2014. Wer komplexe Strategiespiele mag, die nicht in "Arbeit" ausarten, kommt daran nicht vorbei. (thb)

Steckbrief
Zhanguo

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Marco Canetta, Stefania Niccolini What's your Game 2 - 4 Spieler ab 12 Jahre 60 - 120 Minuten Mariano Iannelli