Pöppelkiste - RezensionWir begeben uns in den Wald, um Holz zu verarbeiten. Dies geschieht sehr detailreich und so müssen wir vor dem ersten Spiel 16 unterschiedliche Aktionen lernen. Jede für sich ist kurz und einfach. Die Menge macht das Spiel jedoch zum Expertenspiel.
Dabei ist der Anfang ganz simpel: Ich besitze einen Auftrag, welche Holzarten – es gibt fünf verschiedene – ich mit welche Veredelung für einen Gegenstand benötige. Ansonsten fülle ich mein Tableau mit diversen Dingen wie Häusern, Plättchen für den Fluss oder Sperren auf den Lagerplätzen. Außerdem zeigt uns ein Marker, dass wir aktuell drei Aktionspunkte für unseren Zug besitzen.
In meinem Zug führe ich Aktionen durch, die null bis zwei Aktionspunkte kosten. Ein einfaches Beispiel ist die Fahrt mit der Erntemaschine. Ich darf für einen Aktionspunkt bis zu zwei Felder fahren. Überquere ich dabei den Fluss, muss ich einen Taler zahlen. Ähnlich einfach ist das Fällen von Bäumen: Je nach Baum zahle ich einen oder zwei Aktionspunkte und bekomme pro Baum ein Holz, das ich in mein Lager lege. Dazu kann es Sternchen geben, die meinen Marker auf einem Rad bewegen. Passiert er das Feld oben auf seinen Rundkurs bekomme ich eine erstrebenswerte Belohnung. Aufforsten ist die dazu inverse Aktion, die einen Samen benötigt. Dazu kann ich noch Bäume pflegen, eine Waldhütte errichten, den Fluss renaturieren oder einen Staudamm bauen.
Wenden wir uns den holzverarbeitenden Fabriken zu. Davon gibt es drei, die ähnlich konstruiert sind. Hier kostet jede Aktivität einen Aktionspunkt. Ich habe einen Führungskraft, die in einer der Firmen arbeitet. Dort kann ich agieren und mir zum Beispiel Aufträge besorgen und sie später erfüllen. Außerdem kann ich dort Holz veredeln und mir, je nach Fabrik, Arbeiter, Steine oder Samen besorgen. Außerdem kann ich die sämtliche Angebote verbessern, indem ich die Kosten dafür bezahle.
Ich habe hier nur eine grobe Beschreibung geben können, denn Forestry ist sehr detailreich. So aufwändig das Erlernen der 16 Aktionen ist, so eingängig ist das Spiel, weil es sehr thematisch ist. Sobald wir über die Hürde der umfangreichen Regeln gesprungen sind und die Zusammenhänge erkannt haben, erhalten wir ein sehr gut zu spielendes Expertenspiel. Durch die Anzahl an Aktionen ergeben sich vielfältige Möglichkeiten. Natürlich steht die Holzgewinnung für die Aufträge im Mittelpunkt, doch führen viele Wege zum Sieg. Ich kann erst meine Aktionspunkte ausbauen und später in die Holzveredelung einsteigen. Ich kann auch viele Waldhütten erreichten und mir deren Vorteile sichern oder ich betreibe intensiv Baumpflege. Die diverse Möglichkeiten lassen sich auch gut kombinieren. Bei manchen Expertenspielen sind eingeschlagene Wege nur schwer wieder zu verlassen. Hier ist dies nicht nur möglich, sondern in vielen Fällen notwendig und erfolgreich.
Das Spiel gibt den Spielern ein sehr positives Spielgefühl, denn in jeder Runde mache ich Fortschritte: Ich bekomme Holz oder erweitere mein Lager oder erfülle einen Auftrag und vieles mehr. Weil die Spieler im selben Wald und in den drei gleichen Fabriken arbeiten, kommt es zu Interaktionen. Meist sind dies kleine Behinderungen, niemals aber wird ein Spieler durch andere in seinem Erfolg zurückgeworfen.
Mit gefällt nicht nur der Ablauf und das Spielgefühl, sondern auch die Spieldauer. In keinem Spiel haben wir länger als eine halbe Stunde pro Spieler benötigt. Ein solche kurze Spieldauer ist für Expertenspiele ungewöhnlich. Ich bin kein Freund sehr langer Spiele, und so erfreut es mich, hier ein Spiel mit großer Tiefe mit einer Dauer von weniger als zwei Stunden (bei weniger als vier Spielern noch weniger) zu haben. Für mich ist deshalb Forestry das Highlight im Bereich der konkurrierenden Expertenspiele. (wd)
|
Steckbrief Forestry |
Autoren | Verlag | Spieler | Alter | Spieldauer | Gestaltung |
| Michal Peichl | Pegasus | 1 - 4 Spieler | ab 12 Jahre | 60 - 120 Minuten | Michal Řezníček |