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Heaven & AleHeaven & Ale

Es ist eine Grundregel der Pöppelkiste, dass der Rezensent ein Spiel mindestens fünf Mal gespielt haben muss. Manchmal gibt es Ausnahmen, die meistens sehr gut zu begründen sind. Hier ist wieder eine, denn bisher habe ich Heaven & Ale vier Mal gespielt.

In Heaven & Ale führt jeder Spieler einen Klostergarten. In ihm sind die Grundstoffe für das Bierbrauen herzustellen: Getreide, Wasser, Hopfen, Hefe und zum Heizen des Kessels Holz. Für jeden Grundstoff wird auf einer Wertungsleiste festgehalten, wie oft er produziert wurde. Eine für jeden Grundstoff unterschiedliche lange Anlaufphase erfordert ein paar Produkte, ohne direkt den Wert zu erhöhen. Ähnlich verhält es sich mit dem Braumeister. Er läuft auf derselben Skala. Seine Position bestimmt am Ende des Spiels einen Tauschkurs für Rohstoffe und ebenfalls einen Multiplikator. In der Endabrechnung wird der niedrigste Wert eines Grundstoffes mit dem Wert des Braumeisters multipliziert. Das Ergebnis macht meist ca. zwei Drittel der Punkte aus, die ein Spieler erreicht.

Unser Garten ist zu Beginn des Spiels leer. Er ist in eine Sonnen- und in eine Schattenseite unterteilt. Bei Wertungen geben Anpflanzungen auf der Schattenseite Geld, auf der Sonnenseite produzieren sie den Grundstoff.
Um den Garten mit Grundstoffen zu bestücken, kaufe ich sie mir von einer Laufbahn. Dort liegen pro Durchgang 15 Grundstoffe aus. Außerdem befinden sich dort vier Mönche zur Bewirtschaftung des Gartens sowie zwei Fassfelder und sechs Wertungsfelder. Auf der Laufbahn kann ich beliebig weit vorrücken und führe dann die Aktion des Feldes aus. Es geht niemals rückwärts, sodass ich einen Durchgang beende, wenn ich die Laufstrecke komplett zurückgelegt habe.

Wenn ich ein Feld mit einem Grundstoff oder einem Mönch betrete, muss ich das Plättchen bezahlen. Die Grundstoffe haben einen Wert von 1 bis 5. Möchte ich ihn auf die Schattenseite legen, sind die Kosten so hoch wie der Wert. Auf der Sonnenseite verdoppeln sie sich. Die Bezahlung eines Mönchs richtet sich nach der Position auf der Laufbahn. Am Anfang kostet er vier Taler, am Ende einen. Auch hier gilt: Schattenseite einfach, Sonnenseite doppelt.
Wird in der Auslage ein Kreis vervollständigt, so bestimmt die Summe der Plättchen, wie gewertet wird. Je niedriger die Summe aller Werte ist, desto weiter zieht der Braumeister und desto weniger Plättchen werden gewertet. Wie bei allen Wertungen gibt es auch hier Geld für Plättchen auf der Schattenseite und Produktion auf der Sonnenseite. Kommt ein Mönch in die Wertung, zieht der Braumeister ein Feld weiter.

Die Aussagen über Mönche, Schatten- und Sonnenseite gelten auch für die Wertungen über die Wertungsfelder. Bei einem Grundstoffe werden alle entsprechenden Plättchen im Garten gewertet, bei einem Wert alle Plättchen mit diesem Wert, bei einem Mönch werden die Plättchen um ihn herum gewertet. Dabei gilt, dass jeder Grundstoff und jeder Mönch nur einmal gewertet werden kann, von den fünf Werten nur einer in ganze Spiel. Für je zwei bestimmte Wertungen schaltet man sich ein Privileg frei. Es erlaubt eine einmalige Sonderaktion, z. B. erhält man 12 Taler oder darf den Grundstoff, der am weitesten zurückliegt, vorziehen. Bleiben noch die Fassfelder. Sie stellen bestimmte Aufgaben. Wer sie als erster erfüllt, bekommt ein großes Fass für vier Punkte, als zweiter ein kleines für zwei Punkte. Diese Punkte machen das fehlende Drittel an den Siegpunkten aus.
Das Spiel endet in Abhängigkeit von der Spielerzahl nach drei bis sechs Durchgängen. Der Braumeister bestimmt den Tauschkurs, mit dem der hinten liegende Grundstoff nach vorne gezogen werden kann. Auch Restgeld darf noch dafür eingesetzt werden. Zu dem Produkt aus Grundstoff- und Braumeisterwert werden die Siegpunkte aus Fässern addiert. Die Gesamtsumme bestimmt den Sieger.

Heaven & Ale spielt sich zunächst ungewohnt. Die Freiheiten auf der Laufbahn werden nur vorsichtig genutzt, weil übersprungene Felder im gleichen Durchgang nicht mehr erreichbar sind. Erst später lernen die Spieler, dass es sich mit den Grundstoffen und Mönchen am Ende der Laufstrecke auch gut gärtnern lässt.
Der Konkurrenzkampf auf der Laufbahn ist dann auch weniger hart als der Geldmangel. Wer in die Falle tappt und nur noch wenige Taler besitzt, beraubt sich seiner taktischen Möglichkeiten, der Aufbau des Klostergartens stockt und die Konkurrenz zieht davon. Deshalb ist ein Start ausschließlich auf der Sonnenseite nicht möglich.
Auch entsteht zunächst das Gefühl, die Grundstoffe nicht in die Wertung zu bringen. Das liegt daran, dass erst viele Plättchen in den Garten gelegt werden müssen, bevor Fortschritte erzielt werden können. Dazu scheuen sich viele Spieler, früh im Spiel Wertungen auszulösen. Da die Anzahl an Wertungen im Spiel begrenzt sind, bleiben Wertungsmöglichkeiten ungenutzt. Eine frühe Wertung kann daher sinnvoll sein, auch weil sie durchaus für den nötigen Nachschub an Talern sorgt.
Mit ein wenig Erfahrung wird der Klostergarten eine schöne Freizeitbeschäftigung. Das Spiel geht zügig voran, der Garten erfüllt sich, die Grundstoffe kommen in den Wertungsbereich. So sollte es für den Spielspaß sein. Hier gibt es allerdings eine Schattenseite: Wer Geld hat, kann kaufen, kann den Garten ausbauen, sinnvoll und besser werten als die Konkurrenz und ihr davonlaufen.

Ich habe bisher Heaven & Ale vier Mal gespielt, dabei alle Spiele deutlich gewonnen. Das letzte Spiel zeigte die große Schwäche des Spiels auf: Wenn es einmal läuft, sind sehr hohe Punktzahlen möglich. Wenn es nicht läuft, kann am Ende auch eine Null stehen. Das erzeugt hochgradig Frust, weil sie das Gefühl auslöst, nichts erreicht und das Spiel nicht verstanden zu haben.
Beides passierte im vierten Spiel. Ich hatte einen sehr guten Start, hatte viel Geld und konnten damit deutlich mehr Plättchen als die Konkurrenz erwerben. Damit waren meine Wertungen besser, und meine Privilegien kamen früh ins Spiel. Während einer meiner Mitspieler seine Null ertrug, standen meine Grundstoffe alle auf dem letzten Wertungsfeld, der Braumeister nicht weit davon entfernt und die Anzahl der Fässer hätte eine Brauereikutsche gefüllt. Ich spiele Heaven & Ale sehr gern, aber nach diesem Spiel, mochte es aus der Gruppe niemand mehr spielen. Weil sich das Geschehen herumsprach, möchten auch andere das Spiel nicht mit mir spielen. Die bei diesem Spiel immer weiter aufgehende Schere zwischen erfolgreichem Gartenbetrieb und kümmerlichem Klostergärtchen ist mir zum Verhängnis geworden.

Das Fazit ist demnach eigenwillig. Das Spiel bereitet mir viel Freude. Das einzige Manko ist diese aufklaffende Schere, doch es ist gravierend. Von daher ist hier ein gutes Spiel kritisch zu betrachten und mit Vorsicht zu genießen. (wd)

Steckbrief
Heaven & Ale

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Michael Kiesling, Andreas Schmidt eggertspiele 2 - 4 Spieler ab 12 Jahre 60 - 90 Minuten Fiore GmbH