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HanamikojiHanamikoji

Spiele aus und über Japan kommen vermehrt auf den deutschen Markt. Eines dieser Spiele kennen wir aus der kleinen rechteckigen Schachtel von Kosmos: Machi Koro, in dem wir eine Stadt aufbauen. Nun zoomen wir hinein, nach Kyoto, in eine Straße. Sie heißt Hanamikoji. Das Wort leitet sich von Hanami (Betrachtung der Blüten, zumeist sind die Kirschblüten gemeint) und Koji (Schönheit) ab. Die Straße war früher das Zentrum für Geishas. Um die Gunst dieser Frauen geht es in dem Spiel.
Geishas gehören zur japanischen Kultur. Sie genießen eine vielfältige sprachliche, kulturelle und künstlerische Ausbildung. Sie finden sich als Spezialisierungen in den Darstellungen wieder, wie zum Beispiel Teezeremonie, Musizieren oder Konversation. Die Geishas sind mit einem Wert von 2 bis 5 ausgestattet, wobei kleinere Werte mehrfach vorkommen.

Die Gunst einer Geisha wird mir zuteil, wenn ich ihr mehr Geschenke mache als mein Mitspieler. Dabei nimmt sie nur den Gegenstand an, den sie für die Ausübung ihrer Tätigkeit benötigt. Die Geschenke sind auf Karten abgebildet. Die Anzahl richtet sich nach dem Wert der Geisha. So hat die Flötenspielerin den Wert 2. Also gibt es zwei Karten mit einer Flöte.
Das Spiel wird über maximal drei Runden gespielt. Mein Mitspieler und ich bekommen je sechs Karten auf die Hand. Eine der 21 Karten scheidet für die laufende Runde ungesehen aus. Abwechselnd führen wir unsere vier Spielzüge aus. Jeder besteht aus dem Ziehen einer Karte und der Durchführung einer Aktion. Es gibt vier verschiedene, die ich pro Runde je einmal ausführen muss:

Ich lege eine Karte verdeckt zur Seite. Das Geschenk wird am Rundenende zu der entsprechen Geisha gelegt.

Ich nehme zwei Karten für die laufende Runde aus dem Spiel.
 

Ich lege drei Karten offen aus. Mein Mitspieler wählt eine aus. Er legt die eine Karte, ich die beiden anderen zur Geisha.

Ich wähle vier Karten aus und bilde zwei Stapel mit zwei Karten. Mein Mitspieler sucht einen Stapel aus und wie legen beide unsere Geschenke zu den Geishas.

Am Ende der Runde wird geschaut, wer die Gunst einer Geisha erhält. Zu Beginn des Spiels gehört sie keinem. Habe ich mehr Geschenke gemacht, erhalte ich die Gunst. Gleiches gilt für meinen Mitspieler. Ist die Anzahl gleich, bleibt die Gunst, wie sie ist: Hatte niemand die Gunst der Geisha, ist sie weiterhin neutral. Hatte die Geisha aber einen Günstling, so bleibt er es. Nach jeder Runde wird geschaut, ob es einen Sieger gibt. Das ist der Spieler, der die Gunst von Geishas im Gesamtwert von mindestens 11 besitzt. Wenn dieses Kriterium von keinem Spieler erfüllt wird, genügen, die Günste von vier beliebigen Geishas. Ist auch das nicht der Fall, folgt eine zweite beziehungsweise dritte Runde. Nach drei Runden endet das Spiel auf jeden Fall. Gibt es wieder keinen Sieger, werden die Werte der Geishas pro Spieler aufsummiert und bestimmen den Sieger. Dieser Fall trat in meinen Spielen noch nie ein

Hanamikoji heißt das Spiel und gibt dem Wort eine neue Bedeutung: Superspiel für Zwei. Es hat so viele positive Eigenschaften, dass ich jede nur kurz beleuchten kann.

Ich fange mit dem an, was als erstes wahrgenommen wird: Die Grafik. Wunderschöne Zeichnungen bringen uns die Welt Japans und der Geishas näher. Da die Originalgrafiken der japanischen Ausgabe übernommen wurden, gehe ich davon aus, dass nicht nur für mich Europäer japanisches Flair herübertragen, sondern die japanische Kultur repräsentieren.
Weiter geht es mit der Regel. Sie ist kurz, leicht verständlich und leicht erlernbar. Es sind nur vier Aktionen und ein wenig Drumherum. Schlank und auf den Kern reduziert kommt das Spiel daher.

Das Spielgefühl ist maßgeblich entscheidend. Ich habe viel Einfluss, denn ich entscheide in jedem Zug, welche Aktion ich mit welchen Karten durchführe. Das gibt mir das Gefühl, die Kontrolle über das Spiel zu haben. Die Möglichkeiten sind vielfältig und dennoch gut zu Überschauen. Als Folge gibt es so gut wie keine Downtime.
Ich schaue im Rahmen des Spielgefühls gern auf die Interaktion. Die gibt es hier reichlich. Die beiden „großen“ Aktionen, die mit drei bzw. vier Karten, beziehen den Mitspieler ein. Er wählt aus meinen Vorgaben aus. Hier hat mein Mitspieler direkten Einfluss auf mein Geschehen. Schöner geht es kaum, weil die Beeinflussung planbar und konstruktiv ist.
Zurück zum Spielgefühl. Das ist auch deswegen so angenehm, weil jede Runde einen Spannungsbogen hat. Die verdeckte Karte, die gewertet wird und die fünf Karten, die nicht zur Wertung beitragen, geben dem Spieler die für die Spannung notwendige Unsicherheit. Der geringe Zufallsfaktor durch die Karten, letztendlich bekomme ich und mein Mitspieler pro Runde zehn, führt zu unterschiedlichen Spielen. Er wirkt aber nicht negativ, weil die Karten sich nicht in gute und schlechte unterteilen lassen.

Ich betrachte zuletzt den Rahmen: Schneller Aufbau, wenig Verwaltung, kaum Handhabung und gutes Material tragen ihren Teil zum positiven Gesamteindruck bei. In dem Spiel suche ich die Gunst der Geishas, das Spiel hat meine schon vom ersten Moment an – weil hier wirklich alles stimmt. (wd)

Steckbrief
Hanamikoji

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Kota Nakayama Kosmos 2 Spieler ab 10 Jahre ca. 15 Minuten Maisherly Chan