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AzulAzul

Azul ist das portugiesische und auch das spanische Wort für Blau. Azulejos werden die blauen Kacheln genannt, die die Mauren auf die iberische Halbinsel brachten. Diese Kacheln und der Wunsch des portugiesischen Königs, eine Wand mit Azulejos zu verzieren, bilden die einfache Hintergrundgeschichte für ein gutes und eingängiges abstraktes Spiel.

Jeder Spieler besitzt ein Tableau. Auf dessen linke Seite befindet sich fünf horizontale Reihen, in den ein bis fünf Kacheln Platz finden. Eine Vorschrift besagt, dass in jeder Reihe immer nur eine Sorte von Kacheln gelagert werden darf. Es gibt Kacheln mit fünf verschiedenen Mustern. Rechts auf dem Tableau ist die Wand abgebildet, an die die Kacheln anzubringen sind. Welches Muster an die jeweilige Position gehört, geben Zeichnungen an der Wand vor.
Um an die Kacheln zu gelangen, werden je nach Spielerzahl fünf bis neun Tafeln mit genau vier Kacheln bestückt. Welches Muster die Kacheln aufweisen, wird zufällig bestimmt. Der erste Spieler einer Runde nimmt sich nun von einer Tafel alle Kacheln mit demselben Muster und legt sie in eine Reihe seines Lagers. Sollte er mehr Kacheln benommen haben, als dort noch frei Plätze sind, waren die überzähligen Kacheln leider qualitativ minderwertig und kommen in die Tonne. Das bringt am Ende der Runde Minuspunkte.
Die anderen Kacheln auf der Tafel schiebt der Spieler in die Mitte. Dort bilden sie jetzt eine eigene Gruppe, von der ebenfalls Kacheln genommen werden können. Auch hier gilt: Es sind immer alle Kacheln mit demselben Muster zu nehmen. Der erste Spieler, der in einer Runde Kacheln aus der Mitte nimmt, wird in der nächsten Runde Startspieler. Als Markierung bekommt er eine Startspielerkachel, die genauso Minuspunkte bringt wie eine minderwertige.

Sobald alle Kacheln verteilt sind, endet eine Runde. Nun werden Reihen im Lager von oben nach unten betrachtet. Ist eine Lagerreihe vollständig gefüllt, wird eine Kachel an der Wand befestigt. Hat sie direkte Nachbarn, bringt sie so viele Punkte, wie vertikal und horizontal Kacheln anschließen, ohne Nachbarn hingegen genau einen. Die restlichen Kacheln der Reihe werden abgeräumt. Ist eine Reihe unvollständig, bleiben die Kacheln liegen. Vielleicht lässt sich die Reihe in der nächsten Runde füllen.
Wenn ein Spieler eine horizontale Reihe der Wand fertiggestellt hat, endet das Spiel nach der laufenden Runde. Neben der Rundenwertung gibt es nun noch Punkte für vollständige vertikale und horizontale Reihen sowie für einen kompletten Satz von Kacheln, der auf fünf Kacheln mit gleichem Muster besteht. Wer die meisten Punkte besitzt, ist Sieger.

Die erste Begegnung mit einem Spiel ist die Optik, danach folgt das Material. Selten ist dies das erste Kriterium für eine Beurteilung. Das gilt auch hier, doch ist es entscheidend, wie Spieler dem Spiel begegnen. Die Tafeln zeigen ein Kachelmuster und sind wie die Tableaus aus dicker Pappe. Entscheidend beim Material aber sind die Spielsteine. Sie sind dicker als die Kacheln, die sie repräsentieren, liegen gut in der Hand und bieten mit ihren glatten Oberflächen ein angenehmes Gefühl in der Hand. Das Spielmaterial bietet dazu in seiner Gesamtheit einen ästhetischen Anblick und fordert zum Spielen auf.
Der erste Schritt in einem Spiel ist das Verstehen der Regeln und die Handhabung der Materialien. Die Regeln und der Ablauf sind einfach und gradlinig. Es gibt keine Ausnahmen: Kacheln nehmen, im Lager platzieren und am Ende der Runde werten. Dazu kommt eine Regelung zur Bestimmung des Startspielers und eine leicht verständliche und intuitive Schlusswertung. Schnörkel findet man hier ausschließlich in den Mustern der Kacheln. Ergänzend kommt hinzu, dass die Illustration des Tableaus das Spielgeschehen sehr gut unterstützt, weil sie einerseits dezent und anderseits klar und gut strukturiert ist.

Im Spiel findet sich die Gradlinigkeit wieder. Die Spieler stehen grundsätzlich nur vor einer Frage: Welche Kacheln nehme ich? Diese einfache Frage zu beantworten, ist nicht leicht. Die vielen Möglichkeit sind leicht überschaubar. Für eine gute Entscheidung muss dabei berücksichtigt werden, welche Kacheln von den anderen Spielern begehrt sind. So interagieren die Spieler über die Auslage der Kacheln, obwohl die eigene Wand keinem direkten Einfluss der Mitspieler ausgesetzt ist.
Das Spielgefühl ist positiv, weil alle Spieler in einer Runde Fortschritte erzielen. Die gängige Erkenntnis, dass sich eine konstruktive Spielweise umso mehr lohnt, je mehr Spieler mitspielen, gilt hier ganz besonders. Während ich bei vier Spielern meine Wand konstruktiv mit Kacheln bestücken sollte, bringt es mir im Spiel zu zweit erheblich Vorteile, wenn ich meinen Mitspieler behindere und ihm die dringend benötigen Kacheln vorenthalte. Ich bevorzuge die konstruktive Spielweise und spiele Azul daher lieber mit mehreren Spielern.

Schon nach dem ersten Spiel hat sich Azul in mein Spielerherz geschlichen. Ganz ruhig daherkommend hat die Mischung aus Einfachheit, Gradlinigkeit, ansprechendem Design und wundervollen Kachelsteinen mich schnell überzeugt. Eine minimale Hintergrundgeschichte für dieses hervorragende abstrakte Spiel rundet den bestehenden sehr guten Gesamteindruck ab. (wd)

Steckbrief
Azul

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Michael Kiesling Plan B 2 - 4 Spieler ab 8 Jahre 30 - 45 Minuten Chris Quilliams