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OrléansOrléans

Orléans hat bereits auf der zurückliegenden "Spiel 2014" in Essen für Aufsehen gesorgt. Das neue Werk von Reiner Stockhausen fiel auf durch seine originelle Mechanik, bei der die Spieler ihre Aktionen durch aus einem Beutel gezogene Personenplättchen freischalten. Diese Anleihe bei dem Prinzip des Deckbaumechanismus wurde plakativ als "Bag Building" beworben. Freilich finden sich ähnliche Ansätze bereits in Stockhausens Siberia (dlp games 2011), nun wurden sie jedoch zu einem abendfüllenden Strategiespiel weiterentwickelt. Schon bald wechselten sich in der online versammelten Spielergemeinde himmelhochjauchzende Begeisterung und lautstarke Enttäuschung über angebliche "Killerstrategien" ab. Grund genug, sich Orléans intensiver zu widmen!

SpielplanIn Orléans geht es darum, im mittelalterlichen Frankreich auf möglichst vielen Gebieten des Handels und der bürgerlichen Ehre stattliche Ergebnisse vorzuweisen. Dazu setzen die Spieler Gefolgsleute auf ihrem individuellen Tableau ein, erhalten so weitere Gefolgsleute, bewegen ihre Händler auf dem Spielplan und errichten in der Folge Kontore in Orléans und anderen französischen Städten. Zu Beginn stehen jedem vier Gefolgsleute zur Verfügung: Bauer, Schiffer, Handwerker und Händler. Eine Runde beginnt mit dem Aufdecken einer der sog. Sandglaskarten, die Ereignisse ankündigen, die in der Regel am Rundenende abgehandelt werden. So kann man sich mehr oder weniger auf die sowohl günstigen als auch negativen Vorkommnisse vorbereiten. Im Zentrum eines Durchgangs stehen jedoch Aktionsplanung und -durchführung. Dazu ziehen alle Spieler aus ihrem Beutel eine bestimmte Anzahl von Personenplättchen, die sie dann auf die einzelnen Aktionsfelder verteilen. Hier gilt, dass im nächsten Schritt nur solche Aktionen gespielt werden können, die die geforderte Kombination von Plättchen aufweisen. Freilich kann man in einer Runde Plättchen auf dem "Markt" zwischenparken oder auch nur einen Teil der Felder belegen, um dann später die fehlenden Plättchen hinzuzufügen. Zugleich ist man nicht verpflichtet, bereits frei geschaltete Aktionen wirklich auszulösen, sondern man kann auch damit warten, um unerwarteten Spielverläufen gerecht zu werden. Reihum führen die Spieler jeweils eine Aktion aus. Aktivierte Plättchen gehen zurück in den Beutel.

Bürger- und TechnikplättchenZu Beginn eines Spiels liegt der Fokus gewöhnlich auf der Rekrutierung weiterer Gefolgsleute. Die neuen Plättchen wandern direkt in den Beutel und können dann ebenfalls in den Folgerunden gezogen werden. Zugleich rückt der Markierungswürfel auf einer von sechs, den einzelnen Personentypen zugeordneten Leisten vor. So erhält man Boni wie Waren (Bauern) oder Geld (Schiffer). Ab der zweiten Runde kann man Mönchsplättchen ergattern, die als Joker jede andere Person ersetzen können. Handwerker bringen sog. Technikplättchen, die ein für allemal auf Aktionsfelder abgelegt werden und fortan die geforderte Person ersetzen. Durch Erwerb von Rittern wird dahingegen die Anzahl der Plättchen erhöht, die man in einer Runde ziehen darf. Mithilfe von Gelehrten aus der Universität wiederum geht man auf der Entwicklungsleiste voran. Hier winken beim Erreichen und Überschreiten bestimmter Felder Geld oder sog. Bürgerplättchen. Letztere sind für die Endwertung von Bedeutung: Neben den Punkten durch Geld und Waren erhalten alle Spieler noch einmal so viele Punkte, wie das Produkt aus erreichtem Entwicklungswert (maximal sechs auf der Entwicklungsleiste) und der Summe von Kontoren und Bürgerplättchen ergibt.

StundenglaskartenBesonders lukrativ sind die Ortskarten, die man durch Anwerben eines Kaufmanns erhält. Sie bieten einem weitere spezielle Aktionen, die sonst niemand anderem zur Verfügung stehen. Beim ersten Mal hat man nur Zugriff auf Ortskarten der Kategorie I, später sind dann auch Karten der etwas attraktiveren zweiten Kategorie zu erwerben. Da sie jeweils nur einmal vorhanden sind, zwingen sie die Spieler zur Spezialisierung: Hier haben wir u. a. Produktionsgebäude für bestimmte Waren oder Generatoren für Geld und Entwicklung. Noch interessanter sind spezielle Ortskarten, die Standardaktionen günstiger machen oder noch während der Aktionsdurchführung Nachschub an neuen Plättchen bringen. Letztgenannte Funktion erfüllt das "Badehaus": Sein Besitzer kann nach Freischaltung der Aktion drei Personenplättchen aus dem Beutel ziehen, davon zwei behalten und direkt auf dem Tableau platzieren, um ggf. damit in dieser Runde weitere Aktionen zu spielen (auch solche, die er bereits in diesem Durchgang genutzt hat). Die Kritik von Spielern, dass diese Ortskarte zu starke Vorteile bietet, hat der Verlag zum Anlass genommen, eine offizielle Regeländerung ins Netz zu stellen: Nun darf der "Badehaus"-Spieler nur noch zwei Plättchen aus dem Beutel nachziehen und eines davon nutzen. Beim genauen Hinsehen sind aber auch weitere Ortskarten recht stark und deshalb bei erfahrenen Orléans-Spielern heiß begehrt: So verdoppelt der "Pferdewagen" die Bewegungsmöglichkeiten auf den Landwegen des Spielplans und das sogar zu günstigeren Konditionen als bei der Standardaktion. Das "Laboratorium" gar produziert günstig Technikplättchen.

segensreiche WerkeIm weiteren Verlauf des Spiels wird es zunehmend wichtiger, sich im "Rathaus" an den sog. "segensreichen Werken" zu beteiligen. Dies ist die Möglichkeit, seinen u. U. zuvor erheblich gefüllten Beutel auszudünnen und bis zu zwei Personenplättchen für immer abzustoßen, dabei aber noch ein letztes Mal Vorteile einzustreichen. Es gibt acht Werke, die eine bestimmte Anzahl von bestimmten Personen erfordern. Sie bringen Geld oder Entwicklungsschritte. Noch wichtiger ist, dass derjenige, der die letzte Person für ein Werk einsetzt, als Bonus noch ein Bürgerplättchen erhält, weshalb man sich davor hütet, den Konkurrenten Vorlagen zu liefern. Am Ende der achtzehnten Runde erfolgt dann die Schlusswertung. Bei Gleichstand gewinnt der Spieler, der auf der Entwicklungsleiste weiter vorn steht.

AblageDas an dieser Stelle nur zu skizzierende Regelwerk verdeckt ein wenig die Tatsache, dass wir mit Orléans ein Spiel vor uns haben, das sich durchaus zügig spielen lässt. Die einzelnen Phasen einer Runde sind vor allem in der ersten Hälfte einer Partie schnell absolviert. Die vorgegebenen 18 Runden, die für die Entwicklung der eigenen Möglichkeiten absolut notwendig sind, bieten einen kurzweiligen Spannungsbogen. Das hinterlässt ein gutes Spielgefühl, weil es stets voran geht. Da die Regeln hier keine Vorgaben machen, planen wir unsere Aktionen simultan und können bei den Mitspielern spicken, alles andere wäre auch zu kompliziert. Grundsätzlich wird schnell klar, dass es für den Spielsieg wichtig ist, das "Deck" der eigenen Plättchen gut zu verwalten. Setzt man zunächst darauf, möglichst viele Personen im Beutel und dann auf dem Aktionstableau zu haben, wird man später auch die Möglichkeit des Rathauses nutzen, um die erwünschten Sorten aus dem Beutel zu ziehen. Die im Internet diskutierten sog. "Killerstrategien", die todsichere Wege zum Sieg darstellen sollen, sind gar nicht so tödlich. In unseren Partien hat sich nämlich gezeigt, dass bei ungefähr gleich starken Mitspielern keines der ins Feld geführten Rezepte sicher zum Sieg führt. So kam es z. B. vor, dass der Besitzer des (nach ursprünglicher Regel gespielten) Badehauses noch nicht einmal den zweiten Platz erringen konnte. Durch die zufällige Auslage von Waren auf dem Spielplan oder durch die Konkurrenz um weitere attraktive Boni sind die Spielverläufe jeweils von unterschiedlichen Faktoren bedingt. Wahr ist allerdings auch, dass ohne den Bau von Kontoren, ohne eine gute Position auf der Entwicklungsleiste und ohne nennenswerte Beteiligung an den "segensreichen Werken" ein Spielsieg nur schwer zu bewerkstelligen ist. Konzentriert man sich auf Mono-Strategien (etwa auf die Kontor- oder Geld-Strategie), werden die Spielzüge häufig als recht mechanisch empfunden, selbst wenn sie am Ende zum Gewinn des Spiels führen. Davon abgesehen sind die Spielverläufe in jeder Besetzung spannend und herausfordernd. Gerade das Gespenst der "Killerstrategie" erhöht paradoxerweise den Spielreiz, weil man den Gegenbeweis antreten möchte. Wenn das auch noch klappt, wird "Orléans" gar zu einer erfüllenden Spielerfahrung.

WarenplättchenNicht verschwiegen werden darf allerdings, dass das Spieldesign von Orléans eine Reihe kleinerer Mängel aufweist. Es ist nämlich offensichtlich, dass dem Spiel an mehreren Stellen der redaktionelle Schliff fehlt bzw. dass einiges mit heißer Nadel gestrickt wurde. Die o. g. Diskussion um das "Badehaus" ist in diesem Zusammenhang nur ein Symptom. Bei dieser Ortskarte ist meiner Meinung nach weniger ihre angeblich übermächtige Funktion problematisch, sondern dass sie den Spielfluss unnötig hemmt. Ich möchte an dieser Stelle nicht die weiteren, für sich vielleicht unscheinbaren Einzelheiten ausführlich beschreiben, die insgesamt gesehen jedoch durchaus ins Gewicht fallen. Stichwortartig zu nennen sind hier u. a. das Ungleichgewicht der Ortskarten und ihres jeweiligen spielerischen Nutzens, die tendenzielle Harmlosigkeit der Ereignisse, die zahnlose Drohung mit der "Folter" bei Zahlungsunfähigkeit oder das ungenutzte Potenzial, das die Wechselwirkungen von Geld, Waren und Ortskarten bieten könnten. Zum Eindruck des Unfertigen trägt die im Internet nachgeschobene Regeländerung bei: Dort werden neben der offiziellen neuen "Badehaus"-Regelung weitere von Spielern entwickelte Varianten vorgestellt mit dem Hinweis, man könne hier ganz nach eigenem Gutdünken verfahren. So etwas wirkt unentschlossen und wenig souverän, obwohl die offizielle "Lösung" doch gute Gründe für sich beanspruchen kann.

PersonenplättchenWas sagt uns das alles? Es sagt zunächst bloß aus, dass Orléans nicht das über alle Zweifel erhabene Highlight des Spieleherbstes ist, wozu es manchmal stilisiert worden ist. An einigen Stellen ist es dafür noch zu sehr "work in progress" oder gar Beta-Version. Orléans besitzt aber immer noch so viel Charme, dass es aus dem Mainstream heraussticht und trotz allen Mängeln Freude bereitet. Für die monierten Aspekte ist auf eine Erweiterung zu hoffen, die intensiver als das Grundspiel getestet worden ist und die vor allem aspektreiche neue Ortskarten ins Spiel bringt. Ein Anfang ist bereits gemacht: Während der "Spiel" in Essen wurden zwei weitere Orte als Goodie gereicht, die in die richtige Richtung weisen. (thb)

Zu dem Spiel gibt es ausführliche Anmerkungen.

Steckbrief
Orléans

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Reiner Stockhausen dlp games 2 - 4 Spieler ab 12 Jahre ca. 90 Minuten Klemens Franz