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Flash Point: Flammendes InfernoFlash Point: Flammendes Inferno

Unter anderem zu retten: Die Katze Einsatzleiter: "Haben sie die Küche schon erreicht?"
Feuerwehrmann: "Ja, aber hier ist nur eine Katze!"
Einsatzleiter: "Worauf warten sie noch, bringen sie sie raus!"
Feuerwehrmann: "Aber Sir, es sollen noch Menschen im Gebäude sein"
Einsatzleiter: "Erst bringen sie die verdammte Katze raus!!!"

Ein solcher Gesprächsmitschnitt würde wohl kontroverse Diskussionen über die Gewichtung von Menschen- und Tierleben hervorrufen. Flash Point diskutiert nicht: Mieze und Bello zählen ebenso bei den aus dem lichterloh brennenden Haus geretteten "Personen" mit wie die Menschen. Sieben an der Zahl müssen wir vor den Flammen bewahren, damit unsere Gruppe als Sieger hervorgeht. Werden jedoch vier Personen Raub der Flammen, so haben wir den Kampf gegen das ungezähmte Element verloren. In der Rezension werde ich ausschließlich Bezug auf das Fortgeschrittenenspiel nehmen, da die Einstiegsvariante nur dazu dient, die groben Abläufe des Spiels kennenzulernen. Da Flash Point starke Anleihen an Pandemie nimmt, werde ich immer wieder Vergleiche damit ziehen, ohne dass jedoch Nicht-Pandemie-Kenner nur Bahnhof verstehen.

Die Retter kommen!

Flash Point stellt nur eine einzige Grundaufgabe: Personen im brennenden Gebäude aufspüren und sicher nach draußen in den Rettungswagen verfrachten. Stets gibt es drei zufällig ermittelte Orte, an denen sie sich befinden. Ob es tatsächlich Personen sind oder doch nur falscher Alarm, wissen wir nicht: Die entsprechenden Marker liegen umgedreht aus und werden erst gewendet, wenn ein Feuerwehrmann das entsprechende Feld betritt. Im Pool stehen zehn Personen fünf Fehlalarme gegenüber, so dass man so manchen Weg vergeblich auf sich nimmt. Leider können wir uns nicht immer ungestört der Personenrettung widmen, denn es gilt, das Feuer unter Kontrolle zu halten. Jeder Spieler muss nämlich nach Abschluss seines Spielzuges würfeln und somit das Feuer weiter ausbreiten. Anhand einer Koordinatenleiste am Rand des Spielplans ermitteln wir das erwürfelte Feld. Dort tritt neuer Rauch auf. Ist schon Rauch vorhanden, wird er zu Feuer. Ist schon Feuer vorhanden kommt es zu einer Explosion. Hierbei breitet sich das Feuer auf die vier linear angrenzenden Felder aus. Trifft es dabei auf Wände, werden diese beschädigt, was mit einem Schadensmarker symbolisiert wird. Sind alle 24 Schadensmarker verteilt, stürzt das Gebäude ein. Dies bedeutet jedoch nicht zwingend eine Niederlage, sondern wir schauen nun, wie viele Personen wir retten konnten. Klar also, dass wir den Einsturz des Gebäudes möglichst lange hinauszögern wollen, wozu eine gute Balance zwischen Personenrettung und Feuerbekämpfung gefunden werden will. Außerdem müssen die Spezialisten überlegt gewählt werden. Derer acht stehen zur Auswahl, ein jeder mit unterschiedlichen Stärken, Schwächen und besonderen Fähigkeiten. Anders als in Pandemie werden sie nicht zufällig verteilt, sondern jeder Spieler wählt in Absprache mit der Gruppe einen der Spezialisten aus. Hierbei schauen wir, wie sich die Spielsituation darstellt: Haben wir Zeit und Gelegenheit, den Gefahrstoffspezialisten seine Arbeit verrichten und Gefahrstoffe unschädlich machen zu lassen? Lässt die Ausbreitung der Flammen zu, dass wir den Rettungssanitäter ins Haus schicken, um Personen zu behandeln und somit deren Abtransport zu erleichtern? Oder muss erst einmal der Fahrzeugmaschinist mit dem Löschfahrzeug ran, um die Situation etwas zu entspannen?

Spezialist zum Auffinden von Personen Sanitäter für die Erstversorgung von Verletzten Der Vielseitige, der Alles kann aber nichts Spezielles Spezialist zum Abtransport gefährlicher Güter

Abgewickelt werden sowohl Grundaktionen wie Bewegen und Löschen, als auch die individuellen Sonderaktionen über Aktionspunkte. Jedem Spieler stehen für seinen Spielzug regulär vier zur Verfügung, dazu kommen eventuelle Sonderpunkte, die der gewählte Spezialist mitbringt und die meist zweckgebunden eingesetzt werden müssen. Neu im Vergleich zu Pandemie ist, dass Flash Point es erlaubt, reguläre Aktionspunkte für spätere Züge aufzusparen, höchstens jedoch deren vier. Eine weitere prägnante Abwandlung ist die Möglichkeit, zu Beginn seines Zuges und gegen Zahlung von Aktionspunkten seinen Spezialisten auszutauschen - der sich dann jedoch erst wieder von außerhalb ins Haus vorarbeiten muss. Diese Möglichkeit ist bei Flash Point auch bitter nötig und bringt ein spannendes Element: Die Abwägung, wann ein Spezialist ineffektiv geworden und der Einsatz eines anderen nötig geworden ist.

Die Tatsache, dass so vieles gut überlegt und koordiniert sein will, führt wundersamerweise nicht dazu, dass sich irgendwer zum Leithammel aufschwingt (oder von der Gruppe dazu gedrängt wird), der jedem diktiert, was er zu tun hat. Vielmehr ist Flash Point das kommunikativste Teamspiel, das ich kenne. Die Qualität der Absprachen entscheidet hier nicht selten über Sieg oder Niederlage, denn stets gilt es, die Gesamtsituation im Blick zu behalten anstatt nur reaktionär zu agieren.

Bekämpfung des Brandes durch einen einzelnen Feuerwehrmann

Der doppelseitig bedruckte Spielplan bietet zwei unterschiedlich schwierige Häuser zur Wahl, außerdem bietet die Regel drei unterschiedliche Schwierigkeitsgrade an, gesteuert durch die Menge an Explosionen, Gefahrstoffen und Brandherden zu Spielbeginn (zu den Brandherden gleich mehr). Somit können wir im übertragenen Sinne aus sechs Schwierigkeitsstufen wählen, die aber leider nicht immer ausschlaggebend für die tatsächliche Schwierigkeit des Spielverlaufes sind. Vielmehr sind es häufig die Würfel und die Frage, wann im Spiel und wie häufig wir beim Ausbreiten des Feuers nach dem Spielzug ein Feld mit einem Brandherdmarker treffen. Dies sorgt nämlich zum einen dafür, dass sofort ein weiteres Mal gewürfelt werden muss und zum anderen, dass ein weiterer Brandherd ins Spiel kommt - das Risiko also steigt, einen zu treffen. Kommt dies nun früh und häufig im Spiel vor, so kann es schnell passieren, dass einem das Feuer selbst im niedrigsten Schwierigkeitsgrad völlig außer Kontrolle gerät und das Spiel quasi über einem zusammenbricht (siehe Foto), denn die Brandherdmarker sind nicht entfernbar. Ist man mit Fortuna im Bunde, so kann es für eine gut arbeitende Runde selbst im höchsten Schwierigkeitsgrad zu einem recht entspannten Spaziergang werden: Dies zeigte sich vor allem in einer Partie, in der wir mit der schwierigen Hausseite im zweithöchsten Schwierigkeitsgrad sogar alle zehn Personen retten konnten und dabei nur einmal Glück hatten, dass ein bei einer Explosion getroffener Marker sich als Fehlalarm entpuppte. Begünstigt wurde das Ganze durch die Tatsache, dass wir erst im letzten Viertel der Partie erstmals- und im weiteren Verlauf nur ein weiteres Mal- ein Feld mit Brandherd erwischt haben. Für die Pandemie-Freunde: Während dort in der Regel der gewählte Schwierigkeitsgrad das ausschlaggebende Element ist, welches durch das Kartenglück beeinflusst wird, ist das Verhältnis Schwierigkeitsgrad/Würfelglück bei Flash Point oft umgekehrt.

Hoffnungsloser Fall: Das Haus brennt enorm

Gestaltet sich der Einstieg in die grundlegenden Abläufe noch recht einfach, dauert es eine Weile, bis man Flash Point in allen Details so spielt, wie vom Autor vorgesehen. Dies liegt an der Detailfülle des Spiels, außerdem benutzt die Anleitung im (erfolgreichen) Bemühen um Atmosphäre gerne themenbezogene Begriffe für die Erklärung von Abläufen, was dazu führt, dass so mancher Punkt innerhalb der Runde zum Diskussionsobjekt wird. Hierzu ein guter Rat von mir: Wenn eine solche Frage auftritt, merkt sie euch und schlagt sie erst nach der Partie in der Regel nach. Das Spiel ist so robust, dass eine "falsche" Spielweise es nicht völlig verzerrt. Mit ständigem Herumblättern und Warten und Diskutieren jedoch beraubt ihr das Spiel seiner großen Stärke: Der Atmosphäre - in der richtigen Runde zieht Flash Point einen unweigerlich in seinen Bann und schafft ein großartiges Teamerlebnis. Stellt euch außerdem mal folgenden Dialog vor:
Einsatzleiter: "Haben sie die Küche schon erreicht?"
Feuerwehrmann: "Nein, ich bin noch im Flur. Kann auch noch ein wenig dauern - ich weiß gerade nicht, wie ich mich verhalten soll und blättere im Einsatzhandbuch…" (fd)

Steckbrief
Flash Point: Flammendes Inferno

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Kevin Lanzing Indie Boards and Cards 2 - 6 Spieler ab 10 Jahre ca. 45 Minuten Luis Francisco, George Patsouras, Hrvoje Cop