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ColoniaColonia

Ich habe schon in einigen Städten gearbeitet, auch länger als sechs Wochen. Für Köln stehen hier bei mir nur Tagesreisen zu Buche und das auch nicht im Mittelalter, zum Beispiel im Jahre 1322 A.D. Was aber nicht ist, kann nachgeholt werden, denn nun darf ich sechs Wochen am Stück als Oberhaupt einer Patrizierfamilie das Arbeitsleben organisieren. Ziel ist nicht Reichtum, sondern Prestige, und diesen erhalte ich durch den Erwerb von Reliquien.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg: Rohstoffen erwerben, daraus Produkte anfertigen lassen, diese Produkte verschiffen und Geld dafür kassieren und letztendlich die Reliquien erwerben. Wir schauen uns das mal genauer anhand einer Arbeitswoche an:

Nun wissen wir, wie wir an die Reliquien gelangen. Doch bisher habe ich nur wenig über die Ratserlasse erzählt. Sie sind ein Beiwerk, das die Gestaltung der Woche ein wenig abändert: Mal gibt es mehr Händler auf dem Markt, ein Handwerker produziert zwei Waren mehr, ein Schiff fährt zusätzlich ab oder die Bank tauscht Geld um.
Bevor jedoch die Wirkung in Kraft tritt, gibt es eine Abstimmung, bei der jeder Spieler so viele Stimmen hat, wie er Familienmitglieder in den Rat geschickt hat. Bei Gleichstand entscheidet die Stimme des Bürgermeisters; das ist der Startspieler der aktuellen Woche.

Das Spiel geht nun über sechs Wochen. Danach gibt es noch vier Kirchenfenster zu erwerben, eines aus jedem der fernen Orte. Sie bringen weiteres Prestige. Das Fenster bekommt jeweils der Spieler, der in der entsprechenden Landeswährung das meiste Geld besitzt. Das Geld tauscht er gegen das Kirchenfenster ein.
Wer nun über das meiste Prestige verfügt, ist Sieger. Bei Gleichstand gibt es eine Reihe von Tie-Breakern, der erste ist das restliche Geld, unabhängig von der Währung.

Kirchenfenster aus Nowgorod Kirchenfenster aus London Kirchenfenster aus Bergen Kirchenfenster aus Brügge

Schon diese Beschreibung des Spiels umfasst einige Zeilen, wobei noch etliche Details ausgelassen wurden. Obwohl das Regelwerk umfangreich ist, wird das Spiel schnell erlernt: Zum einen spielt es sich sehr intuitiv, zum anderen ist das Spiel gerade in den ersten Wochen sehr fehlertolerant. So können Neulinge hier einfach "drauflos spielen", während "alte Hasen" zügig die ersten Tage hinter sich bringen.
Das ganze wird durch das Thema und deren Umsetzung unterstützt: Diese Form der Wirtschaftsimulation ist jedermann verständlich.

Was folgt ist ein sich wiederholender Ablauf, der einzig von den Ratserlässen ein wenig unterbrochen wird. Damit wird das Spiel, das in der Regel gut zwei Stunden dauert, ohne Anstrengung spielbar. Die Spielzüge sind taktischer, aber fast nie strategischer Natur. Gleichzeitig ist die Länge des Spiels der meist geäußerte Kritikpunkt, und viele Spieler wünschen sich das 5-Wochen-Spiel.

Am Ende des Spiels kommt der große Kampf um die Reliquien und manch einer wartet zu lange mit dem Kauf, immer in der Hoffnung auf Besseres.
SpielplanJetzt ist genaues Timing und präzises Planen gefragt, was aber aufgrund begrenzter Optionen stets flott von der Hand geht. Das erlangte Prestige bewegt sich nach meinen Erfahrungen zwischen knappen 10 und gut 20 Punkten. Das ist wenig für ein Spiel mit dieser Spieldauer. Ich persönlich mag Spiele gern, bei denen jeder Punkt auf die berühmte Goldschale gelegt wird. Es hat aber auch den Nachteil, dass die geringe Punktzahl oft vom Spieler als Misserfolg empfunden wird, selbst dann, wenn sie mit einer guten Platzierung verbunden ist.

Ansonsten bleibt bei mir ein widersprüchlicher Eindruck. Unter allen Spielen, die zur Spiel '09 erscheinen und länger als eine Stunde dauern, ist Colonia das von mir am meist gespielte Spiel. Dies liegt nicht etwas daran, dass ich es forciert habe, sondern dass es immer wieder auf den Tisch gebracht wurde. Dabei ist es den Gelegenheitsspielern zu lang, und den Vielspielern zu repetativ und zu wenig strategisch. Es muss also Gründe geben, warum Colonia trotz der Kritik gespielt wurde. Der wichtigste Grund ist die Spielerzahl. Das Spiel ist in jeder Besetzung von drei bis sechs Spielern gut spielbar. Gerade für fünf und vor allem für sechs Spieler gibt es aber nur sehr wenige gut spielbare, abendfüllende Spiele. Colonia hat ein einfaches Mittel, sich an die Spielerzahl anzupassen: Je mehr Spieler, desto weniger Familienmitglieder bekommt der einzelne Spieler. Nun hätte ich erwartet, dass die Downtime deutlich steigt. Das tut sie wohl auch, doch ist es gefühlt längst nicht so viel, als dass es störend wirkt.
Ein anderer Grund ist die Ausstattung und die Aufmachung. Der Spielplan, der nur zerlegt in der Schachtel Platz findet, ist beeindruckend gigantisch. Seine gedeckten Farben ermöglichen es, dass Rohstoffe, Waren, Schiffe und vor allem die Spielsteine klar hervortreten und so einen Augenschmaus bilden. Das gleiche gilt für die Gestaltung der Karten, die wunderschön gezeichnet sind und das Thema unterstreichen.

Damit ist auch klar, wer mit Colonia gut bedient wird: Spieler, die ein thematisches, abendfüllendes Spiel mit dazugehöriger Gestaltung suchen, das man sehr gut intuitiv spielen kann und das fast keine strategischen Überlegungen verlangt. (wd)

Steckbrief
Colonia

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Dirk Henn Queen Games 3 - 6 Spieler ab 12 Jahre ca. 120 Minuten Claus Stephan, Marko Fiedler