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MacaoMacao

Wer sich über das heutige Macao informiert, bekommt die Auskunft, dass es sich um die zweite Sonderverwaltungszone innerhalb der Volksrepublik China handelt. Das Spiel gleichen Namens ist jedoch weit vor dieser Zeit angesiedelt und spielt im 17. Jahrhundert. Zu diesem Zeitpunkt war Macao eine portugiesische Kolonie. Die Bedeutung Macoas lag im Handel mit ostasiatischen Gütern wie zum Beispiel Seide, Jade oder Tee, die per Schiff nach Europa transportiert wurden.

Diplomat Böttcherei Zoll Betrachten wir dieses kolonialistische Macao ein wenig näher: Personen und Gebäude sowie Ämter befinden sich auf Karten. Sie bringen die Vielfalt in das Spiel, weil jede dieser Karten einen Spielvorteil mit sich bringt. Das kaufmännische Leben hingegen findet auf dem Spielplan statt. Rechts sehen wir 20 Stadtteile von Macao. Jeder Stadtteil wird entweder eine Waren anbieten oder aber einen Joker. Abgetrennt durch eine Mauer, selbige benötigen wir später für die Zugreihenfolge, befindet sich er große Ozean über den wir die Waren transportieren werden. Acht europäische Hafenstädte warten auf Lieferungen und belohnen diese mit Prestigepunkten. Als Kaufleute sind wir natürlich immer an Reichtum interessiert. Damit wir diesen auch angemessen zu würdigen wissen, befindet sich noch links auf dem Spielplan eine Tributleiste. Sie gibt an, wie viel Gold ich aufwenden muss, um die angezeigte Menge an Prestigepunkten zu erhalten.

Schauen wir uns die beiden Motoren des Spiels an: Karten und Aktionssteine. Zu Beginn jeder der 12 Runden (und eine als Startkapitel) erhalte ich eine Karte. In jeder Runde stehen zwei Karten mehr zur Verfügung als Spieler am Spiel teilnehmen. Gemäß der Zugreihenfolge nimmt sich jeder Spieler eine Karte und legt sie auf sein Tableau. Damit hat er sie reserviert, kann sie aber noch nicht nutzen. Dazu benötigt er Aktionssteine.
Für diese bekommt er eine große Windrose mit sieben Segmenten. Nach der Kartenverteilung gibt es einen Würfelwurf mit sechs verschiedenfarbigen Würfeln. Jeder Spieler darf nun zwei Würfel wählen und sich genau so viele Steine nehmen, wie der Würfelwurf zeigt. Der Würfelwurf bestimmt auch das Segment, an das die Aktionssteine gelegt werden müssen. Abschließend dreht jeder Spieler seine Windrose und bekommt dadurch eine Menge Aktionssteine ausgezahlt. Je kleiner die gewählte Zahl auf dem Würfel war, desto eher bekommt ein Spieler die Aktionssteine.

Spielplan Es folgen die Züge der einzelnen Spieler, von denen wir uns nun einen näher anschauen: Der Spieler kann hier diverse Aktionen ausführen, was entweder Aktionssteine erfordert oder aber Geld. Wir sprachen schon über die Karten: Um sie zu aktiveren, d. h. sie kommt aus der Reservierung und kann genutzt werden, sind bis zu vier Aktionssteine in genau vorgegebenen Farben notwendig. Eine aktivierte Karte kann jede Runde erneut genutzt werden.
Mit den Aktionssteinen bezahlt man auch die Ware oder den Joker aus dem Stadtviertel. Ein Joker kann zu einem beliebigen Zeitpunkt in drei Gold oder einen beliebigen Aktionsstein getauscht werden. Waren werden sofort auf das Schiff gelegt.
Die Schiffe wiederum werden mit Aktionssteinen angetrieben, wobei hier die Farben irrelevant sind. Läuft ein Schiff in den Hafen ein und hat die gewünscht Ware an Bord, darf sie für Prestigepunkte ausgeladen werden. Ebenfalls mit beliebigen Aktionssteinen bezahlt man den Fortschritt auf der Stadtmauer. Dort kann ein Spieler seinen Spielstein Richtung Norden ziehen. Von seiner Position auf der Mauer hängt es ab, wann ein Spieler seinen Spielzug ausführt.
Wes bleibt noch die Tributleiste. Wie schon gesagt, kann ein Spieler hier Gold gegen Prestigepunkte eintauschen. Der genaue Wert wird über die Karten ermittelt, die zu Beginn einer Runde ausgelegt wurden.

Spielertableau Nicht erwähnt habe ich bisher, dass Aktionssteine nicht aufgeschont werden können sowie die beiden Gegebenheiten, die zu einer Strafe führen: Wer in einer Runde keinen Aktionsstein zur Verfügung hat oder eine Karte bei vollem Tableau bekommt, verliert dafür am Ende des Spiels drei Prestigepunkte. Das gleiche gilt für jede Karte, die nach Abschluss der zwölfe Spielrunden noch auf dem Tableau liegt.
Zum Abschluss werden dann noch Prestigepunkte aus Karten vergeben und für jeden Spieler das größte zusammenhängende Gebiet in der Stadt gewertet. Die Prestigepunkte entscheiden dann über den Sieg.

Lange, vielleicht zu lange, mussten die Spieler auf ein komplexes Spiel von alea warten. Und vielleicht ist das Szenario ganz bewusst wieder in eine ferne Gegend mit kolonialem Hintergrund angesiedelt; wie einst Puerto Rico. Doch es ist müßig, die beiden Spiele zu vergleichen.
Die Grundmechanismen von Macao sind einfach: Karte wählen, Aktionssteine wählen, früher gewählte bekommen und diese dann zuletzt verwenden. Die gesamte Komplexität des Spiels steckt in den Karten. Jede Karte muss aktiviert werden und je größer ihr Vorteil desto schwieriger die Aktivierung. Dabei steht nicht die Anzahl im Mittelpunkt, sondern die Farbvielfalt. Manch ein Spieler verfluchte hier schon seine Gier nach großen Vorteilen, die dann lange nicht genutzt werden konnten.
Damit sind wir beim Spielgefühl: Macao ist ein Strategiespiel mit einer taktischen Komponente. Die Aktivierung der Karten will langfristig geplant sein; das genaue Agieren in jeder Runde hängt dann aber wesentlich von der Situation ab, die ein Spieler vorfindet. Dabei geht es immer konstruktiv zu, denn einmal erworbene Sachen behält der Spieler während des Spiels. Die Konkurrenz zwischen den Spielern beschrankt sich auf den Waren- und Jokerkauf sowie die Auslieferung der Waren. Manch ein Spieler mag dazu noch Karten besitzen, die über die Position auf der Mauer oder der Prestigepunktleiste definiert ist und somit eine Abhängigkeit zu den anderen Spielern bildet.

Windrose Sämtliche meiner Mitspieler und auch ich fanden das Verfahren für die Vergabe der Aktionssteine genial. Wer schnell agieren will, bekommt wenig Masse. Eine große Menge bedeutet hingegen eine lange Wartezeit auf die Verwendung. Zusätzlich birgt die Vergabe ein Zufallselement, welches alle Spieler gleichmäßig betrifft. Ähnliches gilt für die Karten: Jeder Spieler bekommt eine Karte, jedoch mag es nicht die gewünschte sein. Später agierende Spieler haben weniger Auswahl, was jedoch bei darauf ausgelegtem Spiel kein Nachteil sein muss. Apropos Nachteil: Jede Karte will, wenn man Strafen vermeiden möchte, aktiviert werden. Damit ist sie gleichzeitig Fluch, aber wegen ihres Vorteils auch Segen.
Obwohl die Spieldauer bei knapp 30 Minuten pro Spieler liegt und die Spieler ihre Züge nacheinander machen, ist die gefühlte Downtime kurz und kann mit der eigenen Planung ausgefüllt werden. Lediglich die letzten Runden können ein wenig mehr Zeit in Anspruch nehmen.
Damit ist die Grundlage für einen hohen Wiederspielreiz geschaffen. Dieser wird durch die Vielfalt der Karten - in jedem Spiel habe ich bisher neue schöne Kombinationen entdeckt - verstärkt. Ebenfalls einen Beitrag dazu leistet die Eigenschaft des Spiels, ihren Charakter mit der Spielerzahl zu verändern. Zu zweit ist die Konkurrenz um Stadtviertel gering, die Gebiete werden größer und die Waren können oft gemächlich ausgeliefert werden. Zu viert hingegen können die Waren schon mal frühzeitig ausverkauft sein. Wohl dem, der andere Wege erschlossen hat, sich Prestigepunkte zu besorgen.

GelehrterAktionssteine für die Aktivierung des Gelehrten Ich mag Macao sehr gern. Die Mechanismen sind abstrakt, wurden aber soweit thematisch eingekleidet, damit das Spiel Flair bekommt. Lediglich das Aufladen von Waren auf bereits abgefahrenen Schiffen stört ein wenig. Auch wirken weibliche Personenbezeichnungen merkwürdig, weil Personenkarten durch einen Bartträger gekennzeichnet sind. Ich kann leicht über diese Schwächen hinwegsehen.
Was mir an diesem Spiel besonders gut gefällt, ist die Herausforderung, die sich jedes Mal durch die Karten und die Würfelwürfe ergibt. Schon wenn ich meine erste Karte wähle, weiß ich, dass ich bereits begangene Wege verlassen muss und ich einen neuen Plan entwickeln muss. Das reizt mich und wer seine Flexibilität gern bei Spielen unter Beweis stellt, wird ebenso seine Freude an Macao haben.

Steckbrief
Macao

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Stefan Feld Alea 2 - 4 Spieler ab 12 Jahre ca. 90 Minuten Julien Delval, Harald Lieske