Pöppelkiste - RezensionWir beginnen mit der Vorgeschichte: Mit unserem Raumschiff befinden wir uns im Orbit um einen unbekannten Planeten. Es ist in einem erbärmlichen Zustand und wird bald zerbersten. So flüchten wir in die Rettungskapseln, die jeweils nur eine Person aufnehmen. Wir werden vom Mutterschiff abgesprengt und landen sicher auf der Planetenoberfläche. Unsere Rettungskapseln sind über den gesamten Planeten verstreut. Immerhin haben wir Funkkontakt. Außerdem möchten wir unsere Mission erfüllen, die zufällig bestimmt wurde. Unser Abenteuer kann beginnen.
Auf einer postkartengroßen Zeichnung sehen wir die Landschaft, in der wir gelandet sind. Vielleicht befindet sich dort ein Haus oder Pflanzen oder ein Tier. Nur der Spieler, der dort gelandet ist, sieht das Bild. Er darf es den Mitspielern beschreiben. Außerdem gibt es einen kurzen Text, der vorgelesen werden darf.
Jetzt ist es an der Zeit zu handeln. Für die Umgebung gibt es grundsätzlich sechs Handlungsmöglichkeiten, die in die Kategorien Bewegen, Schauen, Einwirken, Helfen, Nehmen und Bezwingen unterteilt sind. Der Raumfahrer, der sich dort befindet, entscheidet sich für eine Handlung. Wenn er möchte, kann er dies mit seinen Kollegen abstimmen. Sobald die Handlung gewählt wurde, gibt es kein Zurück mehr.
Zunächst wird das Risiko ermittelt. Eine Vorgabe teilt dem Raumfahrer mit, wie viele Würfel er werfen muss, um etwaigen Gesundheitsschaden, Moral- oder Zeitverlust zu erleiden. Durch Abgabe von Talenten kann die Anzahl der Würfel und damit das Risiko verringert werden. Nachdem die Auswirkungen erlitten sind, liest ein anderer Spieler aus einem der zahlreichen Bücher die Folgen der Handlung vor. Wir erleben ein Stück Geschichte des Planeten. Manchmal erhalten wir einen Gegenstand, es begleitet uns ein Tier oder der Planet hat eine andere Überraschung für uns parat.
Reihum reagieren die Raumfahrer an ihren Orten. Wenn jemand an einem Ort aktiv war, kann er dort nicht mehr agieren. Dann zieht er weiter. Ein Kompass gibt an, wohin wir in jeder Himmelsrichtung kommen. Feste Ziele werden mit einem Risikowürfel erreicht, für variable Ziele gibt es eine Wegebeschreibung, die oft ein höheres Risiko enthält.
Während wir über den Planeten wandern, können wir noch andere Verbesserungen vornehmen: Unser Charakter, der Raumfahrer, kann sich ausstatten und weiterbilden. Auch kann der Auftrag modifiziert werden, oder wir bekommen weitere Details genannt.
Schließlich erfüllen wir unsere Mission. Oft erhalten wir dabei ein Schicksal oder haben bereits eines im Laufe der Partie bekommen. Dann haben wir eine Alternative: Entweder wir hören auf und sind erfolgreich, oder wir versuchen, auch das Schicksal zu erfüllen und so einen epischen Sieg zu erringen.
Es sind Geschichten, die wir erleben. Nach und nach lernen wir den Planeten kennen. Über Karten erlangen wir Wissen über die Topografie. Wir können mit Sendemasten interagieren und finden heraus, wie wir Funksignale absetzen. Auch Teleporter, Boote, Raumschiffteile, Tiere, Städte und viele andere Elemente des Planeten erforschen wir nach und nach. Mit mehr Wissen können wir in weiteren Partien gezielter und erfolgreicher agieren, auch weil wir Gefahren wie große Hitze oder klirrende Kälte besser einschätzen können.
Es ist eine Welt zum Erleben. Natürlich möchten wir erfolgreich sein, doch der Kern des Spiels sind die Erlebnisse. Immer wieder entdecken wir neue Gegenden, Pfade, Landschaften und Bewohner. Dabei freuen wir uns, wenn wir einen uns bekannten Teil der Welt wiedererkennen. Nach und nach bekommen wir ein Gefühl für den Planeten, weil wir mehr Wissen über ihn anhäufen.
Mir gefällt auch, dass die Geschichten viel Freiraum lassen. Wir können uns hochgradig moralisch verhalten, ebenso kann ein Diebstahl nützlich sein, oder wir lassen uns ein Tier gut schmecken, anstatt auf seine Begleitung zu setzen.
Wir haben Vantage innerhalb eines Monats zweistellig gespielt. Dabei dauern die Partien, weil wir inzwischen gern epische Siege erlangen, oft zwei oder auch drei Stunden. Die epischen Siege sind dabei unser Ziel, meist geht es jedoch darum, einfach den Planeten noch mehr zu erforschen. Bei über 700 Orten und ebenso vielen Gegenständen bzw. Hilfsmitteln haben wir immer noch erst einen kleinen Teil gesehen. Das ist auch gut so, denn so werden wir noch lange unserem Forscherdrang nachgeben können.
Wer ein Spiel nur mit Optimieren, Gewinnen und strategischem Vorgehen verbindet, wird mit Vantage nicht glücklich. Wer hingegen Geschichten erleben will, Spannung aus der Erforschung eines Planeten zieht und kleine Überraschungen liebt, wird Vantage lieben, so wie wir. Es ist eine eigene Welt, verkleidet als Spiel. Es ist ein Buch zum Eintauchen und Mitgestalten. Für mich ist dieses Spiel ein wahrgewordener Traum. (wd)
| Texte in einer App
Eine schnellere Form bietet eine App, in der wir die Texte bekommen. Wir können sie genauso vorlesen wie aus den Büchern. Das Auffinden des Abschnitts geht dabei deutlich schneller, denn wir müssen nur das Buch und die drei, manchmal vier, Ziffern der Karte eintippen. Der Vorteil bei der App: Sie zeigt nicht den kompletten Text an, sondern zunächst nur den Teil, der für die Risikowürfel benötigt wird. So wird nichts über den Ausgang verraten. Besonders gut ist dies bei einem Solitärspiel, weil wir keine Informationen bekommen, bevor wir die Situation gemeistert haben.
Hier kann die App für Vantage heruntergeladen werden. |
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Steckbrief Vantage |
Autoren | Verlag | Spieler | Alter | Spieldauer | Gestaltung |
| Jamey Stegmaier | Feuerland | 1 - 6 Spieler | ab 14 Jahre | 120 - 180 Minuten | Valentina Filic, Sören Meding, Emilien Rotival |