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My VillageMy Village

Hallo, Fremdling! Setz Dich ein wenig zu mir! Was führt Dich in diese karge Gegend? Soso, ein Dorf willst Du gründen. Nun, das wird Dir nicht ohne Unterstützung gelingen! Ach so, Du hast Dir dein Gefolge mitgebracht. Ist es auch komplett? Es sollte einen Geistlichen, einen künftigen Bürgermeister, einen Kundschafter, einen Handwerker und einen Kaufmann umfassen! Alles da, sagst Du? Nun, dann steht der Gründung ja nichts mehr im Wege!

MöncheUnser Dorfleben beginnt damit, dass der Startspieler elf Würfeln wirft. Wer an der Reihe ist, sucht sich zwei der Verbliebenen aus und aktiviert mit ihnen Banner auf den Kartenvorder- und -rückseiten: Schwarze Banner sind meist auf den Rückseiten der Karten zu sehen. Mit ihnen beschaffe ich mir die jeweilige Karte. Die Auswahl besteht aus:

Auf der Vorderseite weisen die meisten Karten weiße Banner auf, welche ebenfalls eine Zahl zeigen. Aktivieren kann ich in meinem Zug entweder ein schwarzes oder mehrere weiße Banner. Hat man also viele weiße Banner mit identischer Zahl gesammelt, so kann man eine Vielzahl von Karten mit einer Würfelwahl aktivieren.

Thematisch ist My Village sehr schön umgesetzt.
Hervorzuheben ist vor allem die individuelle Gestaltung der Karten, insbesondere die der Reise: Sie zeigen oben rechts Kosten, die für die nächste Etappe zusätzlich zu entrichten sein werden und liefern gestalterisch den Grund dafür: Ein Taler, weil man den Fährmann bezahlen muss, der einen über den Fluss bringt, drei Zeit, weil man in ein Gewitter gerät, usw.

Reisekarten

Das Verstreichen der Zeit ist ein weiterer schön umgesetzter Faktor: Mit den meisten Aktionen die man ausführt, verstreicht Zeit, d.h. sie ist als Kosten auf der Karte aufgeführt.

Diese wird auf dem eigenen Dorfplan auf einer Zeitleiste abgetragen. Überquert der Zeitstein die Brücke vor dem Ausgangspunkt, muss man nach Beendigung der Aktion einen der Dorfbewohner versterben lassen. Damit man dies nicht vergisst, wird über die Scheibe die Figur des Gevatter Tod gestellt - zumindest in der Theorie.

Der Tod Praktisch ist die Steckfigur des Todes die schlechteste, die mir je in einem Spiel untergekommen ist. Man ist ja gewohnt, dass diese Figuren meist etwas zu locker oder etwas zu fest ineinandergreifen, aber hier ist keinerlei Zusammenhalt gegeben - was daran liegt, dass die Schlitze einen satten Millimeter breiter sind, als die Dicke des Materials (mit der Schieblehre gemessen). Die Figur muss jedoch zu oben genanntem, Zweck immer wieder hochgehoben und über den eigenen Zeitstein gestellt werden. Da man sie dabei manuell zusammenhalten muss und instabil steht, lässt man das schnell als zu umständlich sein. Somit findet die eigentlich schöne Idee nicht mehr statt, weil die Figur schlicht unbrauchbar ist.

Doch auch ohne Gevatter Tod zu bemühen, versterben Dorfbewohner. Geschieht dies, so kann der entsprechende Bereich nicht mehr genutzt werden, solange man nicht aus der Schule heraus für Nachwuchs sorgt. Bekommt der Verstorbene einen Platz auf dem Hauptfriedhof, so bringt er sogenannte Geschichtspunkte. Diese erhält man auch aus diversen weiteren Quellen, sie werden auf dem Dorfplatz, am Geschichtenbaum gesammelt. Sicher sind sie jedoch nicht: Der Ortsvorsteher, welcher sich die Geschichten der Dorfbewohner anhört, muss sie erst ins Gemeindehaus bringen, wo sie in der Dorfchronik niedergeschrieben werden. Auch dies thematisch sehr hübsch umgesetzt. Macht er das nicht rechtzeitig, so wird die Hälfte der bis dato gesammelten Punkte einer Rattenplage anheimfallen: Immer, wenn ein Bewohner verstirbt, wird ein Rattenwürfel geworfen und die Rattenfigur bewegt sich Richtung Dorfplatz. Erreicht sie diesen, geschieht das zuvor Genannte.

Bedauerlich finde ich die Verlagsentscheidung, das Spiel nicht mit Münzen, Plättchen oder Figuren auszustatten, sondern fast alles mittels schwarzer Säulen darzustellen. Diese nehmen, je nachdem wo sie stehen, jegliche Bedeutung an. Das funktioniert, steht der Atmosphäre jedoch im Wege und passt nicht zur sonstigen liebevollen Gestaltung.

SpielsituationBleibt die Frage, was My Village spielerisch drauf hat. Kann es dem populären Vorgänger Village, immerhin Kennerspiel des Jahres 2012, das Wasser reichen?
Nein, kann es nicht. Es ist ein gutes Spiel, dem jedoch ein wenig der Pep fehlt. Ich vergleiche es gerne mit einem Gasthaus mit solider Küche: Die Rezepte werden stets mit einer Hauptzutat gekocht. Hinzu kommen ein, zwei Nebenzutaten, die die Hauptzutat gut unterstützen. Dies entspricht dem strategischen Teil: Ich wähle einen Hauptweg, den ich gehen möchte und schaue beispielsweise welches Rathaus und/oder welche Kirche gut dazu passt. Diese bieten jeweils Vorteile im Spiel, bspw. Geldbeschaffung oder die Möglichkeit, Reiseetappen gezielter auszuwählen, oder bringen in der Schlusswertung Punkte für bestimmte Bedingungen. Bleiben wir beim Küchenbild: Nun geht es ans Würzen. Die Gerichte werden schmackhaft, jedoch mit wenig Würze serviert.

FeldEs fehlt diesem Spiel ein Spannungsbogen oder emotionale Momente. Die Würfel, bzw. welche meine Mitspieler mir übriglassen, wären dazu angetan. Doch kann ich mich darauf einstellen: Wenn ich auf bestimmte Würfelzahlen angewiesen bin, so sorge ich dafür, dass ich die Augenzahlen manipulieren kann und/oder nicht Letzter bei der Auswahl bin. Auch die Rattenplage vermag es nicht, Emotionen an den Tisch zu bringen: Sie kommt nicht überraschend, d.h. man weiß, ab wann die Ratte mit nur einem Würfelwurf das Dorf erreichen kann. Jeder kann selbst entscheiden, wieviel Risiko er im Umgang damit auf sich nimmt.

So plätschert My Village gleichförmig dahin wie ein langer ruhiger Fluss - in Vollbesetzung für meine Begriffe ein zu langer, denn hier reden wir von ca. zwei Stunden Spielzeit. Dafür passiert einfach nicht genug und es dauert zu lange, bis man nach seinem Spielzug wieder an der Reihe ist. Die Tatsache, dass man ein Ortsvorsteher ist, der stets alles im Griff hat, ruft einen Mangel an Dramaturgie hervor.
Das Spiel erzählt sehr schön die Entwicklungsgeschichte eines Dorfes - doch ist es leider eine, in der unvorhergesehene Ereignisse und dramatische Wendungen nicht vorgesehen sind. Somit vermag sich kein dauerhafter Reiz einzustellen - es funktioniert einfach alles etwas zu glatt und variiert von Partie zu Partie zu wenig.(fk)

Steckbrief
My Village

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Inka Brand, Markus Brand eggertspiele 2 - 4 Spieler ab 12 Jahre 60 - 90 Minuten Dennis Lohausen