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ShakespeareShakespeare

Es kommt wahrlich nicht häufig vor, dass sich Spiele um Dichter und Schriftsteller drehen. Wenn überhaupt, ist dies häufiger der Fall bei William Shakespeare (1564-1616), dem wohl berühmtesten Theaterdichter überhaupt. Wer kennt sie nicht zumindest vom Hörensagen, die Helden seiner Komödien, Historien und Tragödien, die auch immer wieder verfilmt worden sind (zuletzt "Macbeth")? Nun widmet sich das neue Spiel aus dem Hause Ystari dem britischen Genie und den anderen Londoner Theatermachern des Elisabethanischen Zeitalters. Doch wirkt Shakespearemit seinem kulturell schwergewichtigen Setting neben all den bunten Neuerscheinungen, die mit ungewöhnlichen Ideen und ausgefallenen Storys aufwarten konnten, auf den ersten Blick eher betulich und drohte deswegen auf der vergangenen Messe in Essen übersehen zu werden. Haben wir es hier etwa mit altbackenem Allerlei zu tun oder steckt da doch mehr dahinter?

HandwerkerIn Shakespeare buhlen bis zu vier Spieler um die Gunst ihrer kulturbeflissenen Königin Elisabeth I.: Innerhalb von sechs Tagen (= Runden) sollen sie üppig ausgestattete und inhaltlich überzeugende Stücke auf die Beine stellen. Es winkt reichlich Prestige, wenn man die richtigen Schauspieler und Theaterschreiber einstellt und ein fähiges Team hinter den Kulissen beschäftigt, das für prächtige Kostümierungen und beeindruckende Bühnendekorationen sorgt. Wenn dann am Ende noch die Einnahmen zumindest annähernd die Ausgaben für Gagen und Lohn decken, sind die Lorbeeren eines vom Hofe gekrönten Dichters mit seiner Schauspieltruppe zum Greifen nah.

Das begehrte Prestige (= Siegpunkte) erhalten die Spieler durch Ausstattungen mit teuren Kostümen und bunter Bühnendekoration sowie durch eifriges Schreiben an ihren Stücken, die über drei Akte reichen. Wie Shakespeare können die Theaterautoren selbst als Schauspieler agieren und umgekehrt. Zu Beginn besteht das Team eines jeden Spielers aus einem Autor, einem Schauspieler sowie einem Handwerker. Die Königin kann zudem bei Bedarf um Unterstützung gebeten werden. Um die hohen Ziele zu erreichen, bedarf es allerdings weiterer Schauspieler und Helfer, von denen man pro Runde eine Person anwirbt. Diese verlangen am Ende des Spiels ihren Lohn (von 0 Pfund bei Komparsen bis zu 5 Pfund bei überaus kompetenten Mimen und Ausstattern), sodass man bereits frühzeitig für Geldzufluss sorgen muss, damit man am Ende kein Prestige verliert, nur weil man seine Mitarbeiter nicht vollständig bezahlen kann.

Zu Beginn einer jeden Runde entscheiden sich die Konkurrenten, wie viele Aktionen sie spielen wollen. Dazu bieten sie verdeckt bis zu fünf Spielsteine. Wer am wenigsten bietet, kommt als erster zum Zug, die übrigen Spieler folgen entsprechend der Höhe ihres Gebots. Reihum müssen die Spieler entweder eine Person aus dem aktuellen Angebot anwerben oder können mithilfe ihrer Spielsteine eine Person aktivieren, um ihren Vorteil zu nutzen. Dies sind bei den Schauspielern in der Regel Schritte auf den Leisten der drei Akte und bei den Handwerkern der Zugriff auf die begehrten Kostüm- und Dekorationsplättchen in der allgemeinen Auslage. Eine aktivierte Gewandmeisterin kann z. B. so viele der bunten Kostümplättchen im Wert von 1 bis 5 nehmen, wie es ihr Fähigkeitswert erlaubt (6 oder 8 als maximale Summe der Plättchenwerte). Diese Plättchen werden frei den eigenen Schauspielern zugeordnet, die nach dem dritten Kostümplättchen fertig ausstaffiert sind und dafür je nach Gesamtwert des Kostüms eine Belohnung in Form von Geld und/oder Prestige bescheren. Dekorationsplättchen werden dahingegen auf den Bühnenabschnitt des eigenen Spielertableaus eingesetzt, wobei die Plättchen aufeinander aufbauen und farblich symmetrisch verteilt sein müssen. Je höher der Wert eines Dekorationsplättchens ist, desto attraktiver ist der Bonus, den man beim Auslegen des Teilchens erhält (z. B. Geld oder einmalige Werterhöhungen für die Bühnenbildner und Gewandmeisterinnen). Der Juwelier erlaubt es, ein goldfarbenes Kostüm- oder Dekorationsplättchen zu nehmen. Die letztgenannten Plättchen fungieren außerdem als Joker und gestatten es, über die Symmetrieregel hinwegzusehen.

SchauspielerBei einer Theaterproduktion unter Zeitdruck ist die Stimmung der Truppe sehr wichtig. Diese wird über eine Leiste auf dem Spielertableau angezeigt. Einzelne Personen heben bei Aktivierung die eigene Laune, während die Konkurrenten besonders durch Einsetzen von lilafarbenen Dekorationsplättchen dafür sorgen können, dass diese bei den Mitspielern sinkt. Nach der Aktionsphase wird die Stimmung ausgewertet: Je nach Position auf seiner Leiste gewinnt oder verliert der Spieler etwas (z. B. Prestige oder Fortschritte bei den Akten). Nur am vierten und sechsten Tag folgt darauf die Phase "Kostümprobe", bei der vollständig kostümierte Schauspieler vor allem zusätzliche Schritte auf den Aktleisten einbringen. Wichtig ist die Reihenfolge, in der die Spieler diesen Schritt absolvieren. Darüber entscheidet die sogenannte Initiativleiste, die auch im Fall von Gleichständen herangezogen wird. Wer in einer Runde den ersten Schauspieler aktiviert, darf eine seiner Farbscheiben auf den ersten Platz dieser Leiste setzen, die übrigen folgen, wenn auch sie ihren ersten Mimen genutzt haben. Bei der sich anschließenden Wertung der Akte können die Spieler mit dem besten Initiativwert u. U. knapp die Nase vorn haben, da je nach Position der einzelnen Spieler weitere Prestigepunkte und Geldbeträge ausgeschüttet werden.

Mit Ausnahme der letzten Runde müssen die Spieler am Schluss eines Durchgangs entscheiden, welche der aktivierten Personen eine Pause einlegen und damit in der kommenden Runde ausfallen müssen. Die Anzahl der Zwangspausierenden ist immer eins weniger als die der in einer Runde aktivierten Schauspieler und Handwerker.

Nach der letzten Kostümprobe steht die Premiere, also die Schlusswertung an. Hier erhalten die Spieler noch einmal Prestigepunkte für goldfarbene Plättchen sowie für erfüllte Zielkarten, die sie durch Aktivierung der Königin auf dem Spielertableau erhalten konnten. So wird z. B. mit bis zu zwei Prestigepunkten belohnt, wer viele Kostüme vollständig geschneidert hat oder eine besonders wertvolle Dekoration vorweisen kann. Dann steht die Bezahlung der Schauspieler und Handwerker an: Für jeden nicht vollständig entlohnten Mitarbeiter verliert man u. U. noch einmal zwei Prestigepunkte. Hat man nun am meisten dieser Punkte, hat man den Theaterwettstreit vor den Augen der Monarchin gewonnen. Shakespeare bietet ein gut verständliches Regelwerk, das bereits nach ersten Runde von Neulingen schnell verinnerlicht ist und für einen angenehm flüssigen Spielverlauf sorgt. Die auf den ersten Blick recht einfachen Aktionsmöglichkeiten entpuppen sich als ganz und gar nicht trivial. So kann man durchaus unterschiedliche Wege wählen, Prestigepunkte zu generieren. Im Regelheft wird zu Recht empfohlen, mindestens zwei Wege zu verfolgen und sich nicht auf nur eine Möglichkeit zu spezialisieren. So kann es etwa sinnvoll sein, durch den Einsatz von Juwelieren für eine lukrative Schlusswertung zu sorgen, dabei aber nicht den Fortschritt auf den Aktleisten aus dem Blick zu verlieren. Neben diesen eher strategischen Erwägungen, die ebenfalls durch frühes Ziehen von Zielkarten beeinflusst werden, spielt die taktische und interaktive Komponente eine wichtige Rolle. Die Konkurrenz um starke Personen oder wichtige Kostüm- und Dekorationsplättchen bestimmt die Entscheidung darüber, wie viele Aktionen man zu Rundenbeginn aufbieten möchte und wann man zum Zuge kommt. Außerdem muss man einberechnen, dass einem die aktivierten Personen bis auf einen in der folgenden Runde fehlen werden. Zugleich müssen die Spieler die Finanzen im Auge haben, zumal sie in jeder Runde einen Helfer oder Schauspieler anwerben müssen. Wer sparen möchte, kann die erworbene Karte umdrehen und als kostenlosen Komparsen nutzen. Dieser ist zwar für die Kostümproben von Nutzen, kann aber nicht aktiviert werden und so keine weiteren Vorteile bringen.

Königin Elisabeth I.Shakespeare ist - so ist in der Regel nachzulesen - von Beginn an als Spiel rund um das Theater konzipiert worden. Doch mussten Zugeständnisse an die Spielmechanik gemacht werden, die die Macher in dem Zusatztext auch offen zugeben. So zwangen mechanische Erfordernisse dazu, dass die Spieler nicht erst am Spielende zur Premiere Geld einnehmen, damit das Verhältnis von Personen und Lohn von Beginn an gut im Auge behalten werden kann. Aus meiner Sicht ist das völlig in Ordnung, wird doch so sichergestellt, dass das Spiel vor allem funktioniert. Als Gegengewicht zu diesen Zugeständnissen fungiert die wunderschöne Grafik der Personenkarten, auf die viel Sorgfalt verwendet wurde. Sie fangen sehr schön das Flair der dramatischen Werke Shakespeares ein. Die Illustrationen sind ein Gemeinschaftswerk von zwei Grafikern: Während Nériac die Rohzeichnungen verantwortete, fügte Demaegd durch die Kolorierung seine individuelle Note hinzu. Das Ergebnis kann sich bis auf einige weibliche Charaktere (z. B. Lady Macbeth, die eher einem japanischen Manga entstammen könnte) absolut sehen lassen. Doch auch spielerisch muss sich Shakespeare nicht verstecken: Während die angebotene Solo-Variante noch begrenzt unterhaltsam ist und eigentlich nur dem Zugang zu den Regeln dient, beginnt das Spiel vor allem in Partien zu zweit und zu viert zu glänzen. Im Duell wird das Moment der direkten Interaktion und die taktische Komponente besonders schön spürbar. In Vollbesetzung gewinnen das Gerangel um die Startspielerposition, die Pausen und der Wettlauf um die "Ressourcen" an Relevanz, so dass dichte, spannungsgeladene Partien garantiert sind. So entpuppt sich Shakespeare als vollauf gelungenes Spiel, das nur oberflächlich an Mainstream erinnert, aber von seinen inneren Werten her an die erfolgreichen Vorgänger aus dem gleichen Verlag anschließt. (thb)

Steckbrief
Shakespeare

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
RV Rigal Ystari 1 - 4 Spieler ab 13 Jahre 20 - 90 Minuten Arnaud Demaegd, Neriac