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MombasaMombasa

Was ist das für ein Spiel, das gleich auf der ersten Seite der Anleitung, noch vor der Erläuterung des Spielmaterials, ausführlich auf die Geschichte seiner Entwicklung eingeht und strikt den Verdacht von sich weist, bei Mombasa könne es sich um eine "historische Simulation" handeln? Trotz thematischer Verankerung in der afrikanischen Kolonialzeit beschränke sich das Strategiespiel von Alexander Pfister auf wirtschaftliche Zusammenhänge: "Die Ausbeutungen des afrikanischen Kontinents und seiner Einwohner wurden nicht ins Spielgeschehen eingebunden." Warum so viel Aufhebens? Ein Grund wird sicherlich sein, dass sich der Verlag schon vor zwei Jahren bei Mombasa, das als "Afrika 1830" den Hippodice-Wettbewerb des Jahres 2011 gewann, so sicher war, einen Hit zu landen, dass er seit der "Spiel" 2014 die potenzielle Käuferschaft durch kleine Appetithappen zu ködern versuchte. Die Ankündigungen riefen auch die Bedenkenträger auf den Plan. Immerhin galt die Stadt im heutigen Kenia als Zentrum des Sklavenhandels der kolonialen Besatzer. Den Skeptikern sei gesagt, dass in Mombasa tatsächlich alles politisch korrekt, dafür aber nicht historisch akkurat abläuft. Mit den allein an der spielerischen Qualität Interessierten soll deshalb hier nur der Frage nachgegangen werden, ob der ganze Hype, wenn schon die Diskussion um das Thema dem Spiel im Vorfeld nicht geschadet hat, durch den Spielspaß gerechtfertigt wird.

Spielsituation

Nicht hässliche Sklavenhaltung und Ausbeutung, sondern überlegte Buchhaltung und für europäische Strategiespiele typische Planungsentscheidungen stehen im Mittelpunkt von Mombasa. In sieben Runden handeln die Spieler mit afrikanischen Waren wie Kaffee, Baumwolle und Bananen. Sie bemühen sich um Anteile an den vier Handelskompanien (Mombasa, CapeTown, Saint-Louis und Cairo), deren Wert sie durch Ausweitung der Handelsposten einer Kompanie auf dem afrikanischen Kontinent steigern können. Die Jagd nach Diamanten vervollständigt das Bild, bei dem es darum geht, am Ende als reichster Händler das Spiel für sich zu entscheiden.

diverse KartenMombasa ist ein regeltechnisch komplexes Spiel, das von eggertspiele auch als solches vertrieben wird (vier von vier Tatzen auf der verlagseigenen Skala). Dies schlägt sich aber vor allem im aufwändigen Spielaufbau und einer Symbolsprache nieder, die auf den kleinen, fisseligen Plättchen nicht immer leicht zu entziffern ist. Bei alldem ist der Grundrhythmus dennoch klar und übersichtlich, wobei das Herzstück das Management der Handkarten darstellt. Und hier hat Mombasa Innovatives zu bieten: Unter und über den Spielertableaus finden sich sog. Slots für Karten. Während unten zunächst in der Planungsphase verdeckt die für die aktuelle Runde vorgesehenen Aktionskarten abgelegt werden, wandern diese nach Gebrauch in der Aktionsphase in die obere Etage, wo sie gesammelt werden und eventuell am Ende einer späteren Runde wieder aufgenommen werden. Die reizvolle Aufgabe ist es nun, sowohl die für die aktuelle Situation passenden Aktionskarten einzusetzen als auch diese an die "richtigen" Slots zu legen, um in der Zukunft optimale Kombinationen abrufen zu können. Voraussetzung ist aber auch der geschickte Ausbau der Kartenhand, die durch Handel mit weiteren Karten aus der Auslage auf dem Spielbrett aufgefüllt wird. Zugleich erhöht man seine Handlungsmöglichkeiten, indem man auf der sog. Diamant- und Buchleiste fortschreitet. So erhöht man zum einen seinen eigenen Reichtum, und zum anderen schaltet man so weitere Slots frei, sodass bei abgeschlossenem Ausbau bis zu fünf Karten in die Reihe gelegt werden können. Etwas komplizierter gestaltet sich dies bei der Buchleiste. Dazu wird die Aktionskarte "Buchhalter" verwendet, die es dem Spieler auf der einen Seite ermöglicht, weitere Bücher aus der Auslage auf seinem Tableau auszulegen, und zum anderen je nach ausgelegter Warenmenge eine oder mehrere Etappen auf den Büchern zurückzulegen und eine kleine Belohnung zu erhalten, die das Zielplättchen angibt. Unterschiedliche Boni bringt auch die Ausbreitung der Handelskompanien, je nach Region. Die Handelsposten werden von der jeweiligen Basis genommen, dabei können Münzsymbole sichtbar werden, deren Summe bei Spielende den Wert eines Anteils für diese Kompanie bestimmen. Durch den Warenhandel können die Spieler dazu auf den vier an den Ecken des Spielplans angelegten Kompanieleisten vorziehen und so bis zu sechs Anteile pro Kompanie erwerben. Gleichzeitig gibt es Aktionsvergünstigungen oder eigens für Anteilshaber reservierte Zusatzaktionen, die Bonusaktionen auf dem Spielplan ergänzen.

BücherMombasa ist ein Spiel für "Buchhalter", spricht also im positiven Sinne die Spieler an, die ein Faible für Optimieraufgaben und für ausgefeilte Mechanismen mit komplexen Wechselbeziehungen haben. Diese Beziehungen müssen über die ganze Partie nachgehalten und berechnet werden. Interaktion wird durch die Möglichkeit, einzelne Kompanien gegenüber anderen stark zu machen, oder über Mehrheiten, deren Belohnung man mittels Bonusaktion für sich reklamieren muss, mehr als reichlich garantiert. Neben dem Kartenmanagement ist die Gestaltung der eigenen Buchleiste besonders herausfordernd, um eine Kette einlösbarer Bedingungen zu schaffen. Vor allem bei den ersten Partien kann man sich hier ganz schön verzetteln, was zu Frustration führen kann. Man muss auf mehreren Ebenen aufmerksam sein und auf deren Verzahnungen achtgeben. Für Mitspieler, die nicht ganz der Zielgruppe der Vier-Tatzen-Spiele entsprechen, ist diese Aufgabe mehr Arbeit als Spiel, doch für den eingefleischten Strategen mit Vorliebe für mechanisch überzeugende Spiele wird hier beste Kost gereicht.

Mombasa funktioniert in jeder Besetzung und verspricht Stunden bester Unterhaltung, wenn man diese Art von Spielen mag. Durch verschiedene Stellschrauben (z. B. einer Auswahl unterschiedlicher Kompanieleisten) ist für Abwechslung gesorgt, sodass eingefahrene Strategien sich gar nicht erst einstellen. Mombasa spielt sich trotz der komplexen Zusammenhänge recht flüssig, man ist stets eingespannt und empfindet nicht eine Sekunde Langeweile. Für mich ist aus diesen Gründen der Hype um dieses Spiel durchaus gerechtfertigt: Mombasa ist ein unumstrittenes Highlight seines Jahrgangs. (thb)

Steckbrief
Mombasa

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Alexander Pfister eggertspiele 2 - 4 Spieler ab 12 Jahre 75 - 150 Minuten Klemens Franz, Andreas Resch