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SpectaculumSpectaculum

Titel und Aufmachung des neuen Eggertspiels Spectaculum von Reiner Knizia machen neugierig: Ist dies ein Spiel, das verspricht, ein Spektakel zu sein? Die Beschreibung auf der Spieleschachtel verrät, dass wir Gauklertruppen durch das Königreich ziehen lassen, um an ihnen Geld zu verdienen. Es geht also um Wegebau und Finanzspekulation. Der Neugierige stutzt und fragt sich, was ihn da nun wirklich erwartet. Treten wir also näher und wagen einen genaueren Blick.

In Spectaculum sind die Spieler in der Tat so etwas wie die Vorläufer neuzeitlicher Investoren. Sie schlüpfen in die Rolle von finanzkräftigen Gönnern, die Gaukler von bis zu vier Wandertruppen in ihre Gunst aufnehmen, d. h. in sie investieren, um sie zu gegebener Zeit ziehen zu lassen und am gewonnenen Ansehen der Künstler zu verdienen. Dieses Ansehen, das sich in barer Münze auszahlt, lässt sich beeinflussen, indem man die Gauklertruppen über das Land schickt, wo sie auf Dorfplätzen und Höfen durch ihre Vorstellungen ihren Ruhm mehren oder ihrem Ruf schaden, Bonuszahlungen erhalten oder zum Schutz vor Seuchen Geld lassen müssen.

verschiedene GauklerZu Beginn erhalten die Spieler bereits je eine Gauklerkarte aus den vier Truppen in unterschiedlichen Farben. Alle besitzen zunächst das gleiche Ansehen. Kernmechanismus ist das Setzen von drei Wandersteinen in den Farben der Truppen. Die Steine werden verdeckt aus einem Beutel gezogen, sodass ihre Farben für die Mitspieler nicht sichtbar sind. Die Steine markieren den Wanderweg der Truppen von ihren Stammsitzen zu den einzelnen Dörfern, auf denen zufällig ausgelegte Plättchen Plus oder Minus des Ansehens angeben, das die Farbe erhält, wenn man ihren Trupp dorthin gelangen lässt. Außerdem gibt es dort spezielle rot umrandete Zahltags-Plättchen, die allen Spielern für jede Karte des Gauklertrupps zwei Dukaten einbringen, oder die Seuche, bei der man zwei Dukaten pro Karte des Trupps zahlen muss. Schließlich befindet sich in der Mitte des Spielplans der Königshof, der das Ansehen einer Gauklergruppe um fünf Punkte steigert. Der Spieler schließt seinen Zug ab, indem er drei neue Steine verdeckt aus dem Beutel zieht.

Vor und/oder nach dem Legen der drei Wandersteine (aber nicht dazwischen) können die Spieler bis zu zwei sog. Gaukleraktionen durchführen: Entweder können sie einen neuen Unterhaltungskünstler in ihre Gunst aufnehmen, indem sie ihn mit Dukaten in Höhe des aktuellen Ansehens seiner Truppe bezahlen, oder einen Gaukler wieder aus ebendieser entlassen. In diesem Fall geben sie die Karte wieder in den Vorrat und erhalten das Ansehen in Dukaten ausbezahlt.

Spectaculum endet sofort, wenn von den rot umrandeten Plättchen nur noch eins unbesetzt und ein Wanderstein bereits auf dem Königshof liegt, ansonsten wenn der letzte Wanderstein aus dem Beutel gezogen wurde. Jeder Spieler erhält dann noch den Ansehenswert seiner Karten in Dukaten ausgezahlt. Der reichste Spieler gewinnt, bei Gleichstand gibt es keinen Tiebreaker. Trotz Mittelalter-Einkleidung und der mehr oder weniger lustig gestalteten Gauklerkarten kann "Spectulum" nicht verheimlichen, dass es ein konventionelles und unspektakuläres Aktien-Spiel ist, das technisch freilich gut funktioniert. Taktisches Timing sowie ein guter Überblick über das Spielbrett und die Auslagen der anderen sind sicherlich die Hauptanforderungen an die Spieler. Jederzeit muss man damit rechnen, dass sich die eigenen Aussichten durch unvorhergesehenes Wandern der Truppen verschlechtern oder verbessern. Dann heißt es, flexibel zu sein und sich breit aufzustellen. Strategisches Planen ist auch mit der in den Regeln angebotenen Variante, vier statt drei Steine zu ziehen, von denen man drei ausspielt und einen für die nächste Runde aufbehalten kann, nicht wirklich möglich. Dagegen ist das Ärgerpotential groß, wenn der Gegner einer Gauklertruppe, von der man viele "Anteile" hat, die Seuche auf den Hals schickt. Aus diesem Grund ist es ratsam, sich nicht auf eine Farbe festzulegen oder gar als einziger alle Gaukler einer Truppe zu sammeln - das ruft die Seuchen-Aktionen der Mitspieler automatisch auf den Plan. Wohl bedacht wollen auch die Gaukleraktionen sein. So ist es z. B. denkbar, zu Beginn seines Zuges z. B. eine rote Karte zu kaufen, dann das Ansehen der roten Truppe durch Wanderung zu steigern und zum Schluss in seiner zweiten Gaukleraktion durch Abstoßen der roten Karte seinen Gewinn einzustreichen. Sinnvoller ist es allerdings, ein gleichmäßiges Portfolio zu erstellen, in wechselnden Koalitionen Truppen zu entwickeln und dann zum günstigsten Zeitpunkt zwei Gaukler aus seinem Dienst zu entlassen.

Spielsituation

In den Testrunden wollte der Funke nicht recht überspringen. Woran liegt das? Die Gründe sind vielfältig und für unterschiedliche Spielergruppen relevant. Zum einen ist das Thema "Gaukler" für Gruppen, denen die historische Verankerung eines Spiels wichtig ist, so beliebig wie historisch falsch verstanden. Gaukler waren im Mittelalter Menschen am Rande der Gesellschaft, vom Recht kaum geschützt. Wenn sie Glück hatten, erhielten sie als Unterhalter am Hofe ein wenig Geld, aber niemand wäre damals auf die Idee gekommen, in rechtlose Spielleute mit unregelmäßigem Einkommen zu investieren. Die schöne, aber für jede Farbe gleiche Gestaltung der Gauklerkarten bleibt darüber hinaus spieltechnisch funktionslos und spricht mit ihrem Humor weithin nur Kinder an. Als Familienspiel ist Spectaculum denn auch am besten geeignet. Die Herausforderung durch den abstrakten Mechanismus ist überschaubar, die taktischen oder gar strategischen Möglichkeiten halten sich in Grenzen. Doch ist da das für Familien u. U. problematische Ärgerpotential, das die Schadenfreude steigert, wenn man Gauklertruppen der Mitspieler im Ansehen arg abstürzen lässt. Aufgrund der allzu konventionellen Spielmechanik und der aufgesetzten thematischen Einkleidung ist das blasse Spectaculum für alle Zielgruppen genau das Gegenteil seines Namens, nämlich ein nur mäßig unterhaltsames Dorfschützenfest, zu dem man vielleicht einmal im Jahr geht und an das man dann für den Rest des Jahres keinen Gedanken mehr verschwendet. (thb)

Steckbrief
Spectaculum

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Reiner Knizia eggertspiele 2 - 4 Spieler ab 8 Jahre 30 - 45 Minuten Marc Margielsky, Hans Georg Schneider