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Brügge - Die Stadt am ZwinBrügge - Die Stadt am Zwin

Man sollte meinen, dass gerade ein Spiel wie Brügge keiner Erweiterung bedarf, da es doch durch 165 verschiedene Karten schier unendlich viele Kombinationsmöglichkeiten bietet, die man in seinem Spielerleben kaum alle ausloten können wird. Aber die Vielfalt bei Brügge hat damals im Test bei allem Lob auch zwiespältige Gefühle hervorgerufen, da sie zu Unausgewogenheit der Chancen führen kann und einen manchmal mitunter ärgerlichen Glücksanteil mit sich bringt. Der Beliebtheit des von Michael Menzel wunderschön illustrierten Spiels mit überschaubarer Spielzeit hat dies allerdings keinen Abbruch getan, zu sehr lockt die "Wundertüte" die gewieften Taktiker an die Spieltische. Die Erweiterung Brügge - Die Stadt am Zwin bietet nun für die Unersättlichen weitere Möglichkeiten, und zwar in Form von vier Modulen, die - man ahnt es - nahezu beliebig miteinander kombiniert werden können. Gleichzeitig sollen so offenbar kleinere Schwächen des Grundspiels (so etwa die zumeist wenig erfolgversprechende "Kanalbau-Strategie" oder die Übermacht einzelner Karten) ausgebügelt werden.

zwei FrauenIn der Schachtel warten 39 neue Personenkarten, darunter 22 der neuen Personengruppe "Reisende", darauf, ausprobiert zu werden (Modul 1). Hinzu kommt die aktualisierte Karte "Graveur", deren Kosten von 12 auf 9 Gulden reduziert wurde, die dafür aber statt 2 Punkten nur noch 1 Punkt pro am Ende ausliegender Personengruppe einbringt. Der "Graveur" ist eine der Personen des Grundspiels, die früh auf der Hand zu starke Vorteile geboten hat. Einige dieser neuen Personen (z. B. die Reisenden aus Ägypten, Griechenland oder Italien) bringen eine weitere interessante Option ins Spiel. Sie erlauben es nämlich, bestimmte Karten aus dem Ablagestapel herauszusuchen und diese als Personen oder Häuser in die eigene Auslage zu platzieren. Mit den neuen Karten und der erweiterten Ausstattung an Spielermaterial ist es darüber hinaus möglich, Brügge zu fünft zu spielen (Modul 2). Auf dem zusätzlichen Spielplan steht dazu ein weiteres Stadtviertel am Zwin zur Verfügung. Das Zwin ist ein im Mittelalter durch Sturmflut entstandener Seearm, der der Hansestadt Brügge damals den Zugang zur Nordsee eröffnete.

Schiffe mit ZusatzfunktionenDas Zwin steht auch im gleichnamigen dritten Modul im Fokus: Würfelt der Startspieler Dreien und Vieren, gehen Schiffe in der entsprechenden Farbe vor Anker. Diese können nach einer Kanalbauaktion gegen Abgabe eines gleichfarbigen Handlangers genutzt werden. Die auf diese Weise erlangten Bonusaktionen erlauben u. a. den Aufstieg im Rathaus um 1 Stufe oder gewähren andere Vorteile wie die Einnahme von sechs Gulden oder den Erwerb von drei beliebigen Handlangern.

Der Primus an der BörseIm letzten Modul mit dem Titel "Die Börse" werden schließlich einzelne der sechs Standardaktionen (Handlanger erhalten, Geld einnehmen, Kanalplättchen bauen…) zeitweise aufgewertet. Am Anfang einer Runde wird nach dem Kartennachziehen eine Börsenkarte aufgedeckt und mit 5-6 Aktionsmarkern versehen. Immer, wenn ein Spieler die angegebene Aktion spielt, kann er einen Marker entfernen und die Verbesserung für sich nutzen. So kann man z. B. mehr Geld einnehmen oder erhält Farbfreiheit beim Kanalbau.

zwei MännerDie einzelnen Module zeugen vom Ideenreichtum des Brügge-Autors Stefan Feld. Dabei sind vor allem die Erweiterungen "Das Zwin" und "Die Börse" interessant. Zum einen erhöhen sie tatsächlich die Attraktivität von einzelnen Aktionen, insbesondere der Kanalbauaktion. Zum anderen erweitern sie noch einmal den Spielraum für die einzelnen Spieler, d. h., sie bleiben dem Erfolgsprinzip von "Brügge" treu, indem sie die Entdeckungs- und Experimentierfreude entfachen. Doch die erneute Potenzierung der Möglichkeiten kann die beim Grundspiel zu beobachtenden Frustrationserlebnisse nicht gänzlich verhindern: Die Verbesserung einzelner Aktionen wird nämlich nur dann wirklich spürbar, wenn die anderen notwendigen Faktoren stimmen. So muss der Spieler beim Kanalbau nicht nur auf die richtigen Kartenfarben warten, sondern auch frühzeitig Vorsorge dafür treffen, dass er die passenden Handlanger für die im Modul "Das Zwin" angebotenen Bonusaktionen parat hat. Im schlechtesten Falle bleibt er wegen der fehlenden Karten jetzt nicht nur vom Bau der Kanalplättchen, sondern auch vom Genuss der attraktiven Boni ausgeschlossen. Solche und andere Überlegungen rauben dem Spiel einiges an Leichtigkeit, vor allem dann, wenn man mehrere Module gleichzeitig verwendet. Das Spiel zu fünft ist auch ohne weitere Zusätze vor allem etwas für ausgefuchste Brügge-Experten, da es hier häufig vorkommt, dass der Spielfluss wegen der Zusatzaktionen arg ins Stocken gerät und schlimmstenfalls die in den Kartentexten vertieften Mitspieler den Überblick darüber verlieren, wer überhaupt am Zug ist.

zuästzlicher SpielplanSo bleibt festzuhalten: Die Brügge-Erweiterung bietet kleine Korrekturen und einige interessante Ergänzungen zum Grundspiel, ist aber in erster Linie die komplexe Fortsetzung des ursprünglichen Programms. Wer dieses Programm der Vielfalt zuvor schon nicht mochte, wird auch mit Brügge - Die Stadt am Zwin nicht warm werden. Doch die Brügge-Fans sind damit bestens bedient, und wie bei Filmen und Büchern ist dies ja der vorrangige Zweck eines Sequels. (thb)

Steckbrief
Brügge - Die Stadt am Zwin

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Stefan Feld Hans im Glück 2 - 5 Spieler ab 10 Jahre ca. 60 Minuten Michael Menzel