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AugustusAugustus

Wer hätte gedacht, dass einem Spiel, welches auf einem "Bingo"-Mechanismus fußt und ein doch recht abgegriffenes Thema hat, so viel Aufmerksamkeit zuteil würde. Die Zahl an Einträgen in den einschlägigen Foren und vor Allem der jüngst erreichte vierte Platz beim Pfefferkuchel in Oberhof (dem Golden Globe der Spieleszene) zeigen: Augustus erfreut sich großer Beliebtheit. Woran liegt's?

Senatoren,Länder und RohstoffwertungNun, schon beim "Bingo" liegt der Reiz des Spiels im Kitzel, ob die Zahl, welche ich brauche, denn noch gezogen wird. Bei Augustus werden statt Zahlen Symbole aus einem Sack gezogen. Es sind sechs verschiedene in absteigender Häufigkeit; das häufigste befindet sich sechsmal im Sack, das seltenste nur einmal. Hinzu kommen zwei Joker. Mit diesen Symbolen setzen wir Legionen auf unsere "Bingokarten" - hier Regionenkarten die wir erobern oder Senatoren, deren Gunst wir uns sichern wollen. Auf den Karten finden wir die sechs Symbole in unterschiedliche Anordnung und Anzahl wieder, je nachdem wie wertvoll die Karte bei Erfüllung ist. Drei dieser Karten hat jeder Spieler stets vor sich ausliegen. Ein Spieler ist der Ausrufer, welcher ein Plättchen aus dem Sack zieht und das gezogene Symbol verkündet. Alle Spieler entscheiden sich nun parallel, ob sie eine Legion auf ein solches Symbol setzen wollen - das kann vom eigenen Vorrat aber auch durch das Versetzen bereits eingesetzter Legionen geschehen. Jeder Spieler, der nun alle Symbole auf einer seiner Karten mit Legionen besetzt hat, ruft - nein, nicht "Bingo!", sondern "Ave Caesar!" Ist das bei mehreren Spielern der Fall, werden die Karten in der Reihenfolge ihrer Ordnungszahlen abgehandelt, d.h. die Legionen werden entfernt, die Karte wird in den erfüllten Bereich des jeweiligen Spielers gelegt und ihre Funktion tritt ein. Das können zusätzliche Legionen für den eigenen Vorrat sein, aber auch die Möglichkeit, eine oder mehrere Legionen auf einem bestimmten Symbol umgehend neu einzusetzen. Es gibt dauerhafte Vorteile wie Symboltauscher, destruktive Karten, die die Gegner zwingen, Legionen wieder von Karten zu entfernen, sowie Karten mit Bedingungen für zusätzliche Siegpunkte am Spielende. Dies ist erreicht, wenn ein oder mehrere Spieler sieben Zielkarten erfüllt haben.

Nun wird abgerechnet. Zu den Siegpunkten, welche direkt auf den Karten aufgedruckt sind, kommen noch die aus eventuell vorhandenen Karten mit an Bedingungen gekoppelten Siegpunkten, außerdem noch die Bonusplättchen. Hier gibt es drei Kategorien: Für den ersten, der eine bestimmte Voraussetzung erfüllt, also als erstes drei Senatoren bestochen, als erstes drei pinke Regionen erobert usw. gibt es jeweils einen Bonus. Außerdem muss man sich bei jedem Erfüllen einer Karte stets entscheiden, ob man das mit seiner nun vorhandenen Anzahl an erfüllten Karten korrelierende Bonusplättchen nimmt. Da man hiervon nur eines bekommen und auch nicht mehr nachträglich beanspruchen oder austauschen kann, eine kleine Zockerei: Gebe ich mich mit dem Vierer-Plättchen zufrieden oder pokere ich auf das deutlich lukrativere Sechser-Plättchen - mit der Gefahr, dass ein Mitspieler mir zuvorkommt. Außerdem gibt es noch ein Weizen- und ein Goldplättchen, welche Wanderpokale sind, die immer der Spieler erhält, der die aktuell höchste Anzahl des jeweiligen Rohstoffs erreicht - wenn er es denn merkt, denn es sind noch gefühlt 20 andere Rohstoffe wie Marmor, Tuch oder Tiere auf den Karten abgebildet, welche im Spiel keine Bedeutung haben. Da wird schnell übersehen, dass man gerade Gold oder Weizen rausgelegt hat, da man mehr mit der Funktion seiner Karte beschäftigt war, als mit der Beachtung der größtenteils ja eh unbedeutenden Rohstoffe. Meine Theorie ist, dass dies ein vom Autoren durchaus beabsichtigter Effekt ist und die zahlreichen anderen Rohstoffe nicht unbedingt auf eine schon beschlossene Erweiterung hindeuten.

Karten mit LegionärenNeben dem oben erwähnten "Bingo"-Effekt liegt der Reiz von Augustus in den möglichen Wechselwirkungen der Karten und nicht zuletzt auch in seiner kurzen Spielzeit, an der auch noch alle Spieler stets beteiligt sind. Einzige Ausnahme und einziger Wermutstropfen hierbei ist die Auswahl einer neuen Zielkarte aus dem offenen Pool in der Mitte, welches stets dem Erfüllen von Zielkarten nachfolgt. Hier können sich grüblerische Naturen dann schon mal über Gebühr austoben, was bei einem eigentlich schnellen Spiel dann doppelt stört. Die einfache Regelstruktur macht Augustus zu einem prima Spiel für Familien - ob der zahlreichen Kartenfunktionen und -symboliken sollte zumindest einer in der Runde aber schon etwas Spielerfahrung haben. Apropos Regel: Die deutsche Übersetzung wurde im Web viel gescholten, meiner Meinung nach jedoch etwas überzogen. Zwar ist sie sprachlich stellenweise etwas holprig und unbeholfen ("man bekommt das Plättchen automatisch"), inhaltlich jedoch konnte ich im Abgleich mit dem französischen Original keine Abweichungen feststellen. Und dass die französische Kommasetzung gleich mit übernommen wurde ist für mich ein Grund zum Schmunzeln, stört aber doch das Regelstudium nicht! Erwähnt sei noch, dass auch Anfänger auf die Fortgeschrittenen-Kartenverteilung am Spielbeginn zurückgreifen, also aus sechs Karten drei auswählen sollten. Selbst hierbei kann es mal vorkommen, dass alle sechs nicht miteinander harmonieren, daher macht es schlichtweg keinen Sinn und funktioniert nicht, jedem Spieler einfach drei Karten zu verteilen, mit denen er startet.

PlättchenSchnell erklärt, noch schneller gespielt: So könnte man Augustus zusammenfassen. Die meisten Vielspieler vermissen mit der Zeit ein kontrollierteres Auftauchen der Zielkarten, was strategischeres Spiel ermöglichen würde, außerdem ist ihnen häufig die Spieldauer zu kurz, das Spielende zu abrupt. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich auch in dieser Gruppe Spieler, die mit den genannten Punkten und dem prägnanten Glücksfaktor ob des Charakters des kurzen schnellen Spiels gut leben können. Ansonsten wendet sich dieses Spiel klar an Wenigspieler und Familien, die immer wieder großen Spaß damit haben werden. Trotz des Lobes sollen zwei Kritikpunkte nicht unerwähnt bleiben: Zum einen wurde die Gestaltung häufig als wenig ansprechend wahrgenommen. Hinzu kommt das völlig übertrieben gewählte Schachtelformat: Augustus kommt in der quadratischen Siedler-Schachtel, das Spielmaterial (ohne die ebenso überdimensionierte Anleitung) passt aber (ich habe es getestet) bequem in die deutlich kleinere Charly-Box. Wohl eine der größten Schachtelübertreibungen seit Diamant von Schmidt, aber ebenso wie dort ist glücklicherweise ein gutes Spiel enthalten. (fd)

Steckbrief
Augustus

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Paolo Mori Hurrican 2 - 6 Spieler ab 8 Jahre ca. 30 Minuten Vincent Dutrait