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Die Legenden von AndorDie Legenden von Andor

Andor, das Land der Legenden. Mit einer Riesenmarketingaktion machte der Kosmos-Verlag auf das neue Spiel aufmerksam und überbrückte die Wartezeit bis zum Erscheinen des Spiels. Geocaching, keltische Runen und Recherche beschäftigte viele im Internet aktive Spieler und lies sie gemeinsam alles um den Fall der Josefine Martenstein untersuchen.

Doch was steckt wirklich dahinter? Auf jeden Fall ein Spiel, dass man nicht in "üblicher" Form rezensieren kann, denn es gibt kein richtiges Regelheft, die Regeln werden nach und nach, in das Spiel eingebettet, eingeführt. Man erlebt eine Geschichte, die nicht vorher verraten werden soll.
Eine Losspielregel erklärt nur den ersten Spielaufbau. Die Möglichkeiten, die wir Spieler haben, lernen wir erst im Laufe des Spieles kennen. Eine Erzählerfigur, die durch Aktionen der Spieler auf einer Zeitleiste weiterläuft, führt durch das Spiel.

Für jede Legende gibt es Legendenkarten, die zu bestimmten Feldern dieser Zeitleiste gehören, und vorgelesen werden, wenn die Erzählerfigur das entsprechende Feld erreicht. Sie beginnen meist mit der Erzählung eines Teils der aktuellen Legende und erläutern dann, wie dies Ereignis auf das Spiel Einfluss nimmt. Dies können weitere Regeln oder Regeländerungen zu bestehenden Regeln sein oder auch Veränderungen der Spielsituation sein. So können neue Gegner oder neue Aufträge das Erreichen des jeweiligen Spielzieles erschweren, oder, was seltener vorkommt, Hilfe erfolgen. Zusätzlich zu den Legendenkarten werden Kreaturenplättchen, die auch neue Gegner bringen, per Zufall den einzelnen Feldern zugeordnet. Das Spiel ist beendet, wenn alle Aufträge erfüllt wurden oder wenn die Erzählerfigur das letzte Feld erreicht. Sind dann noch nicht alle Aufträge erfüllt, haben alle gegen das Spiel verloren.

Doch jetzt zur Geschichte:
Das Land Andor wird bedroht, und wir die Helden sind die letzte Hoffnung, das Reich König Baldurs zu retten. Dies könnte auch die Einführung in ein Rollenspiel-Abenteuer sein, denn jeder Spieler führt einen eigenen Charakter, der bestimmte Fähigkeiten, Stärke und Widerstandskraft besitzt. Die Fähigkeiten behält man, die anderen Werte verändern sich ständig während des Spieles.
Kampf um die BurgNach einer kurzen Einführung in die Spielmechanik (wie man die Veränderungen der eigenen Eigenschaften markiert, läuft, mit Hilfe von Würfeln kämpft und Gegenstände findet oder kauft) ist in der ersten Legende als erstes eine Nachricht zu überbringen, und die Burg vor Feinden zu schützen.
In der zweiten Legende lernt man, Ausrüstungsgegenstände zu nutzen.
Die Dritte ist die vielseitigste, die jedem Spieler noch einen speziellen Auftrag gibt, den er persönlich erfüllen muss.
In der vierten Legende besteht die Aufgabe nicht darin, die Burg zu beschützen, sondern man muss im Höhlensystem, dessen Spielplan auf der Rückseite des normalen Planes zu finden ist, Schätze suchen.
Die fünfte Legende bringt dann den Endkampf gegen den mächtigen Drachen.
Die sechste Legende wurde noch nicht erzählt, und die Spieler werden aufgefordert, die beiliegenden Blankokarten mit der sechsten Legende zu füllen.

Das Lernen der Regeln im Spiel ist schon von PC-Spielen und dort vorhandenen Tutorials bekannt, und dort ein erfolgreiches Vorgehen. Man lernt nach und nach alles Wichtige.
Dieser Weg wurde auch hier versucht, und klappte bei uns am Anfang sehr gut.
Probleme traten auf, wenn Legendenkarten bei bestimmten Anlässen vorgelesen werden sollten. So haben wir beim ersten Spiel der späteren Legenden gelegentlich den Zeitpunkt für eine Karte vergessen und das Spiel lief nicht wie vom Autor geplant. Dies mag auch an der opulenten Ausstattung des Spieles liegen.
Schon der Spielplan ist riesig, und es gehört sehr viel weiteres Material, dass dann neben dem Spielplan auf seinen Einsatz wartet, dazu.
Die wunderschön gestalteten Karten sind übergroß und nehmen noch einmal viel Platz weg, wenn man sie neben dem Plan platziert. Die Karten muss man dann gestapelt halten, und so kann schon mal eine, die keinen festen Vorlesezeitpunkt hat, vergessen werden. Beim zweiten Anlauf weiß man dann ja meist, was welche Konsequenzen hat, obwohl diese auch oft durch Würfelwurf bestimmt werden.

Das von Michael Menzel wundervoll gestaltete Material lockt zum Spiel und hat höhen Aufforderungscharakter.
Der Nachteil ist dabei, dass man eine recht hohe Aufbauzeit für die einzelnen Legenden benötigt. Ein beiliegendes Begleitheft bietet zwar ein Stichwortverzeichnis zum Nachschlagen einiger Regeln, doch da es am Anfang nicht benutzt wird, blättert man auch später oft durch die schon verlesenen Legendenkarten, um entsprechende Hinweise zu finden.
Eine "Kleinigkeit" ist mir beim Material besonders aufgefallen. Alle Charaktere kann man in weiblicher oder männlicher Form spielen. Die Spielertableaus sind dafür beidseitig bedruckt, dabei unterscheiden sich nur das Bild und der Name der Figur Auch die zugehörigen doppelten Aufstellfiguren sind vorhanden. Die Bekleidung Frauen ist dabei der der Männer entsprechend, und nicht gezielt für das männliche Auge "ansprechend" gestaltet.

Andor ist ein Spiel, dass man erleben muss, keines das man erklären kann. Andor ist eine Welt, in die man eintaucht und die man nicht mit einem Fernglas (Regelanalyse) betrachten sollte. Wer jeden taktischen Tipp und jeden Winkelzug vor Beginn eines Spieles schon analysiert, wer keine Überraschungen mag, der sollte auf jeden Fall die Finger von diesem Spiel lassen. Diejenigen, denen Erleben wichtiger als Berechnung ist, sind in Andor gut aufgehoben. Doch wer sich in Andor bewegt, muss auch Rückschläge gelassen hinnehmen können. Immer wieder gerät man in fast hoffnungslose Situationen und muss sich durchbeißen.
All dies macht Andor zu einem Spiel, für das man sich Zeit nehmen sollte. Es ist nicht für ein Spiel mal eben geeignet.

Einige Spieler finden, dass die Legenden von Andor zu viel Frustpotential bieten, da die Ereignisse fast immer negativer Art sind. Mich stört dies nicht; es ist eher eine Herausforderung für mich.
Ich kämpfe mich - im wahrsten Sinne des Wortes - durch das Geschehen, versuche optimale Lösungswege zu finden und hoffe stark genug für den Endkampf zu werden.

Als ich las, dass die sechste Legende von den Spielern entwickelt werden soll, fühlte ich mich sofort an die Seefahrererweiterung zu den Siedlern von Catan erinnert, denn auch dort gab es die Aufforderung, eigene Szenarien zu entwickeln.

Gespannt bin ich, ob es nach der großen Marketingaktion weitere Szenarien vom Verlag geben wird. Auf http://legenden-von-andor.de gibt es gepflegte FAQs und auch schon eine weiterere Legende zum Herunterladen. Dies alles macht Hoffnung auf ein Weiterführen des Spieles.(bd)

Steckbrief
Die Legenden von Andor

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Michael Menzel Kosmos 2 - 4 Spieler ab 10 Jahre 60 - 90 Minuten Michael Menzel, Michaela Kienle