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FreskoFresko

Der Dom ist schon etwas älter, doch nun wird er restauriert. Zunächst nur außen und so sieht das Fresko, gelinde gesagt, etwas bescheiden aus. Es bedarf einer dringenden Restaurierung, was ganz einfach bedeutet: Neue Farbe. Die kann natürlich nicht einfach auf die ehemals wunderschöne Darstellung geklatscht werden; so werden die feinen Hände großer Künstler benötigt. Nein, nicht nur benötigt, sondern auch beauftragt. Und weil Fresko ein Spiel ist, sind wir natürlich die Künstler, die die Arbeit vollrichten sollen.

Ganze 12 Taler bekommen wir als Lohnvorschuss sowie ein wenig von den drei Grundfarben - Rot, Gelb, Blau. Nicht gerade viel für ein großes Fresko. Untergebracht wurden wir in einem Wirtshaus, das am gleichen Marktplatz wie der Dom liegt. Immerhin kostet uns die Unterkunft nichts, anscheinend zahlen die unsichtbaren Auftraggeber. Sie stellen uns auch fünf Gehilfen, mit denen wir einige arbeitsreiche Tage verbringen werden.
Der Wirt im Wirtshaus ist nicht ganz der Fitteste, so kann er nur einen von uns pro Stunde Wecken. Wer bisher am wenigsten geleistet hat, diktiert dem Wirt als erstes seine Weckzeit. Die darf zwischen 5 Uhr und 9 Uhr morgens liegen. Eine frühe Aufstehzeit verdirbt die Stimmung und so manches Mal verweigert ein Gehilfe die Arbeit, eine späte Aufstehzeit hebt hingegen die Stimmung und wenn sie sehr gut ist, mag sich noch ein sechster Gehilfe zur Arbeit melden.

Spielplan

5 Uhr morgens: Der Wirt weckt den ersten Künstler und seine Gehilfen, die weiteren folgen. Nun teilt jeder Künstler seine Gehilfen im Geheimen den jeweiligen Aufgaben zu. Dann ziehen die ersten Gehilfen mürrisch zum Markt: Farben kaufen. Für jeden Künstler steht ein Marktstand bereit. Dort kann man die Grundfarbe kaufen - meist reichlich, und hin und wieder eine Portion Orange und Grün, also gemischte Farben. Auf dem Markt kann man Farbe erwerben, doch früh morgens sind die Händler teuer. Dabei ist so ein Händler schon mit einem Verkauf zufrieden: Danach schließt er nämlich seinen Stand. Die anderen Künstler kommen später, müssen nehmen, was übrig bleibt. Dafür bekommen sie es billiger.
Am Vormittag sind die Künstler noch frisch. Wer Farbe hat, kann in den Dom gehen und an der Restaurierung, teilhaben. 25 Segmente gilt es neu zu bemalen, ein jedes benötigt andere Farben. Klar, muss dabei auch wieder ein Gehilfe anwesend sein. Für jede Restauration gibt es Prestigepunkte, je schwieriger sie ist, d. h. je mehr Mischfarben benötigt werden, desto mehr Punkte gibt es. Dabei ist es gut, wenn der Bischof zuschaut, doch der steht noch vor dem letzten restaurierten Teilstück. Für eine kleine Spende an die Kirche bewegt er sich zu deinem Segment und die Nähe bringt zusätzliche Prestigepunkte. Links befindet sich noch der Altar. Der muss auch restauriert werden, aber die Aufgabe ist nicht so reizvoll und wird erst kurz vor der Fertigstellung angegangen.
Farben und Spenden kosten, deshalb muss für Einnahmen gesorgt werden. So heißt es, in den Mittagsstunden mit Porträtmalerei den Geldbeutel ein wenig auszufüllen. Jeder Gehilfe, der dazu abgestellt wurde, bringt drei Taler in die Kasse.
Am Nachmittag setzen Künstler und Gehilfen die Mischfarben an. So wird aus Rot und Blau das nicht käuflich zu erwerbende Lila, doch auch Grün und Orange lassen sich herstellen- So ein Gehilfe ist fleißig und schafft es, zwei Mischfarben herstellen - ein Vorrat an geeignete Grundfarben vorausgesetzt. Nach so einem langen Arbeitstag wird der Abend zur Unterhaltung genutzt. So manchen Gehilfen wird hier ein Theaterbesuch spendiert. Der kostet nichts, aber der Gehilfe freut sich so sehr darauf, dass er den ganzen Tag über nichts anderes geregelt bekommt. Und viel wichtiger: Er erzählt es weiter und die Stimmung der ganzen Gruppen hebt sich. Mag der arbeitsunwillige Gehilfe zurückkehren oder nun ein sechster Gehilfe die Arbeit aufnehmen. Dann geht es wieder ins Wirtshaus, wo der Wirt schon bereit steht, die neuen Weckzeiten zu notieren.

Nach und nach wird das Fresko restauriert. Sobald nur noch sechs oder weniger Segmente zu restaurieren sind, beginnt der letzte Arbeitstag. Er unterscheidet sich kaum von den anderen Tagen. Doch halt: Abends geht es nicht ins Theater. Stattdessen wird eine Nachtschicht im Dom eingelegt. Die am Nachmittag gemischten Farben und weitere Grundfarben können direkt genutzt werden um Fresko und Altar zu restaurieren. Am Altar können die nicht mehr für das Fresko benötigten Farben aufgetragen werden. Das gibt nicht so viel Prestige wie das Restaurieren des Freskos, aber es ist besser als die Farben wieder mit nach Hause nehmen zu müssen.
Ist auch dieser letzte Tag überstanden, wird noch einmal die wirtschaftliche Seite des Tuns belohnt: Für je zwei Taler gibt es einen Prestigepunkt. Danach steht fest, wer der beste Künstler ist.

Erweiterungen

Wie wir anhand eines Tages im Leben eines Künstlers gesehen haben, ist er vielseitig, doch jeder einzelne Tagesabschnitt ist übersichtlich und die Folgen sind leicht einschätzbar. Stehe ich früh auf, verdirbt es Preise und meine Laune, dafür bekomme ich, was ich möchte. Dann kommt die Einteilung der Gehilfen, womit ich die Einnahmen für Portraits und den Stimmungszuwachs durch das Theater endgültig bestimme. Es folgen weitere kleinere Entscheidungen: Am Markt wähle ich Farben, im Dom die Segmente, die ich restauriere, und zuletzt in der Werkstatt die Mischfarben, die ich herstelle. Der Entscheidungen sind viele, doch jede ist klein, überschaubar und bis auf die Weckzeit auch schnell gefällt.
Das macht es leicht, Fresko zu erlernen, auszuprobieren und zu spielen. Der Wiederspielreiz ist sehr hoch. Das unverbrauchte Thema entschädigt dafür, dass Fresko ein weiteres "Arbeitersetzspiel" ist, und wäre es ein paar Jahre früher erschienen, es wäre keine Entschädigung nötig, sondern ein faszinierendes neues Thema: Dies genau ist der Knackpunkt, der Fresko aus der Masse gleichgesinnter Spiele hervorhebt. Die Handlungen sind nachvollziehbar, stimmig, eingängig - und bei aller Mechanik überwiegt das Thema; das im wahrsten Sinne des Wortes farbenreich ist.
Das hier beschriebene Spiel richtet sich an den Spieleliebhaber, der in eine andere Welt eintauchen will und hier kann. Das Mittelalter, oft als Thema gesucht, gefunden und inzwischen manches Mal mit einem Gähnen quittiert, stellt hier den Hintergrund für eine Geschichte aus der heutigen Zeit, die dennoch in eine andere Welt entführt, weil wir die Welt der Freskenmalerei nicht kennen.

Doch Fresko ist mehr, denn auf der Schachtel steht etwas von drei Erweiterungsmodulen. Was soll man denn bei einem so stimmigen Ablauf noch erweitern? Da wären zunächst die Porträts. Drei Taler Entlohnung sind wichtig und schön, doch einseitig. Nun gibt es Persönlichkeiten, die andere Entlohnungen bieten: Manche bringen ihre Lieblingsfarbe mit, wieder andere bieten Prestige oder auch einen dauerhaften Vorteil. Da sich aber pro Tag immer nur zwei Persönlichkeiten porträtieren lassen und dazu noch von unterschiedlichen Künstlern, sind sie die große Chance der Frühaufsteher.
Weil aber auch der Bischof seine speziellen Wünsche hat, vergibt er eigene Aufträge. Was ich bisher unterschlagen habe: Pro restauriertem Segment gibt es am Tagesende einen Taler. Wer nun intensiv mit einer bestimmten Mischfarbe gearbeitet hat, kann sich den Auftrag des Bischofs sichern: Statt für drei restaurierte Segmente drei Taler zu bekommen, gibt es einmalig Prestige und jeden Tag einen Taler und die bevorzugte Farbe. Da die Herstellung von Mischfarben aufwendig ist, ist eine solche Entlohnung sehr zu schätzen.
Zuletzt gibt es noch die besonderen Farben: Braun und Pink. Braun misch man sich aus Grün und Orange, Pink aus Lila und Rot. Damit diese auch Verwendung finde, erfordern nun sieben Segmente diese Farben. Weil die Herstellung der besonderen Farben aufwendig ist, bringen diese sehr viel Prestige, selbst am Altar.

Fresko

Mit diesen Erweiterungen wird aus dem Spiel ein abendfüllendes Spiel ohne dass die Themenorientierung verloren geht. Da die Module auch einzeln verwendbar sind, lassen sie sich nach und nach einführen oder auch nach Zeit und Komplexität einsetzen. Dabei ändern die Porträts die bisher monotonste Phase ab und werden bei uns daher quasi immer benutzt. Die besonderen Farben hingegen sind die thematisch am besten eingebundene Erweiterung und erfordern kaum neue Regeln.
Auch die Aufträge des Bischofs haben ihren Wert. Ihnen stehe ich ein wenig skeptischer gegenüber, denn nach meine Erfahrungen ist es unerlässlich, sich früh einen Auftrag zu sichern. Der Erhalt einer Mischfarbe pro Tag ist mächtig. Bei Verwendung der besonderen Farben, wo die Mischfarben viel mehr benötigt werden, wird dies noch gesteigert.
Damit komme ich zum einzigen weiteren Kritikpunkt, den ich an Fresko habe. In vielen Spielen habe ich erlebt, dass der Führende nicht mehr eingeholt werden konnte. Zwar kamen die anderen Spieler immer mal wieder heran, doch dann war hinter dem Sichtschirm schon wieder genügend Farbe, um direkt zu kontern. Weil aber die Farbe hinter dem Sichtschirm liegt, wird dieser Kritikpunkt vom Spiel gut kaschiert.

Wurden Arbeitersetzspiele mit Caylus populär, leckten sich die Vielspieler nach Agricola die Finger, so finden sie hier in einem anspruchsvollen, skalierbarem Liebhaberspiel ihren derzeitigen würdigen Abschluss. (wd)

Steckbrief
Fresko

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Marco Ruskowski, Marcel Süßelbeck Queen Games 2 - 4 Spieler ab 10 Jahre ca. 60 Minuten Oliver Schlemmer