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AlcazarAlcazar

Kosmos hat ein neues Schachtelformat. Es ist zwar quadratisch, wie es auch schon bisher bekannt war, aber mit 11 Zentimetern bringt es satte 50 Prozent mehr Höhe an die Messlatte. Liebe Spielesammler und Leidensgenossen, Ihr dürft trotzdem gerne weiterlesen, auch wenn es Euch Tränen in die Augen getrieben hat. Aber Kosmos hat nicht nur dieses Format, sondern braucht es tatsächlich auch. Denn im Karton befinden sich 84 dreidimensionale Plastikbausteine (2,5 x 2,5 x 2 cm) und 20 Brücken, die sich über jeweils drei Bausteine erstrecken. Da fallen die Beutel mit den Spielfiguren und dem Spielgeld sowie die 92 Karten kaum noch auf. Wie es inzwischen schon gute Tradition ist, gibt es auch hier ein Einsteigerspiel 'Das neue Big Boss'. Einige werden jetzt bestimmt aufhorchen. 'Big Boss', das ist doch das gesuchte Sammlerstück von Wolfgang Kramer aus dem Jahr 1994. Alcazar kann man daher als die Weiterentwicklung für eine größere Herausforderung ansehen. Auf 'Big Boss' werde ich allerdings im Rahmen dieser Rezension nicht eingehen, auf 'Das neue Big Boss' nur am Rande, um kurz den Hauptunterschied darzustellen.

halbes Spielfeld Bei Alcazar geht es darum, auf dem schlangenartig gewundenen Spielplan schöne, vor allem aber hohe Schlösser zu bauen und seine Adligen in die höchsten Ebenen der Schlösser zu bringen, je höher desto besser. Zum Bauen dienen die 72 Baukarten, deren Nummern quasi den zugehörigen Bauplatz vorgibt und die nur 20 Turmkarten, mit denen in die Höhe gebaut werden kann. Beim Bauen kann man ein Schloss gründen (drei Bausteine in der untersten Ebene, ein vierter in Ebene zwei), eine Villa gründen (ein einzelner Baustein), ein Schloss bzw. eine Villa erweitern (in der Fläche oder Höhe) und dabei gegebenenfalls Gebäude zusammenwachsen lassen oder als letzte Möglichkeit eine Brücke bauen. Dies ist ein besonders pfiffiger Zug, denn man baut ja dabei nicht nur in die Höhe, sondern kann auch die vorgegebene Bahn verlassen, d. h. nicht eigentlich zum Spielfeld gehörendes Gelände überbauen. Allerdings sind schon noch gewisse Bauregeln einzuhalten. So dürfen z. B. Brücken nie in gleicher Ausrichtung übereinander gebaut werden, egal auf welcher Ebene.

Schloss Baukarte Jedes Mal nach dem Bauen erhält man den nun aktuellen Schlosswert (maximal 50) ausbezahlt. Geld, wofür braucht man Geld? Nun, ein Brückenbau kostet 15, irgendwann braucht oder will man neue Baukarten (5 die normalen, 10 die Turmkarten), aber vor allem um die Adligen ins Spiel zu bringen. Einer der sechs Barone kostet beim Einsetzen auf das gerade gelegte Bauteil den aktuellen Schlosswert, einer der beiden Granden das doppelte. Aber mit Einsetzen bekommt man Adlige kaum in die Höhe. Deshalb darf man statt einzusetzen auch Adlige im Schloss umsetzen oder den Platz miteinander tauschen lassen.
Das also ist es. So geschickt seine Baukarten und Brücken einzusetzen, dass die eigenen Adligen weit oben stehen. Ganz so einfach ist es nicht, denn Turmkarten dürfen nur bis Ebene fünf verwendet werden. So kann vielleicht maximal Ebene sieben (auf sechs eine Brücke, dann noch eine Baukarte) erreicht werden. Aber das mag trotzdem nichts nützen, wenn man seine Adligen nicht ins Spiel bringt. Am Ende zählt für einen Baron die erreichte Ebene als Siegpunkte, beim Granden zählt sie doppelt. Dazu noch je 50 Geld ein Siegpunkt. Diese letztgenannten Siegpunkte machen in der Regel kaum was aus. Überhaupt, das finanzielle Gehabe im Spiel erscheint mir reichlich überflüssig. Geldmangel hat man vielleicht zu Beginn, wenn man zunächst in Karten investiert, aber dann liegt man bei der Adligen zurück. Also nicht tun. Das Finanzmanagement ist wohl das Überbleibsel aus 'Das neue Big Boss', denn dort ist alleine Geld das Siegkriterium. Hier bei Alcazar ist es überflüssig und verlangsamt nur den Spielablauf.

Turmkarte Im Spiel werden zwar Schlösser gebaut, aber auf ihre Größe (abgesehen vom maximalen Schlosswert 50) und das Aussehen kommt es nicht an. Allein die Höhe zählt. Das Bauen daran jedoch macht viel Spaß. Allerdings sollte kein Grobmotoriker unter den Bauherrn sein, denn teilweise sind die Gebilde doch recht wackelig und die Adligen haben keinen allzu festen Stand. Im Grunde genommen ist Alcazar ein abstraktes Spiel, dem das Thema irgendwie übergestülpt wurde. Wann wachsen Schlösser zu einem noch größeren zusammen, im Gegensatz zur Aufstockung von Aktienkursen wie bei 'Big Boss'. Aber dabei kann man keine Brücken bauen, was hier ein entscheidendes Merkmal ist, damit Adlige in die Höhe kommen. Haben die nichts Besseres zu tun? All das trägt leider nicht dazu bei, ein Spielgefühl aufkommen zu lassen, das einen elegant und unwillkürlich in das Spiel hineinzieht. Die Spielregeln und -mechanismen und erschließen sich nicht intuitiv. In weiser Voraussicht steht daher für jeden Bauherrn eine ausführliche Spielhilfe zur Verfügung.

Schloss mit Adligen Glaubt man zu Beginn einer Partie, dass sie aufgrund des vielen Baumaterials ewig dauern wird, so nimmt sie doch, nachdem alle interessanten Baukarten gekauft und die meisten Brücken gebaut sind, gewaltig an Fahrt auf. Dann sind nicht mehr alle schönen Pläne umsetzbar. Insgesamt ist Alcazar ein kurzweiliges Spiel, das in jeder Besetzung funktioniert. Auch hier gilt, wie in anderen auch, dass es in einer Zweierpartie taktischer, aber auch mit weniger Interaktion zugeht. Das Spiel kommt mit einer opulenten, erstklassigen Ausstattung daher und ist sicherlich auch ein haptischer Spaß für Materialliebhaber. Das nicht so toll unterstützte Spielgefühl wird allerdings verhindern, dass Alcazar ein Klassiker werden wird. Wer allerdings nicht auf das Spielgefühl angewiesen ist und wie ich einen eher geringen Glücksanteil in einem Spiel wünscht, ist sehr gut mit Alcazar bedient. (mw)

Steckbrief
Alcazar

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Wolfgang Kramer Kosmos 2 - 5 Spieler ab 10 Jahre 75 - 100 Minuten Eckhard Freytag