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Sherwood ForestSherwood Forest

Was ist bloß mit eggertspiele los? Seit den frühesten Anfängen schon verfolge ich den Werdegang dieses Kleinverlags und seines engagierten Mädchen für Alles, Peter Eggert. Zugegeben, auch in der Vergangenheit waren nicht alle veröffentlichten Spiele das Gelbe vom Ei, aber man konnte immer merken, das viel Herzblut des damals alleinigen Autors in den Entwürfen stecke, so dass man die eine oder andere Schwäche verzeihen konnte. Und nun? Der Kleinverlag ist inzwischen ein Schwellenverlag auf dem Weg zu den großen. Gibt es dadurch nicht mehr genug Zeit, sich mit den eingesandten Spielideen intensiv auseinander zu setzen? Hat sich der Fokus von Herzblut zu Marktpräsenz verändert? Erzeugt der Vertriebspartner soviel Druck, dass nicht mehr entscheidend ist, was erscheint, sondern das etwas erscheint. Nicht dass wir uns falsch verstehen. Ich halte Peter Eggert nach wie vor für einen bemerkenswerten Verleger und großartigen Menschen, aber mit dem Wachstum des Verlags sind natürlich auch die Ansprüche gestiegen. Und da passt Sherwood Forest, wie vor kurzer Zeit Change Horses, nicht hinein.

Gruppe Bis zu sechs rivalisierende Räuberbanden trieben im berühmten Sherwood Forest ihr Unwesen und versuchen, die Kutschen der meist adligen Reisenden zu überfallen. Natürlich würde man das gerne alleine machen, aber aus der Not heraus muss man sich auch schon mal mit den Konkurrenten zusammen tun, um nach sechs Runden erfolgreich abzuschneiden. Wie gesagt, Kutschen durchqueren den Wald. Nur von einer weiß man, von wo nach wo sie fährt und wie stark sie geschützt ist. Von den andren weiß man zunächst nichts. Daher kann man einen seiner zu Beginn vier Räuberkumpane ins Wirtshaus schicken, um irgendwelche Informationen zu sammeln (ansehen einer Reisekarte). Eine zweite Aktionsmöglichkeit besteht darin, mit einem Kumpan beim Händler gegen einen Sack Gold Ausrüstungsgegenstände (zufällig ein bis drei Stärkepunkte) zu kaufen. Und als drittes bietet sich an, gegen zwei Goldsäcke, auf dem Marktplatz ein neues Bandenmitglied anzuwerben. Schade eigentlich, dass zu Beginn des Spiels nur zwei Säcke zur Verfügung stehen, also wenig Einkaufsmöglichkeiten bleiben. Alle Bandenmitglieder, die sich nicht im Dorf nützlich gemacht haben, ziehen sich dann in die Verstecke an den Wegen zurück, um eine Kutsche zu überfallen.

Ausrüstung Kutsche überfallen? Ja vielleicht, aber schauen wir uns doch mal die Realität an. In einer Viererpartie sind zu Beginn 16 Räuber aktiv. Um die acht werden im Dorf aktiv, bleiben nur noch ca. acht übrig. Anna hat Informationen über eine Kutsche mit Stärke 3 und will diese alleine angreifen. Dann sind noch Kutschen der Stärke 5, 6 und 10 unterwegs. Schwierig da ein Bündnis zustande zu bekommen, zumal Claudia fürchtet von Bert übervorteilt zu werden. Also könnte es passieren, dass nur Anna etwas Beute abbekommt und die anderen leer ausgehen. Rosige Aussichten. Oder später im Spiel. Dani führt mit einigen Punkten Vorsprung. Warum also soll sich Anna an einem gemeinsamen Überfall beteiligen, wenn Dani doch den größeren Reibach macht? Alle an einem Überfall beteiligten haben zwar etwas davon, insbesondere gleich viele Siegpunkte, auch muss die Beute möglichst gleichmäßig verteilt werden, aber der Räuberhauptmann, d.h. derjenige, der den Überfall initiiert, wird schon dafür sorgen, dass er die wertvollsten Stücke abbekommt.

Was ich bisher gesagt habe, bezieht sich auf das Basisspiel. Fast schon natürlich gibt es auch hier so genannte Profiregeln, die bei den Verhandlungen untereinander mehr Möglichkeiten eröffnen (sollen), aber auch die Bewachung der Kutschen durch Sheriffs mit sich bringen. Und sollte einen der Sheriff wirklich mal erwischen, so geht dies einher mit dem Verlust von Bandenmitgliedern. Und dann sieht man wirklich alt aus. Die Profiregeln hätte man getrost weglassen können, denn sie bringen fast nichts, verkomplizieren aber das Spiel.

Wenn dann noch die Regeln so geschrieben sind, dass sie nie eine Essener Feder gewinnen werden, weil sie doch bei der Beschreibung der Bündnisverhandlung (geplanter Überfall, ungeplanter Überfall, verbindliche Absprachen, unverbindliche Absprachen) große Fragezeichen stehen lassen, ist vielleicht verständlich, warum ich meine Testspieler nicht zu mehreren Partien motivieren konnte. Daher ist es mir auch nicht gelungen, eine Partie zu sechst zustande zu bringen. Ich vermute zwar, dass es dann aufgrund der erhöhten Zahl der Räuber insgesamt etwas kurzweiliger zugeht, sicher bin ich mir aber nicht. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass mich Sherwood Forest überhaupt nicht überzeugt hat. Ein Flop, wie er immer mal passieren kann, selbst der Hans im Glück Verlag ist dagegen nicht gefeit. Daher sollten wir ganz schnell den Mantel des Schweigens über das Spiel decken und uns auf die herbstlichen Neuheiten freuen. Ich bin mir sicher, dass eggertspiele dann wieder etwas Großartiges zu bieten hat. (mw)

Steckbrief
Sherwood Forest

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Nils Finkemeyer eggertspiele 3 - 6 Spieler ab 10 Jahre ca. 60 Minuten Alexander Jung