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Cuba – El PresidenteCuba – El Presidente

Erweiterungen zu erfolgreichen Spielen sind nahezu unvermeidlich. Die Diskussion um ihre Notwendigkeit und ihre Spielbarkeit ebenfalls. Drei Möglichkeiten, eine Erweiterung zu bewerten, gibt es: 1. Sie verleiht dem Spiel eine neue, reizvolle Note. 2. Sie fügt nichts wirklich Neues hinzu. 3. Sie verändert den Charakter des Spiels in eher negativer Weise. Wie steht es nun mit "El Presidente", der Erweiterung zu "Cuba" (eggertspiele 2007)?
Nachdem "Cuba" im vergangenen Jahr den dritten Platz beim Deutschen Spielepreis erringen konnte, ist es um das wunderschön aufgemachte Spiel aus der Feder von Michael Rieneck und Stefan Stadler ein wenig still geworden. Das mag an seiner zeitaufwändigen Komplexität liegen, die aus der Vielzahl der Gebäude folgt, die die Spieler bauen können. Die Notwendigkeit von Rohstoff- und Baustoffproduktion, die Beobachtung der Marktsituation sowie das Ausschauhalten nach idealen Absatzmöglichkeiten tun ihr Übriges, um eine Partie "Cuba" recht anspruchsvoll zu machen.

Revolutionär "El Presidente" soll das "Cuba"-Fieber neu entfachen. Dazu hält die Erweiterung zunächst 6 neue Schiffe, 8 neue Gesetze und 6 neue Gebäude bereit. Diese können je nach Geschmack dem Grundspiel hinzugefügt oder mit vorhandenen Plättchen bzw. Karten ausgetauscht werden. Während sich mit den neuen Schiffen weitere Handelsperspektiven (z. B. das Verschiffen von Holz) eröffnen, erlauben die neuen Gebäude mehr oder weniger interessante Spielzüge. Die "Statue" z. B. muss nur in der letzten Runde vom Vorarbeiter aktiviert werden und beschert so einen zusätzlichen Siegpunkt für jedes eigene Gebäude. Das "Strandcafé" entfaltet seinen Vorzug gar ohne Aktivierung: Der Besitzer darf die Alternativfunktionen von Händlerin, Architekt und Bürgermeister auch dann nutzen, wenn die Plätze bereits von Mitspielern besetzt wurden. Der Eigentümer des "Zeitungsverlags" erhält die Möglichkeit, auf einen Gesetzesvorschlag zu "wetten", von dem er glaubt, dass er nicht verabschiedet wird. Behält er Recht, darf er 1 Siegpunkt und 1 Peso einstreichen - ein Bonus, der sich bei den oft undurchsichtigen Mehrheitsverhältnissen im Parlament von Havanna eher selten einstellen wird.
Die neuen Gesetze umfassen je zwei neue Karten in den Abteilungen Steuern, Abgaben, Subventionen und Sonstiges. Erwähnenswert sind vor allem ein Steuergesetz über 6 Pesos (!), ein Abgabegesetz, das die aktuelle Steuer dupliziert, oder eine Subvention, die den Spielern je nach Position auf der Siegpunktleiste unterschiedliche Vorteile bringt: Hier erhalten die Führenden weniger Siegpunkte als die hinteren Plätze, sodass diese den Anschluss behalten können und das Feld wieder enger zusammenrückt.
Anflanschung des neuen Spielplans im Norden Im Zentrum von "El Presidente" stehen allerdings die Figur des Präsidenten und die sog. "Cubaner", die auf einer Spielplanergänzung aktiv werden. Es stehen insgesamt sechs "Cubaner"-Karten zur Verfügung. Mit den neuen Karten erhöht sich die Anzahl der Aktionen eines Spielers auf fünf. Anstatt eine seiner Handkarte auszuspielen, wählt man nämlich einmal in seinem Zug einen "Cubaner" aus der Auslage und führt die damit verbundene Aktion aus. Dazu nimmt man die entsprechende Karte an sich, sodass sie den anderen in der Runde nicht mehr zur Verfügung steht. Die "Cubaner" bieten unterschiedliche Vorteile: Die "Tänzerin" gewährt das Startspielerrecht (die umständliche Startspielerbestimmung des Grundspiels entfällt somit), der "Musiker" beschert 2 Pesos, der "Revolutionär" 1 Siegpunkt. Mit dem "Tagelöhner" darf man noch schnell seine Rohstoffe einlagern, während der "Hafenmeister" 2 benachbarte Schiffe im Hafen miteinander vertauschen kann. Der "Anwalt" schließlich erlaubt, für 1 Peso ein eigenes Gebäude einmalig zu nutzen. Beim Spiel zu fünft sind alle "Cubaner" im Spiel, bei anderer Spielerzahl werden 1 bis 2 Cubaner durch sog. "Esel" als Platzhalter ersetzt. Allein die "Tänzerin" ist obligatorisch in jedem Set enthalten.
neues Schiff Durch die vorgegebene Zahl von "Cubanern" ist sichergestellt, dass am Ende der Aktionsphase eine Karte ungenutzt bleibt (von den "Eseln" abgesehen). Nun schlägt die Stunde des Präsidenten. Er wird symbolisiert durch seine in Türkis gehaltene Limousine. Damit fährt er auf das Feld unter der Karte, die übrig geblieben ist, und löst ein mit dem Feld verbundenes Ereignis aus. Das kann beispielsweise eine Reduzierung der Aktionen in der nächsten Runde (Feld 1), die automatische Verabschiedung aller Gesetzesvorschläge (Feld 2) oder die Einbuße von 2 Siegpunkten für den führenden Spieler (Feld 5) bedeuten. Bestechung und Willkür waren im Kuba Batistas ja ebenfalls an der Tagesordnung.

neues Subventionsgesetz Das Taktikpotential von "El Presidente" resultiert aus dem Zusammenspiel von "Cubanern" und Präsident. Zwar hat derjenige Mitspieler, der sich früh eine Karte aussucht, noch die größte Auswahl, doch haben die Geduldigen den größten Einfluss darauf, welches Ereignis der Präsident auslösen wird - hier ist Spannung garantiert und Kalkül gefragt. Wer sich nämlich vor einem unliebsamen Ereignis schützen will, muss wohl oder übel die darüber liegende "Cubaner"-Karte an sich nehmen, auch wenn er die damit verknüpfte Aktion in diesem Moment nicht so sehr benötigt.
"El Presidente" ist eine insgesamt überaus gelungene Erweiterung, die dazu geführt hat, dass unsere Spielrunde "Cuba" neu für sich entdeckt hat. Die zusätzlichen taktischen Möglichkeiten erhöhen den Spielreiz und sind willkommene Abwechslung im Spielverlauf. Dies ist vor allem den "Cubanern" und ihrem Wechselspiel mit dem Präsidenten zuzuschreiben. Gerade das Zweipersonenspiel gewinnt dadurch erheblich. Allerdings sollte man in jeder Zusammensetzung unbedingt den "Hafenmeister" im "Cubaner"-Angebot behalten, denn dieser ist der Garant für überraschende Wendungen und erhöht mit dem Austausch benachbarter Schiffe das interaktive Potential. Partien ohne ihn wirkten dahingegen fast schon langweilig.
neues Gebäude Dass man mit den zusätzlichen Gesetzen "Cuba" nun auch über acht Runden spielen kann, ist ein Zugeständnis an all diejenigen, denen das Grundspiel zu kurz war. In unseren Spielen ist diese Variante allerdings gar nicht so gut angekommen, da die Wahrscheinlichkeit, dass derjenige Spieler, der bereits in der sechsten Runde deutlich führt, kaum mehr eingeholt werden kann, recht hoch ist. Außerdem schraubt sie die Spielzeit auf bis zu drei Stunden hoch. Die Ausweitung der Aktionsphase durch die "Cubaner" sorgt bereits für ausreichend Spielzeitverlängerung. So liefert "El Presidente" auch noch den Beweis dafür, dass es eine weise Entscheidung gewesen ist, das Grundspiel nur über sechs Runden laufen zu lassen.
Mit "El Presidente" ist in meinen Augen der Ausbau "Cubas" fast mustergültig abgeschlossen. Die Erweiterung verleiht "Cuba" also eindeutig eine "neue, reizvolle Note" (s.o.). Es bedarf gewiss keiner weiteren, selbst wenn sie die Geschichte des Landes weitererzählen und den Titel "El Máximo Líder" tragen sollte… (thb)

Steckbrief
Cuba – El Presidente

Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Michael Rieneck, Stefan Stadler eggertspiele 2 - 5 Spieler ab 12 Jahre 90 - 150 Minuten Michael Menzel