Il Principe

StadtkarteAuf der Spiel 2004 in Essen machte ein kleiner italienischer Verlag mit einem kleinformatigen Spiel nachhaltig auf sich aufmerksam. Die Rede ist von Mind The Move und Oltre Mare. Dieses kam so gut an, dass schnell eine zweite Auflage nachgeschoben werden musste. Und ein Jahr später war Oltre Mare dann bei Amigo im Programm. Offensichtlich hat sich das Spiel so gut verkauft, dass das Nachfolgeprojekt, Il Principe, in einer großen, professionell hergestellten Schachtel erscheinen konnte. Einer viel zu großen, muss ich leider sagen. Für die 120 Spielkarten, 10 etwa ähnlich großen Rollenkarten und 100 kleine Marker, Geld eingeschlossen, hätte auch eine Schachtel im Oltre Mare-Format gereicht. Und was die Schachtel zu groß ist, ist der für die Spielregel verwendete Zeichensatz zu klein. Ich mag ja zugeben, dass meine Augen aufgrund des Alters schwächer werden, aber das Schriftbild ist auch für Normalsichtige eine Zumutung. Klein, eng gesetzt und nicht sehr übersichtlich. Da hat man eindeutig am falschen Ende gespart. Und wo wir gerade dabei sind, die Regel enthält zumindest eine größere Unklarheit und einen groben Fehler. Dazu später mehr. Was ist Il Principe eigentlich für eine Sorte Spiel? Ein Auktionsspiel, davon gibt es während einer Partie eine stattliche Anzahl? Ein Sammelspiel, um die lukrativen Rollenkarten zu ergattern? Ein Bausiel, schließlich ist die wichtigste Aktion Städte zu bauen? Ein Mehrheitenspiel, die Kontrolle von Provinzen bringt auch gute Siegpunkte? Ein Mangelspiel, Geld ist immer zuwenig vorhanden? Nun, keiner dieser Aspekte dominiert, alle greifen fein ineinander, ergänzen sich oder schließen sich gegenseitig aus. Ich hoffe, ich kann das im weiteren Verlauf darstellen.

Phase 1:Jeder erhält (nur) fünf Geldstücke und vier Gebäudekarten. Diese gibt es in fünf verschiedenen Arten (Farben). Zwei der Karten auf der Hand müssen anschließend in den Versteigerungstopf abgegeben werden. Nur welche sind günstig?
GebäudekartePhase 2:Die Karten des Versteigerungstopfes werden farblich sortiert und versteigert. Zuerst die mit der niedrigsten Anzahl, zum Schluss die mit der höchsten. Bei Gleichheiten wird entsprechend einer festen Farbreihenfolge vorgegangen. Hier stellt sich schon eine weitere Frage. Soll man bei den Farben mit wenigen Karten mitbieten, um dann aber bei den großen Farben ausgepowert zu sein? Oder die kleinen Farben verschmähen, dann jedoch, bei den großen eventuell nicht zum Zuge zu kommen? Aber nicht nur die Anzahl der Gebäudekarten spielt eine Rolle, sondern auch die Farbe, denn sie werden benötigt um Städte zu bauen. Kleine Städte verlangen zum Bau 3 Gebäude in 3 Farben, 3 Geld und bringen direkt 4 Siegpunkte. (3/3/3/4), mittlere 4/3/4/6, große 5/5/5/8. Da nützt es also wenig, noch drei weitere rote Gebäude zu ersteigern, aber das eine grüne, mit der man eine der immer vier offenen Städte hätte bauen können, nicht zu beachten. Jedes Mal nach einer gewonnenen Versteigerung darf eine Stadt gebaut werden, vorausgesetzt es ist noch genug Geld vorhanden. Da gilt es sein(e) Gebot(e) genau zu kalkulieren.
Phase 3:Hier darf entweder eine Stadt gebaut werden oder beliebig viele Karten einer (!) Farbe offen abgelegt werden. Mit diesen abgelegten Karten sammelt man Mehrheiten in den fünf Farben, um in Phase 4, ich greife vor, die große Rollenkarte einer Farbe bzw. zumindest die kleine Rollenkarte zu ergattern. Rollenkarten bieten einen sofortigen Bonus, einen Siegpunkt, zwei Geld, eine Gebäudekarten usw., aber auch einer langfristigen Vorteil. Dies will ich nutzen, um auf die schon erwähnte Verflechtung der einzelnen Spielelemente einzugehen. Herrscht bei der Bestimmung der Rollenkarte Mengengleichheit, muss das Rollenrecht, wer ahnt es, ersteigert werden. Es sollte also dazu auch noch etwas an Geld übrig sein, sonst geht man gegebenenfalls ziemlich leer aus. Na, ja, wird wohl trotz des sofortigen Bonus nicht so schlimm sein. Falsch! Denn wird eine Stadt gebaut, erhalten Besitzer großer bzw. kleiner Rollenkarten, ausgenommen der Bauherr selbst, in den Farben der Gebäude der Stadt zwei bzw. ein Siegpunkte. Da kann es also passieren, dass der Bauherr einer Stadt dafür weniger (!) Siegpunkte erhält als ein Mitspieler. Man unterschätze also nicht die Power der Rollenkarten. Ja, aber in Phase 3 nur Karten einer Farbe auslegen, wie soll man da schnell zu mehreren Rollenkarten kommen? Nun, durch Städtebau (!), denn die dafür verwendeten Karten werden auch zur Mehrheitsbestimmung herangezogen. Dies ist die oben erwähnte Unklarheit der Regel, die auch die Interpretation zuließ, dass zum Städtebau verwendete Karten beiseite gelegt werden. Es kann also auch Sinn machen, erst in Phase 3 eine Stadt zu bauen, um so in mehreren Farben überraschend noch Karten auszulegen. So schön die Rollenkarten sind (oft besitzt man viele, wenn keine Städte gebaut werden und umgekehrt), A und O bleibt doch der Städtebau. Denn mit dem Bau darf man in die angrenzenden Regionen einen oder zwei Besitzmarker legen. Die (eventuell) geteilte Mehrheit bringt am Ende auch noch einmal fünf Siegpunkte pro Region, sicherlich nicht zu verachten. Ebenso wie komplette Sets aus Karten der fünf Farben zwei Siegpunkte bringen. Also heißt es auch noch schön gleichmäßig Karten zu nutzen (Städtebau) bzw. zu sammeln.

RollenkartenIl Principe ist ein zunächst verwirrendes Spiel. Bei der ersten Partie hat man überhaupt keinen Plan, was denn nun in der aktuellen Situation eigentlich zu tun ist. Das schreckte bereits einige Testspieler ab, die dann nicht mehr mit dem Spiel warm werden konnten. Man muss dem Spiel einfach eine zweite Chance geben. Dann hat man eine bessere Übersicht, wie die einzelnen Spielelemente zusammen wirken. Auch wird man dann das Multithreading (Geld, Karten, Stadtbau, Rollen, Gebietskontrolle) feiner justieren können und damit das Spielpotenzial eher erfassen. Man muss eine Balance finden zwischen Geld ausgeben bei Versteigerungen, aber dennoch genug zu haben für Städtebau, zwischen nicht erforderliche Karten in Phase 1 weggeben und die benötigten Karten in Phase 2 zu bekommen. Das ist für mich das reizvolle an Il Principe. Zudem bleiben die Partien bis zum Schluss spannend, da gerade mit der Endwertung in vielen Bereichen noch Siegpunkte gewonnen werden. Il Principe reicht zwar nicht ganz an seinen Vorgänger Oltre Mare heran, aber die vorzügliche Bewertung, z.B. bei der Fairplay Scout Aktion in Essen ist durchaus berechtigt.

Il Principe zu zweit? Normalerweise würde ich sagen, Auktionsspiele zu zweit klappen nicht. Hier aber sind die Auktionen zwar wichtig, aber nur ein Aspekt. zudem gibt es ja nicht nur eine Auktion, die über den weiteren Fortgang der Runde entscheidet, sondern mehrere. So sollte für beide etwas abfallen, aber richtiges Geldmanagement wird natürlich wichtiger. Il Principe funktioniert also auch zu zweit, dennoch würde ich einer Mehrpersonenpartie den Vorrang geben.

Zum Schluss noch der Hinweis auf den tatsächlichen Regelfehler, wie mir vom Autor bestätigt wurde. Kommt es aufgrund zu wenig vorhandener Gebäudearten zur Einleitung des Spielendes und einer letzten Runde entfällt zwar Phase 1, fünf Geldstücke werden dennoch ausgezahlt. Anderenfalls säße man auch ganz schön auf dem Trockenen und könnte in der Runde kaum etwas machen. (mw)

Steckbrief
Il Principe
Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Emanuele Ornella Mind The Move 2 - 5 Spieler ab 10 Jahre 60 - 100 Minuten Mad4Gamestyle