La CittÓ

Wir begeben uns ein paar Jahrhunderte zurück ins das mittelalterliche Italien. Als Fürsten sind wir um die Entwicklung unserer Städte bemüht. Zu Beginn können wir unsere kleine Ansammlung von Menschen kaum Stadt nennen, eher vielleicht Ortschaft, oder, weil diese kleine Ansammlung für Nahrung sorgt, auch Bauernschaft. Dennoch lassen die das Getreidefeld ist von der Stadt fast eingeschlosenCastellos, an denen sich unsere Gefolgschaft versammelt hat, auf größere Taten schließen.

In der Folgezeit werden sich unsere Ortschaften ausbauen und Städte entstehen, die Kultur- und Bildungseinrichtungen, Marktplätze und Badhäuser beherbergen. Unsere Menschen werden sich als richtige Bürger fühlen, eigene Meinungen vertreten und wenn wir ihre Wünsche nicht erhören, lassen sie sich in einer andern, attraktiveren Stadt nieder. Versorgt werden wollen unsere Bürger auch, sonst wandern sie mangels Nahrung ab.

Zum Schluss wird unsere Herrschaftsleistung ganz einfach bewertet. Bürger und gut ausgebaute Städte bringen Punkte, aber wer seine Bevölkerung nicht ernähren kann, wird mit Abzug bestraft. Gewonnen hat - na klar -derjenige mit den meisten Punkten.

Schauen wir uns das ganze nun einmal in Detail an: der Spielplan zeigt eine große Landschaft, in der sich Getreidefelder, Steinbrüche und Gewässer befinden. Die Landschaften am Rande sind fest vorgegeben, während diejenigen in der Mitte auf Plättchen gedruckt sind und somit erlauben, jedes mal den Spielplan anders zu gestalten. Zwischen den Landschaften gibt es Sechsecke, auf denen die Städte gebaut werden. Zu Beginn des Spielers setzt jeder Spieler zwei seiner vier Startplättchen, die Castellos, und erhält aus den benachbarten Landschaften die Nahrung. Das Setzen geschieht ähnlich wie bei "Siedler von Catan": Zuerst wird eine Runde im, dann gegen den Uhrzeigersinn jeweils ein Castello ausgelegt. Dabei gilt eine Abstandsregel von drei freien Felder.

Danach werden sechs Jahre, gleich Durchgänge gespielt. Ein Jahr gliedert sich in acht Phasen; in vielen werden einfache Verwaltungsaufgaben durchgeführt. So wird zunächst die Meinung des Volkes bestimmt, Einkommen ausbezahlt und die Anzahl der Bürger in jeder Stadt erhöht. Einige dieser Aktionen hängen davon ab, wie eine Stadt ausgebaut ist. Danach kommt es zur wichtigsten Phase, der Politikphase, in der jeder Spieler fünfmal Aktionen durchführen darf.

AktionskartePolitikkarte: Goldene ZeitenFür diese Phase erhält jeder Spieler drei Aktionskarten. Außerdem liegen immer sieben Politikkarten offen. Es steht dabei jedem Spieler frei, welche Karte er einsetzt. Bevor wir näher auf die Auswirkungen dieser Karten eingehen, schauen wir uns zunächst einmal die Stadtausbauten an. Viele dieser Stadtausbauten weisen ein bis drei Bögen auf. Die Farbe der Bögen zeigt an, in welchem Bereich ein Ausbau seine Stadt attraktiver macht: Blau steht dabei für Gesundheit, Schwarz für Bildung und Weiß für Kultur. So weist zum Beispiel das Badhaus zwei blaue Bögen auf, stärkt also eine Stadt im Bereich Gesundheit. Jeder Ausbau - mit Ausnahme des Hospitals, das einen blauen und einen schwarzen Bogen aufweist - ist jeder Ausbau genau einem Bereich zugeordnet. Neben den Gebäuden mit Bögen gibt es drei Ausbauten, die nicht zur Attraktivität der Stadt beitragen, sondern andere Vorteile bringen. Ein Bauernhof ernährt die Bevölkerung, indem er Nahrung aus den angrenzenden Getreidefeldern gewinnt, ein Steinbruch bringt Einkommen, pro angrenzendem Gebirge eine Goldmünze. Der Marktplatz hingegen ist notwendig, wenn eine Stadt mehr als fünf Bürger haben soll, denn ohne ihn darf die Stadt keinen sechsten Bürger aufnehmen. Eine solche Grenze gibt es noch einmal bei acht Bürgern. Hier ist entweder ein Brunnen oder ein Badhaus nötig, um die Grenze zu überwinden. Die beiden Ausbauten unterliegen beim Bau zusätzlich der Beschränkung, dass sie nur an einem Gewässer errichtet werden dürfen.

Zurück zu den Karten. Mit den Aktionskarten hat ein Spieler drei Möglichkeiten: er nimmt sich zwei Goldtaler, er baut ein einfaches Gebäude - das sind alle Gebäude mit höchstens einem Bogen - oder er gründet eine neue Stadt.Bei den Politikkarten wird zwischen Karten mit Gebäuden und Karten mit Aktionen unterschieden. Karten mit Gebäuden erlauben den Bau von Gebäuden mit zwei oder drei Bögen. Deren Errichtung kostet aber ein bzw. drei Goldmünzen. Die Karten mit Aktionen berechtigen hingegen, sich andere Vorteile als Ausbauten zu verschaffen: so kann man weitere Bürger erhalten, sich Volkes Meinung anschauen, ein beliebiges Gebäude für höhere Kosten errichten, zusätzliche Ernteerträge einfahren oder eine Stadt in einem bestimmten Bereich kurzfristig attraktiver machen. Die meisten Karten bieten dabei die Möglichkeit, die Aktion kostenlos durchzuführen; gegen Zahlung von Goldtalern gibt es jedoch direkt einen höheren Vorteil; so erhält man bei den "Goldenen Zeiten" einen Bürger ohne Kosten, zwei Bürger hingegen erfordern die Zahlung von zwei Goldmünzen während drei Bürger sogar fünf Goldmünzen bedingen.

eine lange Stadt schlängelt sich durch die LandschaftBei den Aktionen kommt den Bürgern eine besondere Rolle zu. Eine Stadt kann nur ausgebaut werden, wenn sie noch einen Bürger hat, der den neuen Ausbau "bewohnt". Eine Stadt kann somit immer nur so viele Ausbauten haben, wie sie Bürger hat. Sollten Bürger verlustig gehen und dadurch ein oder mehrere Ausbauten unbewohnt werden, so müssen Gebäude abgerissen werden.

Bildung wünscht das VolkVor diesem Hintergrund kommt der Attraktivität der Städte eine Schlüsselrolle zu. Nachdem die Spieler ihre fünf Aktionen durchgeführt haben, wird die Meinung des Volkes aufgedeckt. Der Bereich, der am häufigsten auf den Karten erscheint, repräsentiert den Wunsch des Volkes. Benachbarte Städte, das sind Städte zwischen denen maximal zwei freie Felder liegen, werden bezüglich dieses Bereiches verglichen. Bietet eine Stadt mehr Attraktivität, so wandert ein Bürger von der unattraktiven Stadt ab und lässt sich in der attraktiven Stadt nieder. Unattraktive Städte verlieren so Bürger und eventuell sogar Ausbauten, so dass sie noch unattraktiver wird.

Der ungehemmte Zuwachs bringt aber nicht nur Vorteile, denn die Bürger müssen auch ernährt werden. Dazu führt jeder Spieler einen Zensus durch und vergleicht das Ergebnis mit der Nahrung, die er aus den Bauernhöfen erhalten hat. Können nicht alle Bürger versorgt werden, so wandern die überzähligen Bürger ab und aus dem Spiel. Damit nun aber kein Fürst ein solches Gebaren vorsätzlich verursacht, wird er zusätzlich bestraft: er darf in der nächsten Runde nur vier Aktionen ausführen, in der ersten Runde muss er eine seiner Aktionskarte "entwerten", ohne jedoch den Nutzen daraus zu ziehen. Bei einer Unterernährung im letzten Durchgang, wird der Fürst anstelle der üblichen Strafe mit einem Punktabzug belegt.

Die Abschlussrechnung ist einfach: jeder Bürger zählt einen Punkt, jede Stadt mit Ausbauten in jeder der drei Bereiche zählt drei Punkte und die Bestrafung für Unterernährung schlägt mit fünf Miesen zu Buche.

Der hier beschriebene Ablauf verzichtet darauf, jede Kleinigkeit darzustellen. Das Regelwerk bietet etliche Ausnahmen und benötigt für die Vielzahl von Aktionen genaue Vorgaben. Trotz der Mannigfaltigkeit des Materials und der Regeln ist La Città nicht schwer zu erlernen, denn der Spielablauf sowie die Regeln und die in ihnen festgelegten Ausnahmen sind intuitiv. Als Beispiel sei die Bedingung Gewässer für einen Brunnen oder ein Badhaus angeführt. Um sich mit den Regeln vertraut zu machen, empfiehlt sich ein Spiel in kleiner Besetzung, da hierdurch die Spieldauer erheblich verkürzt wird.

Spielsituation im 3-PersonenspielSind erst einmal alle Spieler mit den Regeln, dem Material und den Spielmechanismus vertraut, eröffnet sich ihnen eine faszinierende Simulation, die sich mit dem Avalon Hill Klassiker Civilisation vergleichen lässt. Beide Spiele haben ein umfassendes Regelwerk, dessen einzelne Schritte jedoch leicht erklärt sind. Mit diesen leicht verständlichen Regeln ergibt sich in beiden Fällen ein Spiel, dass von den Spielern vielfache Entscheidungen abverlangt. Jede Entscheidung ist dabei wichtig, hat direkte Auswirkungen, ist aber in den meisten Fällen im späteren Verlauf korrigierbar. Eine Ausnahme stellt in beiden Spielen die Anfangsphase dar, in der gröbere Schnitzer unwiderruflich zu einer schlechten strategischen Position führen. So sehr beide Spiele auf langfristige, strategische Planung ausgelegt sind, enthalten sie beide einen Glücksfaktor, der bis zu einem gewissen Grade kontrollierbar ist. Ist es in La Città Volkes Meinung, so sind es in Civilisation die Katastrophen und im Advanced Civilisation auch die Waren. Einen gewaltigen Unterschied gibt es nun aber doch, und er entscheidet sicherlich darüber, welches Spiel auf den Tisch kommt: die Spieldauer. Dauert ein Civilisation sieben und mehr Stunden, so kommt man bei La Città selbst in stärkster Besetzung mit drei Stunden sicher aus.

Neben der Tatsache, dass La Città eine hervorragenden Simulation ist, tragen auch Spielmaterial und -gefühl wesentlich zu dem gelungenen Produkt bei. Die Städte werden aus Sechsecken gelegt, schlängeln sich durch die Landschaften und haben eigentlich keine typische Stadtform. Dafür bieten sie Identifikation: es sind meine Städte mit meinen Gebäuden und Ausbauten und mit einer Anziehungskraft, die ich geschaffen haben. In ihr leben Bürger und Bürgerinnen - ja es gibt sie beiderlei Geschlechts - und es sind Bürger für die ich Verantwortung habe, die zu mir hinziehen oder die mich verlassen, wenn ich ihre Wünsche ignoriere. In dieser Beziehung bin ich eben ein Fürst, der seine Stadt prägt. Da stört es auch nicht, wenn für die Kultur ein Dom herhalten muss und das italienische Theater nicht gebaut werden kann, aber dafür kann man Statuen und Universitäten errichten. Ach was, am besten gleich eine ganze, neue Stadt.

Nun fehlt nur noch eins. Ein gemütlicher Abend, ein freier Nachmittag, damit La Città wieder auf den Tisch kommen kann. Bei Neulingen in kleiner Runde, bei Gelegenheitsspieler mit Geduld, damit jeder ein solches Spiel kennen und genießen lernt. Dann können weitere Spiele folgen: mit erfahrenen La Città - Spielern, und dem vollen Genuss der Tiefe dieses Spiels. (wd)

Steckbrief
La CittÓ
Autoren Verlag Spieler Alter Spieldauer Gestaltung
Gerd Fenchel Kosmos 2 - 5 Spieler ab 12 Jahre 60 - 150 Minuten Claus Stephan