Fazit der Spielwarenmesse 2005


Was auf der Spiel '04 in Essen begann, setzte sich auf der Spielwarenmesse 2005 in Nürnberg fort. Es gibt viele gute Spiele, es fehlt aber das Spiel, das sofort ins Auge sticht und schreit: "Ich bin das neue Spiel des Jahres". Ein neues Carcassonne oder ein neues Siedler war nicht auf Anhieb zu entdecken. Das heißt nicht, dass es ein solches Spiel nicht gab, aber kein Spiel fiel uns so deutlich positiv auf.

Da kein einzelnes Spiel das Augenmerk auf sich lenkte, betrachten wir einmal die Menge der Spiele als Gesamtheit und schauen, ob wir ein paar Trends erkönnen können. Bei den Kinderspielen ist dies offensichtlich: Viele Spiele verwenden Magnete (Beispiele: Bravo Piepino, Summ herum, Pizza Flitzer), um ein Spiel mit Effekten auszustatten. In den meisten Fällen sind sie dabei gut integriert, wirken nicht aufgesetzt Im Bereich der Familien- und Erwachsenenspiele ist es noch nicht lange her, da waren die meisten Spiele zu dritt und viert, manchmal auch zu zweit spielbar. Diese enge Zahl von Mitspielern ist nun weidlich aufgehoben. Viele Verlage setzten nun auf reine Zwei-Personen-Spiele (Beispiele: Petri Heil, Coloretto Amazonas, Rattenscharf, Fjorde). Auf der Gegenseite sind Spiele für 7 und 8 Personen durchaus mehrfach vertreten (Beispiele: Heckmeck am Bratwurmeck, Frauen & Männer, Pick-A-Dilly), von den zahlreichen Spielen für bis zu sechs Spieler ganz zu schweigen. Unabhängig von der Spielerzahl setzen die Verlage häufig auch auf kleinere Schachteln und einhergehend auf niedrigere Preise.

Tier auf Tier (Haba)Weiterhin geht ein Trend zu kürzeren und lockeren Spielen. Fast alle Flaggschiffe der großen Verlage lassen sich in weniger als eine Stunde spielen (Beispiele: Amazonas, Turmbau zu Babel, Kreta, China) und selbst die wenigen Ausnahmen (Beispiel: Australia) bringen einen zügigen Spielablauf. Gleichzeitig ist ein Glücksfaktor bei Spielen kein Tabu mehr. So ist es durchaus keine Seltenheit, Würfel in einem Spiel vorzufinden. Das kommt all denjenigen Spielern zugute, die ihren Spaß nicht in den Tiefen eines langen stark strategisch geprägten Spiels finden, sondern Spiel als Unterhaltung nutzen, es auch mal so Zwischendurch tun wollen und die im Spielen auch noch das Spielerische sehen.

Dahin gehen auch unsere ersten Tipps von der diesjährigen Messe. Wie immer haben wir die Spiele auch noch nicht gespielt und treffen unsere Entscheidung subjektiv nach der ersten Erklärung. In Kinderspielbereich sticht ein Spiel durch besonders hohe Originalität hervor, deren Umsetzung wir vorher als fast unmöglich abgetan hätten: Trötofant (Haba) nutzt Tröten mit aufrollendem Papierschwanz als Hauptspielmaterial. Im Familienspielbereich gefiel uns Der Schatz des Kapt'n Flint (Piatnik) sehr gut. Es ist ein schnell erklärtes Bluff- und Mehrheitenspiel mit schöner Aufmachung und passender Story. Etwas mehr Anspruch, aber noch immer im Bereich der Familienspiele ist König Salomons Schatzkammer (Clementoni) angesiedelt. Die spannende Suche nach den wertvollsten Schätzen verspricht Spannung bis zum Schluss. Nicht nur für Vielspieler, aber sicher mit einem gehobenen Anspruch empfehlen wir einmal einen Blick auf Schatten über Camelot (Days of Wonder) zu werfen. Es gibt nur wenige Spiele mit dem Einer-gegen-Alle-Mechanismus und hier wird er schön in eine bekannte Legende eingebunden.

Ansonsten wird wieder einmal die Zeit zeigen, welche Spiele höheren Ansprüchen genügen. Solche Ansprüche liegen vor allem in der Unterhaltung und dem Spielspaß und werden nicht nur im geistig-strategischen Wettkampf gemessen. Zum Schluss wünschen wir wieder einmal viel Spaß beim Lesen des Messeberichts.

Brigitte und Wolfgang

P.S. vielen Dank an Manfred Wahl für die Unterstützung vor Ort in Nürnberg und bei der Erstellung des Messeberichts.