Die Messe liegt hinter uns und was bleibt, ist der Gesamteindruck und die persönliche Einschätzung. Obwohl wir noch nicht (9. 2. 1999) die Neuheiten ausprobieren konnten, ist schon jetzt eines klar: dieser Spielejahrgang ist bärenstark. Die gebotenen Spielmechanismen sind vielseitig und, die Aufmachung und die Ausstattung ist in der überwiegenden Mehrheit im obersten Qualitätsniveau anzusiedeln, und die Themen sind stimmig und bietet eine weite Streuung.

Gibt es denn nun eine Tendenz? Ja, es gibt sie und nicht nur eine: Wirtschaftsspiele sind wieder da. Ob Kosmos mit Giganten, Amigo mit Union Pacific oder Queens mit die Händler, es wird wieder um Geld gespielt. Die nächstes Tendenz: es gibt wieder die großen Spiele: oppulente Ausstattung, eine Spieldauer von 60 - 90 Minuten, eben Spiele, die das Spielerherz erfreuen und den Geldbeutel schädigen. Neben den bereits erwähnten Spielen gesellt sich auch Ravensburger Tikal zu den großen Spielen. Auch hält der Boom bei den Kartenspielen an, dem sich sogar Hans im Glück nicht widersetzen konnte: Klunker heißt das erste Kartenspiel aus diesem Verlag. Als letztes bleiben die Erweiterungen: endlich sind die lang ersehnten Themensets zum Siedler-Kartenspiel erschienen sowie das ebenso erwartete Elfengold, mit dem nun Elvenroads wieder auflebt. Der Kreis schließt sich hier, denn mit Elfengold wird aus dem Elfenland nun auch ein Spiel mit längerer Spieldauer, mit Geld und noch weiterer guter Ausstattung.
  

Im folgenden stellen wir einige Spiele vor. Es ist eine persönliche Auswahl, keine Messe-Überblick oder gar eine vollständige Auflistung. Es sind Spiele, die uns aufgefallen sind, wegen der Aufmachung, der Ausstattung, der Idee oder einfach, weil sie uns in irgendeiner Form ansprachen. Wir können nicht versprechen, daß die genannten Spiele alle eine überdurchschnittliche Qualität aufweisen, aber bei vielen erwarten wir es. Auch kann natürlich hinter einer guten Fassade ein Flop stecken. Wir hoffen das nicht, aber wissen können wir es nicht. Was wir aber wissen, die Jury für das Spiel des Jahres ist nicht zu beneiden, denn selten war die Auswahl so groß und der Ausgang der Wahl für uns so ungewiß. Freuen wir uns also auf viele schöne Spielstunden.
 
 

Brigitte und Wolfgang

P.S.: die Reihenfolge der Spiele ist willkürlich und ist nicht als Wertung zu verstehen.


Ravensburger

Tikal Tikal, Pressefoto

(Wolfgang Kramer/Michael Kiesling) ist das neue große Ravensburger Spiel. Jeder Spieler stellt eine Urwaldexpedition. Zunächst sind lediglich drei Felder bekannt. In jedem Spielzug wird ein weiteres Feld bekannt, doch der Spieler kann bestimmen, wo in mit welcher Ausrichtung es erscheint. Anschließend darf er mit 10 Aktionspunkten sein Expeditionsteam vorantreiben. Da gilt es zunächst, Expedtionsteilnehmer an die wichtigen Punkte zu entsenden. Der Übergang von einem Sechseck zum anderen kosten so viele Punkte, wie Steinplatten in der Richtung liegen. Dies sind meisten ein oder zwei, können aber bis zu sechs sein. Gibt es keine Steinplatte, so ist der Weg nicht etwa kostenlos, sondern nicht begehbar. Mit anderen Aktionspunkten kann man Schätze sammeln und tauschen oder einen der wichtigen Tempel aufwerten. Wenn man ganz sicher gehen will, darf man auch einen Tempel vor dem Zugriff der Mitspieler schützen. Um am anderen Ende des Spielplans aktiv zu werden, lohnt es sich, ein weiteres Basiscamp zu gründen. Dies erspart dann den beschwerlichen Weg in durch den Urwald.

Wird eine Vulkan aufgedeckt, kommt es zur Wertung. Nun zeigt sich, wer die wertvollsten Schätze gesammelt ha und die größten Tempel mit seinem Expeditionsteam belagert.

Tikal ist sowohl vom Material, der Optik als auch der thematischen Stimmigkeit ein Hochgenuß. Es bietet eine Vielzahl von taktischen Möglichkeiten incl. einer Profi-Variante, bei der das Glückselement beim Aufdecken des Seckseckplättchens reduziert wird. Da die Anzahl der möglichen Aktionen begrenzt ist, bleibt Tikal trotz der vielen Möglichkeiten überschaubar.

Noch etwas am Rande: in unserem Bekanntenkreis befindet sich ein Farbenblinder. Über die Schwierigkeiten farbenblinder Spieler ist ein Bericht in der Spielbox 1/99. Um so schöner ist es für uns zu sehen, daß die Spielsteine von Tikal in weiß, rot, orange und schwarz gehalten sind.

Sphinx

(Gunter Baars) ist eine Memory-Variante, die durch die Optik oft mit einem der Labyrinthe oder dem zerstreuten Pharao in Einklang gebracht wird. Drei Sphinxe lauern vor dem Ziel. Um sie zu passieren, muß man entsprechende Tickets haben. Durch Drehtüren und Wechsel der 6 Sphinxe ist dies allerdings leichter gesagt als getan.

Space Walk

(Rüdgier Dorn) ist ein Taktikspiel ohne Glückselement. Es gilt, gegnerische Raumschiffe in schwarzen Löchern verschwinden zu lassen. Wieder einmal wird in der Schachtel gespielt, und so plumpsen die Raumschiffe wirklich in die schwarzen Löcher.


GoldsieberSiesta- Abbildung aus dem Katalog

Goldsieber startet eine Reihe von Spielen in edler Holzaufmachung.

Siesta

(Guido Hoffmann)ist das optisch schönste Spiel . In einem Zug darf man drei Holzteile legen. Es gibt Sonnenstrahlen, Dächer und Schatten, in denen die Siesta gehalten wird und die dementsprechend Punkte bringen. In jeder Runde muß ein Schatten gelegt werden. Dazu muß aber eine Sonne direkt über ein eigenes Dach scheinen.

 

Kontor

(Michael Schacht) konnte man schon auf der Spiel '98 gegen den Autor spielen. Jetzt ist es endlich erschienen. Entgegen der ursprünglichen Ankündigung ist es nun für 2 bis 4 Spieler. Im Amsterdamer Hafen werden Kontore und andere Hafengebäude errichtet. Dabei muß man auf den einzelnen Landflächen einen möglichst großen Handelsvorteil erzielen. mehr zu idesem Spiel findet man auf Michael Schachts Homepage

 


Queens

Die Händler Händler Schachteldeckel

(Wolfgang Kramer/Richard Ullrich) ist eines der hochgehandelten Spiele. In sechs Städten werden zunächst Waren gekauft und verladen. Dabei wird das Laderecht an einen Lademeister versteigert. Dieser darf dann seine Waren einladen und das Recht, weitere Waren einzuladen, gegen Geld vergeben. Sind die Waren verladen, begeben sind die Fuhrwerke auf den Weg. Dabei kann eine einmal eingeschlagene Route nicht mehr geändert werden. Kommt schließlich ein Fuhrwerk an, werden die Waren verkauft. Zwischenzeitlich ändert sich der Kurs und der Preis steigt kontinuierlich bis er irgendwann einmal wieder ins Bodenlose zurückfällt. Hinzu kommt, daß Städte, die keine Waren erhalten, einen Bonus aussetzen, wenn sie wieder beliefert werden. Nun ist Geld nicht alles, denn es muß erst noch dazu verwendet werden, seinen gesellschaftlichen Rang zu erhöhen. Das ist zu Anfang billig, später immer teuer, aber jede Runde werden repräsentative Ausgaben fällig, so daß ein schneller Aufstieg später viele Kosten verursacht. Ist das achte Fuhrwerk am Ziel, endet das Spiel und der Spieler mit dem höchsten gesellschaftlichen Rang gewinnt.

Bestechend ist die Ausstattung: die Fuhrwerke sind aus Holz und mit einer computergesteuereten Fräse, die sonst für Carrombretter benutzt wird, hergestellt. Die anderen Spielsteine sind ebenfalls aus Holz und die Pappplättchen sind mit Leinenstruktur versehen.


Kosmos / TM

Vorweg ein Wort zu den Kosmos-Spielen: sämtliche hier vorgestellten Spiele sind in Optik und Material von Feinsten. Der Weg zur Spielegalerie wie das Spieleprogramm früher bei Kosmos hieß, ist wieder eingeschlagen worden.

Giganten SchachteldeckelGiganten

(Wilko Manz) ist das große Familienspiel . Olmagnete bzw. die die es werden wollen, fördern das schwarze Gold auf einem großen Ölfeld. Das große Problem ist jedoch nicht die Förderung, sondern der Abtransport. Über Giganten kam vielfach die Aussage, daß es besonders Siedler-Spielern gefällt.

Ta Yü Tayü Schachtel

(Niek Neuwahl)ist ein Legespiel, bei dem es das Ziel ist, die gegenüberliegenden Seiten zu verbinden. Auf einem in Quadrate unterteiltem Spielplan werden Spielsteine gelegt, die drei Quadrate lang sind. Sie zeigen Kanäle, die an drei Seiten den Spielstein verlassen. Durch die Vielseitigkeit der Steine ist es gar nicht so leicht, die Steine zielgerichtet anzulegen...

Druidenwalzer PressefotoBei Druidenwalzer (Michael Rieneck) hängt ein Spieler dem Sonnenkult, der andere dem Mondkult an. Jeder Spieler hat 3 Druiden und 4 Bäume. An jedem Baum befindet sich ein Baumgeist. Diese Baumgeister führen den Druidenwalzer aus, wobei sie sich im Uhrzeigersinn weiterbewegen. Anschließend unterstützen sie den Druiden, der an ihrem Baum steht, beim Kräftemessen. Der Baum des Verlierers wird markiert. Sind zwei Bäume eines Spielers auf diese Weise markiert, hat er verloren.

Bei Krieg und Frieden (Gerard Mulder) wird eine Kathedrale gebaut. Wer am meisten dazu beiträgt gewinnt. Dieses Spiel ist aggressiv, denn die Spieler können sehr gezielt gegen die anderen vorgehen. Wir sind als friedliebende Spieler und Spieleclub bekannt. Dementsprechend hat man und von Krieg und Frieden abgeraten. Aber Spielern, die sehr gut zwischen Spielplan und persönlicher Beziehung unterscheiden können, wünschen wir viel Spaß.

Und die Siedler (Klaus Teuber) gehen weiter. Endlich sind die Themensets fertiggestellt. Für den Herbst wurde Catan 3000 angekündigt, ein eigenständiges Spiel im Weltraum. Es gilt mit dem bekannten Verfahren Rohstoffe zu gewinnen, um damit Raumschiffe zu bauen und im Weltall Handel zu betreiben. Kernpunkt sind andere Völker, deren Eigenschaften man sich zu nutze machen kann und kleine Abenteuer, die man im Weltraum erlebt. Diese Abenteuer darf man sich wie eine Szene aus einem Abenteuerspielbuch vorstellen, bei dem man einige Entscheidungen treffen muß.


Hans im Glück

Hans im Glück bringt nun ein Kartenspiel heraus.

Klunker

(Uwe Rosenberg) ist der Name und darum geht es. Zunächst einmal stellt man einen oder mehrere Klunker in seiner Auslage aus. Anschließend dürfen soviele Klunker einer Sorte in den eigenen Tresor gelegt werden. Die Reihenfolge, in Die Karte "Löwenhalsband"der die Spieler keinen Klunker mehr in den Tresor legen wollen, wird festgehalten. Dann heißt es kaufen: entweder die eigene Auslage kostenlos oder eine andere gegen Geld. Der Kauf wandert auch in den Tresor und hier beginnt der Clou: ist eine Klunkersorte viermal vorhanden, wird sie in Bares umgesetzt. Hat man nur diese Sorte, gibt es vier Taler. Für jede fremde Sorte wird ein Taler abgezogen, so gibt es bei zwei fremden Sorten ebne nur zwei Taler. Einen Taler gibt es aber immer. Die Taler erhält man durch umdrehen der Karte. Das ist von Bohnanza bekannt, aber Klunker hat denselben Autor und der darf ja einen guten Mechanismus noch einmal verwenden. Ein weiterer Clou sind die Löwenkarten. Im Gegensatz zu den anderen Karten gibt es statt 14 nur 10 Stück. Somit können höchstens 2 Spieler diese zu Geld machen. Legen mehr Spieler Löwen in ihren Tresor, schleppen sie diese "Karteileichen" bis Spielende mit sich herum. Dieser Mangel wird dadurch kompensiert, daß es für 4 Löwen immer 4 Punkte gibt, egal, wieviele Sorten im eigenen Tresor liegen!

Bei Rasende Roboter (Alex Randolph) kriechen vier Roboter durch einen Parcour. Vorgegeben wird ein Roboter und sein Zielpunkt. Alle Spieler versuchen nun, den Roboter mit möglichst wenig Zügen dorthin zu bekommen. Wer die wenigstens Züge ansagt, führt den Zug aus und bekommt ein Marke. Das ganze erinnert im Ablauf an Corona, Harun, Orbit, ein Spiel, das es schon mehrfach auf dem Markt gab. Rasende Roboter soll sich aber flotter und nicht so rechnerisch spielen, so daß trotz der Mißerfolge von Corona die rasenden Roboter wohlwollend aufgenommen wurden.

Hierzu schickte uns Volker Weitzel von Hans im Glück folgende Anmerkung: Der Ablauf von RR erinnert eigentlich mehr an DIE VERBOTENE STADT, in der Alex zum ersten und einzigen Mal diesen originellen Zugmechanismus verwendet hat. Gepaart ist das ganze mit der CORONA-Gruppe, bei der es um die bestmögliche Vorhersage ging.


Abacus

Mamma Mia

(Uwe Rosenberg) ist ein schnelles Kartenspiel, bei dem ein Haufen Pizzazutaten abgelegt wird. Wenn genügend richtige Zutaten vorhanden sind, kann ein Pizzabäcker seine Bestellung hinzufügen. So werden alle Karten abgespielt. Dann erst zeigt sich, wer seine Bestellungen auch richtig ausgeführt hat: der Stapel wird rückwärts ausgewertet und die Zutaten sortiert. Erscheint ein Auftrag, so wird geprüft, ob alle Zutaten verfügbar sind. Wenn ja, ist der Auftrag erfüllt und die Zutaten werden entfernt, wenn nicht... nun denn ... Pech gehabt.

Die Erbtante Schachtel

Bei der Erbtante (Reinhold Wittig) geht es um eine vorzeitige Erbschaft. Die Spieler sammeln verschiedene Erbstücke, indem sie Erbstücke tauschen oder durch Schmeicheleien "ersteigern". Das Ersteigern ist schon bösartig, den alle Schmeicheleien werden abgelegt, egal ob man den Zuschlag erhält oder nicht. Unter bestimmten Bedingungen hat die Erbtante einen neuen Freund, bis sie entweder heiratet oder stirbt. Im Falle einer Heirat zählen alle Erbstücke, anderenfalls nur Gruppen von Erbstücke mit bestimmten Werten.


Schmidt

Top Banana

Top Banana Abbildung aus dem Katalog(Jim Winslow) ist ein einfaches Taktikspiel. Die Spieler haben Karten der Werte 1 bis 5. Sie spielen einen dieser Werte und setzen ihren Affen vorwärts oder rückwärts auf dem Affenfelsen. Dabei werden nur die freien Felder gezählt. Wer nach fünf Runden oben steht ist der Oberaffe und erhält eine Banane. Ein Taktikspiel, daß leider etwas zu sehr nach Kinderspiel aussieht.

 

 

Bei Colorado County

(Reiner Staupe) werden an 8 Seen und an der Grenze des County Claims abgesteckt. Damit man Claims abstecken darf, müssen Fahnen ersteigert werden. Anschließend kann man dann die Fahne und ein weiteres Grundstück in Beschlag nehmen, wobei der Abstand vorher festgelegt ist. Bei den Wertungen heißt es dann, an den Seen möglichst die Mehrheit zu haben.


FX

Bei Torres (Michael Kiesling / Wolfgang Kramer) werden mit Hilfe von Aktionspunkten Burgen gebaut. Der am höchsten stehende Ritter bekommt die Punkte für die Burg; die Punkte für die Burg ergeben sich aus der Höhe der Burg multipliziert mit seiner Grundfläche.


Amigo

ElfengoldschachtelZunächst einmal gibt es die Erweiterung zu Elfenland namens Elfengold: sie führt Goldtaler ein und bringt eine Versteigerung der Transportmittel mit sich. Nun kann man wieder Elvenroads spielen, nur auf einem anderen Spielplan. Näheres dazu auf unseren Elfenlandseiten.

Nach Elfenland hat Amigo nun noch ein Spiel des Jahres im Programm. Von Relaxx wurde Café International (Rudi Hoffmann) übernommen. Das ganze war sehr kurzfristig und so gab es noch keine Amigo-Ausgabe. Die meisten kenn es ohnehin bereits.

 

Und noch einmal Alan R. Moon, und das im positiven Sinne: Airlines ist wieder da, diesmal allerdings mit amerikanischen Eisenbahnen. Union Pacific heißt es nun und liegt voll imTrend der Wirtschaftsspiele.

Regenbogenschlange SchachtelAufgefallen ist uns  hier noch ein Spiel für die Kleinsten:

bei Regenbogenschlange (Brigitte Pokornik) werden Schlangen gebildet. Wer sie vollendet, erhält die Schlange und wer am meisten Karten hat, gewinnt. Der Zufall regiert, aber für die 4-jährigen, die hier angesprochen werden, sind die Schlangen einfach süß.