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Fazit der Messe

Spiele 2010

Sie driften immer weiter auseinander - die Spielwarenmesse in Nürnberg und die Spiel in Essen. Gab es in Essen eine zweistellige Anzahl von strategischen Spielen mit einer Spieldauer von über 90 Minuten, so wird dieser Sektor in Nürnberg kaum bedient. Andersherum verhält es sich mit Kinder- und Familienspielen: Waren deren Anzahl in Essen eher zurückhaltend, so sind sie in Nürnberg flächendeckend zu finden. Am deutlichsten wird dies am Beispiel Kosmos: Im Herbst mit drei abendfüllenden Spielen vertreten, wird jetzt ausschließlich leichte Kost geboten.

Doch auch so hat die Spielwarenmesse ihr Gesicht bezüglich Gesellschaftsspielen verändert. Bei den Erscheinungsterminen trennen sich die Spiele in solche, die schon erschienen sind oder es sehr schnell nach der Messe werden und in solche, deren Produktionstermin oft erst im Sommer und dabei nicht selten im Spätsommer liegt.

Dieses Mal war die Messe geprägt von Bewährtem. Dies bezieht sich auf die Autoren wie auf die Mechanismen gleichermaßen. Im taktischen Beriech finden wir wieder Arbeitersetzspiele und Spiele bei denen wir Material zum Bauen bekommen und um damit wiederum Siegpunkte zu machen. Ähnliches gilt für Kinderspiele, bei denen ein starker Fokus auf Gedächtnisspiele und auf Magnetismus liegt.

Im letzten Spielejahrgang gab es zahlreiche innovative Spiele, wie Dominion. Fauna und Pandemie. Sie alle erhalten Fortsetzungen, doch eine solche Innovation ist dies Mal nicht zu sehen. Heben wir hier das Spiel heraus, dessen Ideen uns am innovativsten erscheinen: Velo City beherbergt mit der Gruppenregel eine aberwitzige Idee um sich selbst einen Vorteil zu verschaffen.

Waren wir in den letzten Jahren materialmäßig und optisch verwöhnt, so geht auch hier der Trend oftmals zu schlichtem Material; häufig sind es Plättchen, die ausgelegt und gesammelt werden und uns Spieler um das haptische Element der Dreidimensionalität bringen. Auch hier seien die auffälligste Ausnahmen erwähnt: Im Familienbereich besticht Fresko im wahrsten Sinn durch Farbe und im Kinderbereich verhext uns das Hexenduell.

Alles in allem erwarten wir einen soliden Jahrgang. Ein besonderes Highlight - das Spiel, vom dem man sofort sagen kann: "Dies ist es!" - hat gefehlt. Die Perle liegt dieses Mal nicht auf dem Präsentierteller, sondern will gefunden werden. Hoffen wir, dass so manche Auster gefüllt ist.

Brigitte und Wolfgang