Immer wieder tauchen Piraten und ihre Schätze als Thema in Erwachsenen- und Kinderspielen auf. So auch im großen Selectaspiel Piratissimo. Ziel des Spieles ist es 10 Schätze zu erobern und sicher nach Hause zu bringen. Jeder startet in seiner Bucht und würfelt sich mit seinem Schiff, das maximal 7 Schätze fasst, über den Rundkurs. Dieser führt über drei verschieden Inseltypen. Auf Inseln mit roten Schatzkisten sind die Schätze so reizvoll, dass man die gesamte Zahl, die auf der Kiste steht, einlädt. Bei grünen Schatzkisten darf man sich aussuchen, wie viele Schätze man maximal auf dieser Insel einladen kann. Auf neutralen Inseln findet man keine Schätze. Trifft man dort auf einen anderen Piraten, darf man diesem zwei Schätze schenken oder rauben. Das Schenken ist manchmal besonders effektiv, weil man sein eigenes Schiff etwas entlastet, falls man noch viele rote Kisten vor sich hat. Auch kann man dadurch gegnerische Schiffe versenken, indem man ihnen ihren achten Schatz verpasst. Wie oben gesagt fasst ein Schiff nur 7 Schätze. Erhält ein Schiff durch Mitspieleraktion, rote Kiste oder als Folge des Wirbelsturmes (s. u.) den achten Schatz, so kentert es. Alle bisher gesammelten Schätze gehen verloren, und das Schiff muss in die Werft (Heimathafen), um von dort neu zu starten.
Spielsituation Doch Piratissimo ist weit mehr als ein Würfelspielwettlauf. Der Würfel zeigt neben zwei bis vier Würfelpunkten auch zwei Wirbelstürme. Diese wirbeln die Schätze noch kräftig durcheinander. Würfelt ein Spieler den Wirbelsturm, darf er sein Schiff eine Insel weitersetzen, und die entsprechend Aktion der Insel durchführen. Danach versetzt der Spieler den Wirbelsturm. (Die maximale Zugweite ist von der Mitspielerzahl abhängig.) Dann dreht er an dem auf dem Spielplan befestigten Windrad, um zu bestimmen, was dem Schiff oder den Schiffen passiert, bei denen der Wirbelsturm zum halten kam. Dabei kann man zwei Schätze verlieren, oder eine Insel weiter getrieben werden, oder man muss jedem Mitspiele, wenn möglich einen Schatz abgeben. Es kann aber auch passieren, dass man direkt in den eigenen Heimathafen getrieben wird, wo die geladenen Schätze sicher ausgeladen werden können.
Hat man den Rundkurs beendet, fährt man in den Heimathafen ein und lädt die Schätze aus. In der nächsten Runde startet man dann zu neuen Kaperzügen, wenn man nicht schon 10 Schätze erobert, und damit das Spiel gewonnen hat.

Einige Worte zum Material: Der Spielplan ist, wie man es von Selecta erwartet, liebevoll gezeichnet. Neben schönen Holzschiffen liegt dem Spiel liegt auch ein geflochtener Korb bei, der als Lager für die noch nicht eroberten Schätze dient. Leider so fallen immer wieder Schätze heraus, weil er zu klein geraten ist. Das Lagern der Schätze auf den Schiffen ist dafür umso pfiffiger gelöst worden: Jedes Schiff hat zwei "Lagerstäbe" auf die die Schätze gesteckt werden. Diese reichen genau für sieben Schätze. Der achte, der das Schiff zum kentern bringt, passt nicht mehr drauf.

Die vielen Pfeile auf dem Spielplan, die Schiffsbewegung in und der Wirbelsturm gegen den Uhrzeigersinn führen dazu, dass Sechsjährige das Spiel kaum selbstständig spielen können und ihnen die Spieldauer etwas zu lang ist. Der für ein Kinderspiel komplexe Spielmechanismus - dies trifft besonders auf den Wirbelsturm zu - ist für Sechsjährige schwer zu verstehen, weiß aber ältere Mitspieler zu überzeugen. Deshalb sollten ältere Mitspieler die jüngeren anleiten und ihnen die ersten taktischen Möglichkeiten zeigen. Sowohl dann als auch bei Spielen mit Kindern ab acht Jahren hat man ein wunderschön gestaltetes spannendes Familienspiel, das zu den wirklich spannenden Würfelspielen gehört.

Piratissimo ist nicht das Kinderspiel, das ich aus dem Hause Selecta erwartet hatte. Zu meiner Überraschung fand ich hier ein sehr schön gestaltetes, abwechslungsreiches Familienspiel. (bd)

Steckbrief
Piratissimo

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Manfred Ludwig Selecta 2 - 4 ab 6 Jahre 25 - 45 Minuten Barbara Kinzigbach