Der Titel sagte mir überhaupt nichts und ich ließ ihn mir übersetzen: Gulo Gulo ist das lateinische Wort für Vielfraß. Ich hatte keine Latein und habe auch kein Wörterbuch zur Hand, also nehme ich es als gegeben hin, zumal dem Spiel sechs Vielfraß-Figuren beigefügt sind.
Vielfraße sind kleine Raubtiere aus der Gruppe der Marder.
Sie fressen fast alles, mit Vorliebe aber Eier. Genau das hat der kleine
Vielfraß, Klein-Gulo genannt, auch getan. Doch ungeschickt wie er ist,
haben ihn die Geier dabei erwischt. Nun macht sich die gesamte
Vielfraßfamilie auf, Klein-Gulo aus den Händen der Geier zu befreien.
Das ganze wäre viel einfacher, wenn die Vielfraße nicht bei jedem
Zug eines der verlockenden Geiereier vernaschen wollten.
Die Vielfraße stehen vor einer Wegstrecke aus 19 verdeckten
Wegplättchen. Am Ende lauert ein Stapel von fünf verdeckten
Plättchen, von denen eines Klein-Gulo zeigt. Kommt ein Spieler an die
Reihe, so darf er zunächst das nächste verdeckte Plättchen
des Weges aufdecken. Liegt kein aufgedeckte Plättchen mehr vor seinem
Vielfraß, so muss er es sogar tun. Wenn der Spieler ein Plättchen
aufdeckt, bestimmt dessen Farbe, welches Ei er aus dem Geiernest holen muss,
ansonsten darf er eine beliebige Farbe wählen, von der es ein aufgedecktes
Plättchen vor seinem Vielfraß gibt. Nun muss der Spieler in das
Geiernest greifen und ein Ei entsprechender Farbe herausholen. Dabei sind
die Eier unterschiedlich groß, grüne sind ganz klein, blaue
groß. Da Geier etwas gegen Nesträuber haben, befindet sich in
dem Nest eine "Alarmanlage" in Form eines Stabes mit einer Kugel am Ende.
Wenn dieser Stab oder ein anderes Ei aus dem Nest fällt, gibt es
"Eieralarm". Dann muss der Vielfraß zurück auf das letzte
Plättchen in der Eier-Farbe. Gelingt der Eierdiebstahl, so darf man
vorwärts auf das
nächste Feld in der Eierfarbe.
Schließlich steht ein Vielfraß vor dem Stapel. Dann wird das oberste Plättchen aufgedeckt. Das Ei muss wie bisher aus dem Geiernest besorgt werden. In Erfolgsfall wird der Weg um das Plättchen verlängert; im Misserfolgsfall wird das Plättchen unter den Stapel gelegt und der Vielfraß muss zurück. Wurde Klein-Gulo aufgedeckt bedeutet ein Misserfolg, dass auch er unter dem Stapel verschwindet; der Vielfraß muss dann ein Feld zurück. Im Erfolgsfall - eines der beiden violetten Eier wurde aus dem Geiernest geholt - steht der Sieger fest.
Gulo Gulo ist mehr als nur ein Kinderspiel. Auf feine Art und
Weise regeln sich die Erfolge. Kinder gehen oft ungestüm an das Geiernest,
haben dafür aber dünnere Finger und können so besser die Eier
aus dem Nest pulen. Erwachsene hingegen sind vorsichtig, haben aber durch
ihren dicken Finger größere Probleme die Eier aus dem Nest zu
holen. Dieselbe regulierende Wirkung erzielt die Vorwärtsbewegung. Der
Führenden kann maximal ein Feld vorankommen, weil er nur auf das vor
ihm liegende, neu aufzudeckende Plättchen ziehen kann. Vielfraße,
die weiter hinten stehen, können sich die Farbe aussuchen und gezielt
lange Wege zurücklegen. Somit ist das Auslösen der Alarmanlage
zwar ärgerlich, kann aber - vor allem, wenn es bei Spielbeginn passiert
- leicht kompensiert werden. Durch den Schlussstapel ist dann aber ein Vorsprung
gegen Ende viel Wert, weil der Führende den Weg verlängert und
somit ein Vorbeiziehen nur passieren kann, wenn er Eieralarm auslöst
oder ein Spieler einen Doppelzug erhält (passiert immer dann, wenn er
das letzte Ei einer Farbe erfolgreich aus dem Geiernest holt). Die Spieldauer
von ca. einer guten Viertelstunde halten auch kleinere Kinder durch und für
Erwachsene ist das Spiel so interessant, dass diese Viertelstunde schnell
vergeht. Auch brauchen erwachsene Spieler keine Rücksicht auf Kinder
nehmen, weil sie genauso leicht (oder schwer) die Alarmanlage auslösen
wie die Kinder und Spiele mit Kindern machen besonders Spaß, wenn ein
pfiffiger Mechanismus mit gleichen Gewinnchancen für alle Spieler versehen
sind. Herzlich Willkommen, ihr kleinen und großen Vielfraße.
(wd)
Steckbrief |
Autoren | Verlag | Spieler | Alter | Spieldauer | Illustration/Gestaltung |
| Wolfgang Kramer, Jürgen P. K. Grunau, Hans Raggan | Zoch | 2 - 6 | ab 5 Jahre | 15 - 20 Minuten | Victor Boden |