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Gibt es ein erfolgreiches Spiel, erscheinen meist Erweiterungen hierzu, oder es entstehen Spielfamilien. Nachdem es zum Spiel des Jahres 2004 Zug um Zug schon einige Brettspiele gab, erschien nun ein Kartenspiel mit gleichem Titel.

Wie schon im Originalspiel gibt es Wagenkarten in acht Farben und Lokomotiven.grüne Wagenkarte
Hinzu kommen 46 Zielkarten und Bonuskarten. Die Zielkarten zeigen farbige Wagenkarten-Kombinationen, die man erspielen soll. Diese Karten tragen zusätzlich Städtenamen. Wer am Ende auf seinen erfüllten Zielkarten die Mehrheit einer Stadt erspielt, erhält die zugehörige Bonuskarte.

Die Bonuskarten werden offen ausgelegt, daneben kommt der Nachziehstapel, in den alle Wagen und Lokomotivkarten gemischt wurden. Fünf dieser Karten werden ausgelegt.
Dann erhält jeder Spieler sechs Zielkarten. Von den sechs Karten muss er mindestens eine, darf aber auch alle behalten. Die zurückgegebenen Karten werden mit den übrigen Zielkarten gemischt und als Nachziehstapel bereitgelegt.

Eine Spielrunde läuft immer in zwei Phasen ab.
Zuerst legt man von seinem Verschiebebahnhof (der eigenen Kartenauslage) von jeder vorhandenen Farbe verdeckt beiseite legen. Diese Karten muss man sich merken, man darf sie nicht wieder anschauen.

Danach hat man die Wahl:

Zielkarte Das Nachziehen entspricht dem Kartenziehen im Originalspiel, nur dürfen hier auch mehr als drei Lokomotiven offen liegen. Man darf eine offene Lokomotive oder zwei Karten aus offenen Wagenkarten und verdeckten Karten nehmen.
Zum Auslegen der Karten gilt, dass man entweder mindestens zwei Karten einer Farbe oder drei Karten unterschiedlicher Farbe auslegen darf. Hierbei gibt es jedoch Einschränkungen. Wenn man eine Farbe ausliegt, darf sie nicht in gleicher oder größerer Zahl auslegen. Legt man eine Farbe aus, muss derjenige, der weniger von dieser Farbe in seinem Verschiebebahnhof besitzt, diese Karten ersatzlos ablegen. Hat man eine Farbe gelegt, muss sie erst aus dem eigenen Verschiebebahnhof verschwunden sein, bevor man sie wieder auslegen kann. Die erste Farbe einer Reihe darf keine Lokomotive sein
Als letzte Aktionsmöglichkeit gibt es die Möglichkeit vier Zielkarten nachzuziehen und beliebig viele davon zu behalten.

Wenn der Wagenkartenstapel aufgebraucht ist, kommt jeder noch einmal an die Reihe; dann kommt es zur Wertung. Man nimmt seine beiseite gelegten Karten, und erspielt mit ihnen so viele Punkte über Zielkarten wie möglich.
Im Spiel zu zweit oder dritt ist das Spiel jetzt zu Ende.
Im Spiel zu viert behält man nicht erfüllte und getrennt davon die erfüllten Zielkarten und seine Handkarten. Beiseite gelegte Wagenkarten, die man nicht für Zielkarten einsetzen konnte müssen zurückgegeben werden.Man spielt den Stapel ein zweites Mal durch und wertet erneut.

Schließlich bekommt derjenige, der die entsprechenden Städte der Bonuskarten am häufigsten auf seinen Zielkarten findet, die zugehörigen Punkte der Bonuskarten.
Nun werden noch die Punkte der nicht erfüllten Zielkarten abgezogen, und der Sieger steht fest.

Kartenrückseite Eine Anmerkung zum Material. Die Rückseiten der Wagenkarten sind schön gestaltet, aber die Punkte in der Ecke lassen sie oft wie lila Wagenkarten wirken.

Das Spiel hat einiges (Zugmechanismus, Wagenkarten…) mit Zug um Zug gemeinsam, doch das Spielgefühl ist ein ganz anderes. Während man im Original dem anderen höchstens eine Strecke wegbauen konnte, kann man jetzt die Auslage eines anderen Spielers, aus der er Punkte machen will, zerstören.
Es kommt deutlich mehr zu Interaktionen. Man muss mehr darauf achten, welche Karten die anderen ziehen. Lokomotiven sind auch hier besonders wertvoll, da sie, wenn man sie in Phase 1 beiseite gelegt hat, als Wagen jeder beliebigen Farbe einsetzen kann.

Das Spiel selbst macht sehr viel Spaß. Es ist lebhafter am Tisch als beim Brettspiel.
Zu negativer Kritik führte immer wieder, dass man seine beiseite gelegten Karten nicht mehr anschauen darf, man muss sich merken, was man schon gesammelt hat.
So kann es passieren, dass man sehr viele Karten als unnütz ablegen muss, was kein gutes Gefühl erzeugt. Gerade im Spiel zu viert tut dies besonders weh und man muss neu anfangen, sich erspielte Karten zu merken. Oft glaubte man zum Beispiel "Rot habe ich genug", doch die roten Karten hatte man im ersten Durchgang, und musste sie ablegen, weil man sie da noch nicht einsetzen konnte.

Der Mechanismus machte allen Mitspielern viel Spaß, man freute sich, wenn ein fremder Verschiebebahnhof verkleinert wurde, oder schimpfte darüber, wenn es einen selbst traf, aber meist hatte man schon die Karten für die Rache auf der Hand.
Der Spaß endete, wenn die Wertung begann. Sie besteht aus Sortiererei der vielen verschiedenen Karten. Dazu kommt Frust, dass man erspielte Karten ohne Belohnung ablegen muss und dazu noch Minuspunkte für nicht erfüllte Zielkarten bekommt

So habe ich ein ganz zwiespältiges Gefühl bei der Sache. Das Hauptspiel macht viel Spaß, die Wertung weniger. Ich denke, Spieler mit einem sehr guten Gedächtnis haben auch bei der Wertung mehr Spaß und müssen nicht so viele Karten ungenutzt ablegen.
Hier hilft wirklich nur ausprobieren, denn mit Zug um Zug hat das Spielgefühl wenig zu tun.(bd)

Steckbrief
Zug um Zug
Das Kartenspiel

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Alan R. Moon Days of Wonder 2 - 4 ab 8 Jahre ca. 30 Minuten Julien Delval