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Ein Rascheln, ein Raunen! Was ist denn hier im Palast los. Wozu braucht der König zwei Zofen? Das geht aber nicht! Ein Palastgeflüster entsteht! Und dann: Der Zauberer. Ich bin der Zauberer. Du brauchst keinen zweiten. Doch wenn er kommt … ein zweites Palastgeflüster! Zuletzt. Freude. Der Hofstaat ist fast vollständig anwesend. Nur der Narr fehlt. Das muss er auch, denn der König wünscht keinen Narren. Er hat ihn mundtot gemacht.

Zofe Wir sind zuständig für die Organisation des Hofstaats. Sieben Personen stehen zur Verfügung. Sie alle sind auf Karten verfügbar, je einmal in den Spielerfarben, je zwei Mal mit neutralem Braun. Die Spielersätze und die neutralen Karten werden gemischt und jeder Spieler erhält sechs Karten. Nun gilt es, möglichst den eigenen Hofstaat aufzubauen. Gelingt dies nicht, so versucht man, an einem fremden Hofstaat ein Palastgeflüster zu erzeugen. Dies entsteht immer dann, wenn eine Person doppelt an einem Hofstaat vorhanden ist.

Auf geht's! Ein Spieler legt eine Person aus, die Farbe ist dabei egal. Wichtig ist nur, dass kein Palastgeflüster entsteht. Dann führt die ausgelegte Person ihre Aufgabe durch. Sie lässt einem Karten mit einem Mitspieler oder mit dem Nachziehstapel tauschen, verändert die Auslage oder zwingt einen, seine Karten den Mitspielern zu zeigen. Nur der Hofnarr tut nichts. Der hat auch seine Bedeutung, die erst dann eintritt, wenn der König aktiv(iert) wird. Dies ist die Aufgabe des Hofmarschalls. Der König nun macht eine Person mundtot, d. h., ihre Funktion wird nicht mehr ausgeführt. Und weil der Hofnarr keine Funktion hat, untersagt der König gleich komplett das Ausspielen eines solchen.

KönigNachdem ein Spieler die Funktion ausgeführt hat (oder sie von König untersagt wurde), wird der nächste Spieler bestimmt. Hat die ausgespielte Karte eine Spielerfarbe, so ist jetzt derjenige an der Reihe, dessen Farbe gespielt wurde. Bei einer neutralen, braunen Karte setzt der Spieler mit den wenigsten Karten in der Auslage das Spiel fort. Gibt es mehrere, so bestimmt der ausspielende Spieler, wer an die Reihe kommt.

Damit sind wir auch schon beim Ende eines Durchgangs angekommen. Entsteht beim Auslegen einer Karte ein Palastgeflüster - wird also eine Person ausgelegt, die bereits am Hofstaat vorhanden ist - so verliert dieser Spieler den Durchgang und alle anderen bekommen einen Punkt. Gleiches passiert, wenn man einen Hofnarr spielt, obwohl der König dies gerade untersagt. Wer jedoch seinen Hofstaat komplett ausliegen hat - dazu sind sechs verschiedene der sieben möglichen Personen notwendig - gewinnt die Runde und bekommt alleine einen Punkt. Je nach Spielerzahl sind vier bis sechs Punkte für den Gesamtsieg erforderlich. Erreichen mehrere das Ziel, gewinnt derjenige, der in der letzten Runde am meisten Karten ausgelegt hat. In einer Variante kann man die ausgelegten Karten von Beginn an notieren. Dann gewinnt bei Gleichstand, wer über das gesamte Spiel mehr Karten ausgespielt hat.
 

ZaubererLange habe ich auf ein solches Spiel gewartet. Kartenspiele erscheinen viele, gute sind seltener und originelle sucht man wie die Nadel im Heuhaufen. Dieses Spiel nun bietet die richtige Mischung aus Kartenglück und Planung, aus eigener Konstruktivität und vernichtender Destruktivität der anderen Spieler, aus Freude über den eigenen Hofstaat und die Schadenfreude über das Palastgeflüster am fremden Hofstaat. Natürlich gibt es auch hier die besonders schlechten Karten. Mit denen verliert man … wenn nicht ein Spieler mit dem Zauberer die Karten wegtauscht. Es gibt die eigenen Karten, mit denen sich der eigene Hofstaat schnell aufbauen lässt, nur um dann festzustellen, dass das Palastgeflüster nicht mehr vermeidbar ist. Da sitzt man mit einer letzten, nicht passenden Karte auf der Hand und hofft, der Kelch des Ausspielens möge vorüber gehen. Da geht die Gefühlswelt so schnell auf wie ab. Da wird man gezwungen, gegen Ende auf den eigenen Sieg zu spielen, weil zu viele Spieler nur noch einen Punkt brauchen. Also Risiko spielen … oder doch lieber ein wenig feige hinter dem Rockzipfel der Zofe verstecken? Ja, sage ich zu allem und spiele lieber noch einmal dieses ach so klein aussehende Spiel, dass den Spielen in den großen Schachteln in nichts nachsteht. (wd)

Steckbrief
Palastgeflüster

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Michael Rieneck Adlung 3 - 5 ab 10 Jahre 45 - 60 Minuten Dennis Lohausen