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Vor für einen Spieler langer Zeit gab es ein Spiel namens Medici. Er erschien bei Amigo und war von Reiner Knizia. Das Spiel war für drei bis fünf Spieler. Nun enthielt es eine Versteigerung und Versteigerungsspiele sind selten für zwei Spieler. Jetzt, über 10 Jahre später, gibt es vom selben Autor unter einem erweiterten Titel, diese Version.

Dieses Mal geht es nicht um Macht in Handelshäusern, sondern in Häfen. Dazu stehen jedem Spieler drei Schiffe zur Verfügung, deren Ladekapazität drei, vier bzw. fünf Waren beträgt. Als Warensorten stehen hier Indigo, Felle, Gewürze und Seide zur Verfügung. In zwei der drei Häfen werden jeweils drei Warensorten umgeschlagen, in einem Hafen nur zwei. Die Waren selbst gibt es als Plättchen in den Werten von 0 bis 4, wobei die Vier doppelt vorkommt. Außerdem gibt es noch zwei Mal Gold im Wert 5.

Hafen mit zwei vollbeladenen Schiffen Jeder Spieler beginnt das Spiel mit Münzen im Wert von 300. In jedem der drei Durchgänge werden Waren gekauft, und in die Häfen gebracht. Nach jedem Durchgang erhalten die Spieler dann Geld für die besser beladenen Schiffe und für größeren Umschlag im Hafen. Waren werden auf einem einfachen Weg erworben: Die 26 Plättchen befinden sich in einem Beutel. Der am Zug befindliche Spieler - den ersten Durchgang startet der Medici-, die beiden anderen der Strozzi-Spieler - zieht eine Ware aus dem Beutel gezogen. Er kann nun einer Preis nennen oder eine weitere Ware aus dem Beutel ziehen. Nun kann er einen Preis für beiden Waren zusammen nennen oder eine dritte Ware aus dem Beutel holen. Dann muss er einen Preis nennen. Der Mitspieler kann den Preis akzeptieren. Lehnt er ihn ab, muss der Spieler am Zug seinen eigenen Preis begleichen. Wer immer den Preis begleicht, erhält alle gezogenen Waren. Er kann sie entweder auf ein Schiff packen oder für diesen Durchgang aus dem Spiel nehmen. Packt ein Spieler zum ersten Mal Waren auf ein Schiff, muss er es nun an einen seiner noch freien Häfen legen. Anschließend ist er am Zug und holt wieder eine Ware aus Beutel. Eine Einschränkung gibt es noch: Ein Spieler muss noch Platz für die Waren auf einem Schiff haben, hat er zum Beispiel auf einem Schiff nur noch zwei freie Plätze und beide anderen voll beladen, darf er auch nur noch bis zu zwei Waren aus dem Beutel holen.

Ein Durchgang endet, wenn entweder ein Spieler seine drei Schiffe beladen hat oder aber alle Waren aus dem Beutel gezogen worden sind. Nun wird abgerechnet. In jedem Hafen wird der Gesamtwert der Waren verglichen. Der Spieler mit dem höheren Wert erhält Münzen im Wert von 20. Dann werden die Monopolsteine, die zu Beginn des Spiels neutral in der Mitte liegen, bewegt. Für jede Ware wird der Stein ein Feld auf den Spieler zubewegt, für eine Ware mit Wert 0 sogar zwei Felder. Liegt der Stein danach auf der Seite eines Spielers, bekommt er dafür Münzen im Wert 10. Liegt der Stein auf dem dritten oder gar vierten Feld der Skala, gibt es zusätzlich 10 oder 20 als Monopolbonus. Nach einem Durchgang werden die Schiffe entladen und aus den Häfen genommen, die Monopolsteine behalten ihre Position aber bei. Nach drei Durchgängen endet das Spiel. Wer dann das meiste Geld besitzt, ist Sieger.

Medici vs Strozzi ist ein Wirtschaftsspiel, dessen zentrales Element die Preisfindung ist. Beim Start sind die Schiffe leer und die Monopolsteine liegen neutral, daher sind die Waren für beide Spieler gleichwertig. Das ändert sich, sobald ein Spieler Waren ersteigert hat. Nun gibt es ein Ungleichgewicht und dieses gilt es auszunutzen, um dem Mitspieler Waren teuer zu verkaufen und eigene Waren preiswert zu erstehen.
Schiff mit zwei WarenDa ein Durchgang endet, sobald ein Spieler seine Schiffe beladen hat, gibt es auch ein Ungleichgewicht bei der Wertung. Wer mehr Waren hat, hat auch häufiger höhere Werte und bewegt meist mehr Monopolsteine. So bekommt er dann auch mehr Geld. Das scheint gerecht, weil dieser Spieler ja auch mehr Waren bezahlt hat, setzt den Mitspieler kurz vor Ende eines Durchgangs aber auch stark unter Druck. Im letzten Durchgang kann dies sogar dazu führen, dass ein Spieler erpressbar wird. Kann der Mitspieler sein letztes Schiff voll beladen, kann er horrende Forderungen stellen, solange er bei eigenem Kauf siegreich bleibt.
Die Wirtschaft in diesem Spiel ist ruinös. Das Ziel besteht darin, bei Spielende mehr Geld als der Mitspieler zu besitzen. Daher beträgt der Preis einer Ware nicht das, was man bekommt, sondern zusätzlich auch noch das, was der Mitspieler nicht bekommt. Als Folge sind die Waren mindestens doppelt so teuer wie der Ertrag. Kompensieren sich Waren bei den Spielern, ist das Verhältnis noch ungünstiger, weil die Investition noch nicht einmal Ertrag abwirft. So hat der Sieger am Ende weniger Kapital als zu Beginn des Spiels.
Während der ersten Spiele weiß man noch nicht so recht, wie man den Preis für Waren legen sollte. Das ändert sich zwar mit mehreren Spielen und es wird planvoller gespielt. Das Durchgangs- bzw. Spielende und der ruinöse Verlauf lassen jedoch weiterhin wenig Freude aufkommen, weil man das Gefühl nicht los wird, es liefe schlecht. Das gilt sogar für den Sieger. So bleibt der Versuch eines Handelsspiels für zwei Spieler im Mittelmaß stecken. (wd)

Steckbrief
Medici vs Strozzi

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Reiner Knizia Rio Grande Games 2 ab 10 Jahre 30 Minuten Franz Vohwinkel