Als Thurn und Taxis Spiel des Jahres wurde, war ich der Ansicht, dass es nun endlich ein Spiel des Jahres ohne Erweiterung geben wird, da es für mich einfach rund und abgeschlossen war. Doch jetzt gibt es auch hierzu eine Erweiterung mit dem Titel Glanz und Gloria.

Spielsituation

Im Folgenden gehe ich davon aus, dass das Ursprungsspiel Thurn und Taxis bekannt ist. Aus diesem Spiel benötigt man nur die 20 Poststationen in jeder Farbe. Alles andere Material kommt mit dem neuen Spiel.
Jetzt wird auf einem Spielplan, der den nördlichen Teil Deutschlands, Holland und Belgien zeigt, gespielt. Für die Länderbonus-Chips (außer Preußen) benötigt man jetzt alle Städte zweier Länder, bei denen das eine Land aus zwei, das andere aus einer Stadt besteht. Zum Beispiel bilden Dresden und Leipzig zusammen mit Weimar die Gruppe Sachsen/Thüringen.
An die Stelle des großen Landes (im Original Bayern) tritt hier Preußen, das durch Hannover in zwei Teile geteilt wird. Hinzu kommt jetzt noch die Funktion der freien Reichstädte. Derjenige der als erster eine Station in eine freie Reichsstadt setzt erhält einen 1er-Bonuschip. Pro gewertete Strecke darf man aber nur ein Haus in eine freie Reichsstadt setzen.
Der Grundrhythmus: eine ziehen - eine legen - evtl. werten - bleibt gleich, doch die Bedingungen für die Wertung wurde verändert.

Kutsche des grünen Spielers Die alte Wertung für die Kutschenkarten gibt es nicht mehr. Jetzt gibt es nur noch Bonuspunkte für lange Strecken, wobei es jetzt auch Bonus-Chips für die Länge Acht gibt. Daher ist der Wagner in diesem Spiel nicht vertreten, und wird auf dem Spielplan nur als Wandbild gezeigt.

Wie schon im Basisspiel ist jede Stadt dreimal auf einer Karte vertreten. Diese Karten zeigen auf Vorder- und Rückseite ein, zwei oder drei Hufeisen. Diese Hufeisen symbolisieren Zugpferde.

Jeder Spieler hat zu Beginn eine Kutsche mit zwei Zugpferden. Um nun eine Strecke werten zu können, muss man mindestens so viele Pferde vor seine Kutsche gespannt haben, wie die Strecke lang ist. Dies tut man, indem man anstatt eine Stadt offen auszulegen eine Stadtkarte verdeckt neben seine Kutsche legt, die Anzahl der Hufeisen symbolisiert die Anzahl der zusätzlich vorgespannten Pferde.

Hat man eine Strecke gewertet, wird wie gehabt in jedes angefahrene Land eine Poststation, oder in ein beteiligtes Land in jede Stadt eine Poststation gesetzt. Dann werden die zusätzlich gelegten Zugpferde mit den Stadtkarten abgelegt. Es gibt nur noch das Endkriterium, dass ein Spieler alle Häuser verbaut hat.

Rückseite mit einem Hufeisen Die Art der Erweiterung sorgte schon für viele Diskussionen. Da aus dem alten Spiel nur die Häuser übernommen werden, stellt sich die Frage, warum nicht ein komplettes Spiel, wie es mit Zug um Zug Europa statt einer Erweiterung herauskam. Darüber wurde jedoch geschimpft, was es denn solle, man habe die Loks ja alle schon (erhöhen den Preis), und die Schachtel könne viel kleiner ausfallen. Ich denke, egal, wie der Verlag es macht, alle sind nie zufrieden.

Schön für mich als Mensch nördlich des Weißwurstäquators ist es, auf dem Spielplan vertraute Städtenamen zu lesen, mit denen ich etwas anfangen kann.
Das Spiel ohne die Kutschenkarten finde ich etwas einfacher, weil es damit nur noch ein Spielendekriterium gibt. Es kommt nicht mehr so oft zum überraschenden Spielende, wenn man sich mal wieder nur auf ein Kriterium, das man selbst anstrebt, konzentriert hat. Leider zieht sich gelegentlich das Spielende, wenn jemand verzweifelt versucht, sein letztes Haus unterzubringen, und die Mitspieler die entsprechenden Karten beseitigen.
Auch die Gefahr, abreißen zu müssen ist gebannt, denn hat man mal keine passende Karte, kann man immer ein weiteres Pferd vorspannen. Dies verhindert zwar Frust, aber es bringt einen Tempoverlust, der auch den Sieg kosten kann.

Rückseite mit 3 Hufeisen Auch die Variante, nach den alten Regeln mit den Kutschenkarten ohne Pferde zu spielen funktioniert sehr gut.

Eine Bewertung der Erweiterung fällt mir schwer. Sie vereinfacht das Spiel etwas und hat gelegentlich Längen am Spielende.
Ich freue mich jetzt in vertrauten Gegenden meine Poststationen bauen zu können, und mag auch die Version mit Pferden. Man muss nicht die Erweiterung haben, sie ist aber nice to have, da sie nach vielen, vielen Spielen etwas Abwechslung ins Spiel bringt.
Für diejenigen, die das Original Spiel des Jahres nicht besitzen, die gern in den nördlichen Regionen spielen wollen, wäre ein komplettes Spiel schön gewesen. Vielleicht gibt es ja irgendwann die Ergänzung aus Häusern und Originalregel, die auch Glanz und Gloria zu einem eigenständigen Spiel macht. (bd)

Steckbrief
Thurn und Taxis - Glanz und Gloria

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Karen Seyfahrth
Andreas Seyfahrt
Hans im Glück 2 - 4 ab 10 Jahre ca. 60 Minuten Michael Menzel