Panem et Cirsenses, Brot und Spiele, haben Jahrzehnte lang mit geholfen, das römische reich zusammen zu halten. Ihren Höhepunkt feierten sie wohl bei der Eröffnung des Amphitheatrums Flavium, heute allgemein als Colosseum bekannt. 99 Tage dauerte das Fest und Zehntausende strömten herbei, um Gladiatoren kämpfen zu sehen, seltene und exotische Tiere zu bewundern oder Musiker und Unterhaltungskünstler zu bestaunen. Einiges davon haben Wolfgang Kramer und Markus Lübke in ihrem Spiel Colosseum aufgegriffen, gilt es doch, als römischer Impressario die schönste und erfolgreichste Veranstaltung mit schließlich den meisten Zuschauern aufzuführen.

Spielplan Wie geht das? Im Spiel sind 30 Programmkarten, die die möglichen Aufführungen beschreiben. Darauf sind in unterschiedlichen Kombinationen die zwölf verschiedenen Darsteller und Gegenstände, kurz Spektakel, abgebildet. Bei einem kleinen Programm, aufzuführen in der 2er-Basisarena, könnten das z.B. drei Gladiatoren, ein Torbogen und eine Blumendekoration sein. Ein mittleres Programm für eine teilweise ausgebaute 3er-Arena umfasst acht bis zehn Spektakel, ein großes Programm in der 4er-Arena bis zu 16 Spektakel aus acht der zwölf Kategorien. Zwei kleine Programme erhält jeder zu Beginn, die anderen müssen gekauft werden.

Auf vielfältige Weise berechnen sich die Zuschauer, die einem Programm beiwohnen. Da ist zunächst einmal die Basisanzahl des Programms. Wenn allerdings das eine oder andere Spektakel fehlt, bleiben auch einige Zuschauer weg. Vielleicht lassen sie sich aber noch durch einen Star locken. Sieben der zwölf Kategorien bringen einen solchen hervor, der zu dem Spieler wandert, der die meisten Spektakel der entsprechenden Sorte sammeln konnte. Ein Star ist durchaus interessant, bringt er doch vier Punkte, sprich Zuschauer, ca.10% der Basiszuschauer eines großen Programms. Fast genauso viel (drei) bringt einer der Senatoren, wenn er auf seinem Rundweg, auf dem auch die Arenen angeordnet sind, bewegt durch einen Würfelwurf in der eigenen Arena stehen bleibt. Fünf Punkte sind es bei einem Konsul, gar sieben, wenn der Kaiser seine Aufwartung macht. Luxus wurde auch früher schon groß geschrieben, daher bringt der Einbau eines Luxusplatzes gleich fünf Punkte mehr. Ebenso viele wie ein bereits erfolgreich aufgeführtes Programm, Qualität spricht sich halt herum. Dann gibt es noch Podien und Kaisermedaillen, die Zuschauer bringen, dazu später mehr. Keine Zuschauer direkt, aber Vorteile durch einen zweiten Würfel beim Bewegen der römischen Staatsmänner, bringt der Einbau einer Kaiserloge.

AufführungAn die Spektakel kommt man auf zwei verschiedene Arten. Zum einen durch fünf Märkte mit je drei Spektakelplättchen, von denen der aktuelle Spieler einen aufruft und zur Versteigerung anbietet. Auf die Art erhält jeder pro Runde drei Spektakel, die man für seine Programme verwenden kann. Hierbei gilt es schon ein bisschen in die Zukunft zu schauen, welches größere Programm eventuell in Frage käme. Dabei hilft die Rückseite der hervorragenden Spielhilfe, auf der alle Programme mit allen Informationen übersichtlich dargestellt sind. Auch die anderen wichtigen Informationen, wie Kosten eines Luxusplatzes oder die Berechnung der Zuschauer sind aufgeführt. Ich habe schon seit längerer Zeit keine so gute Spielhilfe mehr gesehen, ein großes Lob an den Verlag.

Hat man nicht die richtigen Spektakel abbekommen, kann man sie in der nächsten Phase nach Bohnanza-Manier handeln, gegen andere Spektakel und/oder Geld. Im Auge sollte man dabei auch die Stars behalten und sie mit ihrer Wertigkeit in das Geschäft mit einbeziehen. In der Regel kann man die Spektakel für sein (ins Auge gefasste) Programm schon zusammen bekommen, denn was der eine nicht braucht, sucht der andere und umgekehrt.

Arena In Phase 1 einer Runde kann schließlich einmal pro Runde investiert werden, in eine neue Programmkarte, eine Arenaerweiterung, einen Luxusplatz oder eine Kaiserloge. Insgesamt geht das Spiel über fünf Runden und es hat sich gezeigt, dass eine realistische Chance auf den Sieg nur mit einem großen Programm gegeben ist. Für das Investieren bedeutet das, dass mit Programm, zwei notwendigen Arenaerweiterungen und einem wohl angesagten Luxusplatz in der ersten Runde schon vier der fünf Investitionsmöglichkeiten belegt sind. Ob dann noch ein weiteres Programm in Frage kommt oder etwas Anderes muss der Spielverlauf zeigen. Ja, der Luxusplatz in der ersten Runde scheint mir wichtig, denn die angelockten Zuschauer bestimmen am Ende einer Runde eins zu eins die zusätzlichen Finanzmittel für die nächsten Runden. Und in die Arena mit der bisher erfolgreichsten Arena wird ein Podium gelegt, immerhin drei Zuschauer mehr in den kommenden Runden.

Obwohl die Zuschauerzahlen im Laufe des Spiels sehr unterschiedlich sein können, kann man nie sagen, dass ein Mitspieler dramatisch zurückliegt. Das finde ich klasse und ist eine Stärke des Spiels. Denn es kommt auf die eine letzte Aufführung an und die Wege, dabei ein gutes Ergebnis zu erzielen, sind vielfältig. Z.B. ein kleines Programm aufführen, um damit, wie oben beschrieben, die Mundpropaganda anzufachen. Und noch einen weiteren Grund gibt es, warum hinten liegen nicht unbedingt schädlich ist. Nachdem jeder ein in seinem Programm verwendetes Spektakel abgegeben hat, darf der bis dahin Schwächste beim Stärksten, der ja ein Podium bekommen hat, ein Spektakel abwerben. Das kann die Verhältnisse in der nächsten Runde umkehren.

StarPlättchen Colosseum hat mir von Anfang an ausnehmend gut gefallen, schon mit dem Lesen der Regel. Das hat sich dann im Spiel bestätigt und auch meine Mitspieler waren in der Überzahl dieser Ansicht. Dazu beigetragen hat sicherlich auch der optische Eindruck des Materials. Wie schon erwähnt kann sich mit der letzten Runde das Ergebnis noch verändern, insbesondere durch den geschickten Einsatz der Kaisermedaillen. Man bekommt sie, wenn ein Staatsmann bei seiner Bewegung auf einem farbigen Feld landet und kann sie einsetzen, um mehr Zuschauer zu ziehen, die Staatsmänner (auch rückärts!) zu bewegen oder für zwei Medaillen eine zusätzliche Investition vorzunehmen. Alles Argumente die zeigen, dass auch eine Strategie mit Kaiserloge zu Beginn zum Erfolg führen kann. Alle Komponenten fassen wunderbar ineinander, Geld ist genug da, aber auch nicht zu viel, die Spektakel sind gut austariert und deren Ziehen aus dem Sack stellt eine Glückskomponente dar, die aber keinen negativen Einfluss auf das Spiel hat. Auch die Staatsmänner passen sich dem an, mal passt der Würfel, mal nicht. Dann muss man vielleicht den Umweg über Kaisermedaillen machen. Warum allerdings die hellen Würfel mit weißen Zahlen bedruckt sind wird wohl für immer das Geheimnis des Verlags bleiben. Auch die Abschlusszeremonie einer Runde, Podium, Abgabe eines Spektakels und Schenkung für den Schwächsten passt wunderbar.

Was mich einzig gestört hat ist, dass Geld am Ende außer als Tiebreaker keine Bedeutung mehr hat. Ich sehe ein, dass die Zuschauer der entscheidende Siegfaktor sein sollen, aber wenn jemand ohne Siegchancen zurückliegt, weil er sich kein großes Programm zugelegt hat, kann er mit seinem vielen Geld eventuell zum Königsmacher werden, indem er einen nicht benötigten Markt einfach einem Mitspieler wegkauft. Vier Spieler scheint mir die Idealbesetzung für Colosseum zu sein. Zu dritt ist bei den Auktionen und dem Handel zu wenig Aktion angesagt. Zudem erhält jeder zu Beginn acht Spektakelplättchen, was die Durchführung der ersten Programme sehr erleichtert. Anders sieht es da zu fünft aus, wo es zu Beginn nur fünf Spektakel gibt. Da ist es dann sehr viel wichtiger, aber auch schwieriger an die richtigen Spektakel zu kommen. Aber nichts desto trotz ist Colosseum auch dann ein tolles Spiel, dass viele richtige Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt verlangt. So was mag ich einfach. (mw)

Steckbrief
Colosseum

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Wolfgang Kramer
Markus Lübke
Days of Wonder 3 - 5 ab 10 Jahre 75 - 100 Minuten Julian Delval