Da ist es wieder: Das Spiel, bei dem man nicht so genau weiß, ist es ein Kinder- oder ein Familienspiel. Da steht auf der Schachtel "ab sechs Jahre" und die Aufmachung mit den Mäusen, die ihren Käse möchten, sieht süß, kindlich, auffordernd, einladend aus. Auf der Schachtel steht auch noch Zoch. Das ist der Verlag, und das ganze ist typisch für ihn. Solche Spiele kommen immer wieder dort her, z. B. Zapp Zerapp, Dicke Luft in der Gruft und zuletzt Doktor Schlüsselbart. Das ist auch gut so, denn die Spiele bieten viel in Punkto Spielspaß, Aufmachung und Ausstattung. Kann das neueste Werk da mithalten?

Burg Schon auf der Schachtel beginnt der Spaß. Eine Maus rollt den Käsino Royale und auf der Burg fließt Käse statt Öl. In der Schachtel finden wir dann die Burg. Nein, das stimmt so nicht, denn das Unterteil der Schachtel bildet die Burg. Das Tiefziehteil bewahrt nicht nur das Spielmaterial auf, er stellt auch das Verlies dar. Holen wir das Material heraus: Jeder Spieler bekommt vier Mäuse und zu sieben Käsesorten werden die vier Plättchen bereitgelegt. Mit dem weiteren Material bauen wir die Burg auf. Die 34 Schiebeplättchen bilden den Fußboden. In sechs Reihen, drei waagerecht und drei senkrecht, liegen die Plättchen. Eines wird später zum Schieben benutzt. Wer das ver-rückte Labyrinth kennt, kann hier den Aufbau wieder erkennen, doch sei gleich gesagt, dass damit auch die Ähnlichkeiten enden. Auf 21 dieser Plättchen finden wir Käse, denn für jede Sorte Käse gibt es drei Plättchen. 10 Plättchen sind ohne Besonderheit, aber die letzten drei … nun, sie enthalten ein Loch und werden damit zu Mausefallen … Auf den Schiebeplättchen kommt ein Gitter, wodurch sicherstellt wird, dass das Schieben einwandfrei funktioniert. Darauf kommen die Burgdächer. Sie decken zwei bis vier Spielfelder ab. Damit die Burg wie eine Burg aussieht,, werden noch Zinnen in die Burgtürme gesteckt. Zum Abschluss des Aufbaus stellt jeder Spieler noch eine seiner Mäuse in einen der Türme.

Danach geht es reihum. Wer an der Reihe ist, darf vier Aktionen durchführen. Meist zu Beginn decken die Spieler Dächer ab. Dies ist immer dann möglich, wenn eine eigene Maus neben diesem Dach steht. Eine weitere mögliche Aktion ist das Schieben der Plättchen. Dazu steckt man das überzählige Plättchen in einen der 12 Schlitze, schiebt dadurch die ganze Reihe weiter und auf der anderen Seite fällt ein Plättchen aus der Burg. Das darf man einmal pro Zug machen. In der Burg gibt es drei Mausefallen. Werden sie unter eine Maus geschoben, fällt die Maus durch die Falle in das Verlies. Dort verbleibt sie bis zum Spielende. Natürlich ist auch die Bewegung einer Maus eine der möglichen Aktionen. Eine Maus zieht dabei immer auf ein benachbartes, freies Feld, auf dem kein Dach mehr liegen darf. Nun möchte die Maus zum Käse. Meistens geht die Maus zum Käse, doch manchmal wird auch der Käse zur Maus geschoben. Wenn zwei Mäuse eines Spielers auf demselben Käse sitzen freut sich die Katze … äh, der Spieler. Er bekommt dann einen Käsechip. Hat ein Spieler vier verschiedene davon, endet das Spiel und er hat sofort gewonnnen. Das Spiel endet auch, wenn die dritte Maus eines Spielers in das Verlies fällt. Dann gewinnt von den anderen Mitspielern der mit dem meisten Käse.

Maus So viel Käse in dem Spiel ist, so wenig Käse ist das Spiel. Ganz im Gegenteil bringt es eine bunte Mischung aus Spaß, Spannung und Anforderungen. Die Freude, wenn der "richtige" Käse unter einem aufgedeckten Dach erscheint, wechselt sich ab mit der Schadenfreude über die versenkte Maus des Mitspielers. Ein gutes Gedächtnis über die Käseplätze und -sorten ist ebenso hilfreich wie eine gute Planung der vier Aktionen. Die niedliche Aufmachung täuscht ein kindliches Spiel vor. Das stimmt für den Spaß, doch ist es wesentlich taktischer als die meisten Kinderspiele. Es ist eben mehr ein Familienspiel, das bei uns auch und gerade bei den Strategiespielern gut ankam. Da ist er also wieder, der Zwitter von Zoch: Nicht Kinder- nicht Familien-, nicht Strategiespiel und wie so viele seiner guten Vorgänger bringt auch er wieder richtig viel Spielspaß (wd).

Steckbrief
Burg Appenzell

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Bernhard Weber
Jens-Peter Schliemann
Zoch 2 - 4 ab 6 Jahre ca. 30 Minuten Victor Boden