Manche Veröffentlichungen geschehen zeitgleich und nicht immer ist es Zufall. So ist es mit dieser Rezension, denn sie wurde genau an dem Tag online gestellt, an dem der siebte Band von Harry Potter veröffentlicht wurde. Das ist natürlich so von mir als Schreiber gewollt, denn das Spiel Alchemist spielt in einem Genre, dass dem der Harry Potter Bücher sehr ähnlich ist.

Die Spieler vertreten jeweils eine Zauberschule. Ja, eine ganze Schule und nicht nur Gryffindor oder eine andere Sektion. Auch ist das Spiel für bis zu fünf Spieler, also gibt es auch fünf Schulen. Jede dieser Schulen bevorzugt eine bestimmte Zutat für Zaubertränke und die bekommt der Spieler zu Beginn mittels eines Plättchens geheim zugelost. Dazu bekommen wir noch aus einem Beutel 12 Zutaten für die Bereitung der Tränke. Weitere Zutaten befinden sich im allgemeinen Vorrat.

Kessel Nun steigen wir hinab in Snapes Keller und fangen an, unsere Zaubertränke zu brauen. Doch so einfach ist es nicht. 10 Zauberkessel stehen bereit, doch die Zauberbücher sind leer, die Rezepte nicht vorhanden, die Wertigkeiten der Tränke nicht bekannt. Ergo, wir wissen überhaupt nichts über Zaubertränke. Einzig eine kleine Inschrift auf den Zauberkesseln hilft uns weiter: Jeder Kessel produziert beim Brauen eines wertvollen Tranks zwei Zutaten als Abfall und für jede Kombination aus zwei Zutaten gibt es einen Kessel. Außerdem ist es streng verboten, beim Brauen in einem Zauberkessel das hineinzutun, was der als Abfall produziert.

Damit wir nun Zaubertränke brauen können, benötigen wir Rezepturen, einen Kessel und ein bis fünf Zutaten. Wir nehmen die Zutaten - pro Trank darf man keine Zutat mehr als zwei Mal verwenden - aus unserem privaten Vorrat hinter unserem Sichtschirm und legen sie zu einem Kessel. Wir markieren den Kessel als den unseren und beginnen mit dem Brauen. Das ist ganz einfach, denn wir bewerten uns selbst, d. h. wir ordnen unserem Trank einen Wert von 1 bis 10 Punkten zu. Sogleich brauen wir den Trank, erhalten die beiden Abfallprodukte aus dem Vorrat und die von uns selbst bestimmten Punkte auf der Zählleiste. Fertig.
Ein weiterer Spieler kann nun ebenfalls eine Rezeptur entwerfen. Er darf aber auch einen Trank kopieren. Das geht wie folgt. Er nimmt die benötigten Zutaten von den seinen hinter dem Sichtschirm. Eine dieser Zutaten gibt er dem Erfinder des Tranks, sozusagen als Entlohnung. Die anderen Zutaten kommen aus dem Spiel. Dann nimmt er sich die Abfallprodukte und die Punkte. Ach so, eigene Tränke darf man nicht kopieren. Edel sei der Schöpfer und nicht habgierig ob der vergebenen Punkte!

Was ist mit den Tränken? Die existieren nur fiktiv, haben keine Namen und keine Wirkung. Es geht schließlich nicht darum, jemanden zu vergiften, zu verlieben, auf Drachenstärke zu bringen oder sonst einen magischen Effekt zu erzielen, sondern darum die hohe Kunst des Zaubertränkebrauens zu demonstrieren.
Wer an die Reihe kommt, mag vielleicht weder eine Rezeptur entwerfen, noch Brauen. Vielleicht, weil es wenig lukrativ erscheint, vielleicht aber auch, weil die Zutaten fehlen. Ersteres liegt an der persönlichen Einschätzung des Spielers, letzteres lässt sich ändern. Anstelle zu brauen kann man sich entweder eine Zutat aus dem offenen Vorrat nehmen oder zwei Zutaten verdeckt aus dem Beutel ziehen und zu seinem Vorrat legen.
Das Spiel endet, sobald im offenen Vorrat drei Zutaten ausgegangen sind. Die Runde wird zu Ende gespielt und dann geschaut, wer sparsam gewirtschaftet hat und wer die Zutat seiner Schule am besten angepriesen hat. Für zwei unverbrauchte Zutaten gibt es einen Punkt. Für die Auswertung des Schulwettbewerbs legt jeder seine unverbrauchten Zutaten zurück in den offenen Vorrat. Die restlichen Zutaten im Beutel bleiben, wo sie sind. Die Schule, deren Lieblingszutat nun am wenigsten im Vorrat ist, bekommt die meisten Punkte, danach fällt die Punkteanzahl bis schließlich eine Schule überhaupt keine Punkt bekommt. Wer nun am meisten Punkte hat, ist der große Tränkebaumeister und darf Snape die Zunge heraus stecken. Hauptsache, er sieht es nicht.

Wie aber braut es sich denn nun? Um es vorweg zu sagen, das Spiel spaltet die Spielergemeinschaft, weil man es entweder mag oder total ablehnt. Ich mag es und deshalb gebe ich mal kurz wieder, was mir so die Spieler erzählt haben, die es nicht mögen. Zunächst einmal finden sie keinen Zugang zum Spiel. Der leere Plan und die leeren Kessel machen sie hilflos. Dann wiederum meinen sie, man hätte wenig Einfluss darauf, ob die eigene Zutat gut verbraucht wird oder nicht. Zuletzt macht auch das Kopieren Probleme, weil man dabei natürlich die Abfallprodukte berücksichtigen muss. Diese sollten ja möglichst wieder für andere, wertvolle Tränke Verwendung finden.
Ich als jemand, der das Spiel gern spielt, sieht das freilich anders. Ich versuche einfach meinen Mitspielern möglichst meine Zutat zu geben. Das erreiche ich, indem ich Tränke für die Kessel entwerfe, die meine Zutat als Abfallprodukt haben. Meistens führt das dazu, dass die Mitspieler dann auch Tränke konstruieren, die meine Zutat verwenden. Beim Kopieren muss man gut vorausplanen, damit man immer die richtigen Zutaten besitzt. Da eigene Tränke nicht kopiert werden dürfen, suche ich mir Ketten von gegnerischen Tränken, d. h. zwei oder mehr Tränke, bei denen die Abfallprodukte des einen die Zutaten des anderen sind. Zuletzt ist es wichtig, auch die Punkte im Auge zu behalten, denn nicht nur Zutaten sind begrenzt, sondern auch die Spielzüge. Lieber nehme ich einmal eine Zutat aus dem Vorrat und mache danach 9 oder 10 Punkte, als in beiden Runden jeweils vier. Aus meiner Sicht sind hier genügend Einflussmöglichkeiten vorhanden. Diese zu erkennen dauert allerdings einige Spiele. Danach finden wir hier ein Spiel, das eine gewisse Verwandtschaft zu Sid Sacksons Bazaar hat. Dieses Bazaar ist auch das einzige mir bekannte Kriterium, wonach ich abschätzen kann, wer Alchemist mag: Wer gern Bazaar spielt, mag meist auch Alchemist.

Zurück zu Harry Potter: Die Grafik ist düster gehalten, ist für mich atmosphärisch und erinnert mich an den Zaubertränke-Klassenraum von Snape. Ich muss dann wohl ein Slytherin sein, denn ich betrete ihn gern. (wd)

Steckbrief
Alchemist

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Carlo A. Rossi Amigo 2 - 5 ab 10 Jahre 50 Minuten Volker Baga