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Die Fürstenfamilie Thurn und Taxis ist aus der Regenbogenpresse bekannt. Im Allgemeinen interessiere ich mich nicht für adlige Familien und selbst bei dieser Familie kannte ich die Hintergründe über ihre Erfolge nicht. Diese habe ich nun in dem Spiel erfahren, denn ihm liegt ein Abriss über die Geschichte der Familie Thurn und Taxis bei. Er wurde von Peter Styra vom Thurn und Taxis Museum in Regensburg verfasst. So erfahre ich, wie das moderne Postwesen durch die Familie Thurn und Taxis entstanden ist.

REgensburg - Heimat der Familie Thurn und Taxis Im Spiel geht es nun genau um den Aufbau des Postkutschenwesens. Jeder Spieler besitzt zunächst nur ein Stammhaus sowie 20 Streckenposten, die noch errichtet werden sollen. Der Spielplan zeigt verschiedene Länder aus der damaligen Zeit. Im Mittelpunkt steht dabei Bayern, das mit acht Städten vertreten ist. Die weiteren Länder sind mit einem oder zwei Städten vertreten, außer Baden, das drei Städte ausweist. Für die Wertung wurden die Länder dabei so gruppiert, dass bis auf Bayern immer drei oder vier Städte zusammen Bonuspunkte ergeben.
Um nun die Streckenposten in die Städte zu bringen, müssen die Spieler Strecken über die verschiedenen Städte bilden. Dafür gibt es zu jeder Stadt drei Karten. Sechs Karten werden in einer Auslage bereit gelegt, die anderen bilden den verdeckten Stapel. Kommt ein Spieler an die Reihe, so muss er eine Karte nehmen, entweder aus der Auslage oder blind vom verdeckten Stapel. Anschließend baut er für sich eine Strecke. Hat er noch keine Strecke begonnen, darf der Spieler eine beliebige Karte auslegen. In dieser Stadt beginnt seine neue Strecke. Hat der Spieler hingegen schon eine Strecke begonnen, so setzt er sie fort, indem er an eine der beiden Endstädte eine weitere Stadt anlegt. Die neue angelegte Stadt muss auf dem Spielplan einen Weg zu der bisherigen Endstation aufweisen und darf auch noch nicht Bestandteil der aktuellen Strecke sein.
Beim Bau der Strecke helfen drei von vier Amtspersonen. In jedem Spielzug darf ein Spieler die Hilfe einer Amtsperson annehmen. Mit dem Amtmann kann ein Spieler die Auslage der Karten komplett austauschen lassen.. Dadurch werden die sechs Karten, die dort liegen, auf den Ablagestapel gelegt und die Auslage mit sches neune Karten vom verdeckten Stapel gefüllt. Mit dem Postmeister darf man zwei Karten aufnehmen, wobei man dies einzeln tut und so sieht, welche Karte nachgelegt wird. Da man nur eine Karte an seine Strecke legt, bekommt man so Karten auf die Hand und kann damit seine nächsten Schritte vorausplanen. Mit dem Postillion hingegen darf man zwei Karten auslegen. Hier beschleunigt man den Bau seiner Strecke und kommt somit schneller zur Wertung.

KutscheSobald ein Spieler eine Strecke von mindestens drei Karten vor sich liegen hat, darf er sie werten. Dies hat verschiedene Folgeaktivitäten und Belohnungen zur Folge. Zunächst errichtet der Spieler Streckenposten in die Städte seiner Strecke. Dabei hat er zwei Möglichkeiten: entweder setzt er in jede Stadt eines Landes einen Streckenposten oder aber er wählt aus allen Ländern jeweils eine Stadt aus. In Städten, in denen der Spieler bereits einen eigenen Streckenposten errichtet hat, wird aber kein zweiter platziert. Danach wird geschaut, ob der Spieler berechtigt ist Bonusplattchen zu bekommen. Bei Ländern oder Ländergruppen ist das der Fall, wenn er in allen Städten Streckenposten errichtet hat. Dazu gibt es den außerbayerischen Bonus, den man erhält, wenn man in jedem Land (außer Bayern) mindestens einen Streckenposten errichtet hat; die genaue Stadt ist dabei egal. Für besonders lange Strecken gibt es einen Streckenbonus. Ihn bekommt man, wenn die zu wertende Strecke aus mindestens fünf Karten besteht.
Bei der Wertung der Strecke erhält der Spieler eventuell auch eine Kutsche, die auch Siegpunkte aufweist. Die erste Kutsche erhält man für eine Strecke, die aus mindestens drei Karten besteht. Jede weitere Kutsche erfordert eine Karte mehr. Hier kann man nun die Hilfe der vierten Amtsperson in Anspruch nehmen: die des Wagners. Ist die Strecke um ein oder zwei Karten zu kurz für eine neue Kutsche, so verhilft einem der Wagner dennoch zu der neuen Kutsche.
Erhält ein Spieler die Kutsche für sieben Karten in einer Strecke, beginnt das Spielende. Es beginnt auch, wenn ein Spieler seine zwanzig Streckenposten auf dem Plan platziert hat. Der Spieler, der das Spielende eingeleiten hat, bekommt dafür den Endebonus, der gleichzeitig als Tie-Breaker fungiert. Nun wird die Runde noch zu Ende gespielt; also jeder Spieler bekommt gleich viele Spielzüge. Danach wird gewertet: Jeder Spieler addiert die Punkte seiner höchstens Kutsche und der Bonusplättchen. Davon zieht er pro nicht verbauten Streckenposten einen Punkt ab. Wer dann die meisten Punkte erspielt hat, ist Sieger.

Strecke aus sechs Karten Oft wird bei einem Spiel die Frage gestellt, ob es abstrakt ist oder eine Geschichte erzählt. Dieses Spiel bietet die Balance zwischen beiden Welten: Die Geschichte ist vorgegeben durch die Historie. Sie findet sich auch im Spiel wieder. Die Städte erhält man jedoch auf eine Art und Weise, die nichts mit der Historie zu tun hat und nach dem Platzieren der Streckenposten sind die Strecken nicht mehr erkennbar. Hier dominiert der Spielmechanismus, der hervorragend justiert ist.
Ein Gleichgewicht bzgl. der gleichen Anzahl von Zügen kennen wir unter anderem von Kardinal & König. Andersartig hingegen geht Thurn und Taxis mit dem Startspielervorteil um. Er hat immer einen Halbzug Vorsprung und erhält somit die besseren Bonusplättchen. Als Nachteil muss ein Spieler, der weiter vorne in der Spielreihenfolge sitzt, gegen Ende des Spiels sehr genau entscheiden, wann er eine Strecke wertet. Leitet ein Spieler nach ihm das Spielende ein und eine lange Strecke wurde nicht gewertet, ist der Nachteil kaum zu kompensieren. Wertet er hingegen zu früh die Strecke, spielt er eventuell eine Runde, in der er nur noch eine neue Strecke anfängt, sie aber nicht mehr werten kann. Dazu kommt die Ausgewogenheit der Wertigkeiten der Bonusplättchen, die eine Vielfältigkeit in den Taktiken ermöglicht. Man kann sowohl mit dem bayerischen als auch dem außerbayerischen Bonus gewinnen. Auch über die Länderbonusplättchen lassen sich genügend Punkte sammeln. Lange Strecke geben Extrapunkte, so dass sie auch zu Beginn attraktiv sind. Dann verzichtet man auf einen schnellen Fortschritt bei den Kutschen. Umgekehrt führen viele Kurzstrecken zu einer raschen Verbesserung der Kutschen. Der Wagner kann genutzt werden; eine Spielstrategie, die schnell das Erreichen der größten Kutsche zum Ziel hat, hat es schwer, weil dabei nicht genügend Häuser auf den Plan kommen. Das alles führt dazu, dass Thurn und Taxis viele spannende Spiele liefert.
Der sehr gute Eindruck des Spiels wird vom Thema unterstützt. Der anfangs erwähnte Abriss der Geschichte liefert die Hintergründe. Die Aufmachung inklusive der Verwendung des fürstlichen Wappens rundet das Bild eines durchdachten Produkts ab. Der Name Gloria bedeutet Ruhm bzw. Ehre; so heißt ein anderes Spiel dieses Jahrgangs, doch es passt zu Thurn und Taxis. (wd)

Steckbrief
Thrun und Taxis

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Karen und Andreas Seyfarth Hans im Glück 2 - 4 ab 10 Jahre 60 Minuten Michael Menzel