TTitel

Manche Spiele ziehen schon vor der Veröffentlichung große Aufmerksamkeit auf sich und wecken entsprechende Neugier. Kleopatra und die Baumeister ist ein solches Spiel, wobei die Ursache sicherlich zu einem Großteil in der opulenten Ausstattung liegt. Wenn ein Spiel wie hier vorab schon große Beachtung findet, so geht dies oft einher mit einer großen Erwartungshaltung. Häufig erfüllt ein Spiel sie dann nicht. Das muss nicht an dem Spiel liegen, sondern oft ist auch die hochgelegte Messlatte des Betrachters daran schuld. Schauen wir einmal, wie das bei Kleopatra und die Baumeister ist:

Steinbruch Als ich die Schachtel von Kleopatra und die Baumeister öffnete, stach mir sofort das viele Material in die Augen. Der Steinbruch war mit einer Plastikhülle abgedeckt, die auf einer eigens dafür beigefügten Pappe festgeklebt war. Nachdem die Pappteile aus den Stanzformen herausgedrückt waren, war auch der beigefügte Aufbewahrungskasten bis zum Rand gefüllt, wobei dort auch die Figuren, Karten und Pyramiden ihren Platz haben. Bei so viel Material erwartete ich bei der 12-seitigen Regel einen komplexen Spielablauf mit vielen Regeln. Doch dem war bei weitem nicht so, denn die eigentliche Regel waren drei der zwölf Seiten, der Rest umfasst die Materialauflistung und diverse Beispiele, vor allem zum Bau der verschiedenen Palastteile.


Damit komme ich zum Spiel. Jeder Spieler wird zu einem Baumeister im alten Ägypten. Kleopatra möchte sich einen neuen Palast mit Gartenanlage und Sphinx-Platz zulegen. Wir, die Spieler, sind dazu aufgerufen, möglichst viel zu dieser Anlage beizutragen. Dabei hat Kleopatra sehr genaue Vorstellungen: Vorne auf dem Platz der Sphinxe werden zwei Obelisken errichten. Dahinter werden drei Sphinx-Paare aufgestellt. Dabei wird hier auf dem Platz der Sphinx viel Marmor verwendet. Für den Übergang vom Sphinx-Platz in den Palast sind zwei kolossale Türrahmen vorgesehen. Der Palast selbst wird von neun Säulenelementen umrahmt. Auf dem Palast wird der Garten angelegt, der ein Mosaik beinhaltet und auf dem Kleopatras Thron errichtet wird. Wie man sieht, liegt eine große Aufgabe vor den Baumeistern.

Platz der Sphinxe Diese starten mit fünf Talenten, das Geld im alten Ägypten, was hier fast ausschließlich als Siegpunkte dient. Trotz der großartigen Planungen seitens Kleopatra befindet sich zu Beginn noch kein Baumaterial bei den Baumeistern. Lediglich drei Händler auf dem Nil wurden jedem Baumeister zugeordnet und warten darauf, welche Ressource sie nun besorgen sollen. Für die Baumeister gibt es nun in jedem Spielzug zwei Möglichkeiten: Entweder besorgen sie sich Handwerker und Baumaterial oder aber sie lassen Teile der Palastanlage errichten.

Ressourcen, sie umfassen Handwerker und Baumaterial, gibt es auf dem Markt. Dort liegen immer drei Reihen mit Ressourcen aus, die zu Beginn je eine Karte umfassen. Da die Hälfte der Karten offen, die andere Hälfte verdeckt in einen Stapel gemischt wurde, ist manchmal die Ressource erkennbar und manchmal geheim. Der Spieler entscheidet sich für eine Reihe und erhält sämtliche Karten dieser Reihe auf die Hand. Anschließend wird in jede Reihe eine Karte gelegt.

Beim Bau werden unterschiedlichen Ressourcen benötigt. Je nach Größe des zu bauenden Objekts werden zwischen drei und sieben Ressourcen benötigt. Für die Errichtung erhält der Baumeister dann Talente. Den Obelisken und dem Thron sind dabei feste Werte zugeordnet. Sphinxe werden gerne paarweise errichten, weil die erste Sphinx eines Paares wenig, die zweite aber viele Talente bringt. Das Mosaik wird danach belohnt, wie es im Garten angelegt wird. Säulen bringen dann wiederum umso mehr Talente, je mehr sie Kontakt zum Mosaik haben. Schließlich ist ein Türrahmen wertvoller, wenn in der entsprechenden Hälfte bereits Säulen errichtet wurden. Besonders erkennt Kleopatra es an, wenn ein Baumeister mehr als ein Teil in einem Spielzug errichtet.


Bis hierhin ist Kleopatra und die Baumeister ein Spiel, das aus Sammeln von Ressourcen und deren Verwendung zum Bau der Palastanlage besteht. Verändert wird dies durch die Sobek-Anbeter, die das Krokodil verehren. Zum einen bieten sie besonders effizient Ressourcen an, zum anderen besonders hilfreiche Dienstleistungen. Sowohl die Ressourcen als auch die Dienstleistungen erhält man über Karten, die man auf dem Markt bekommt. Sobald man aber eine solche Ressource verbaut oder aber eine Dienstleistung in Anspruch nimmt, muss der Baumeister sich dem Krokodil zuwenden; wobei das Krokodil für Korruption steht. So muss der Baumeister dann auch immer Krokodilchips in eine Pyramide packen, die dafür einen Schlitz wie bei einer Spardose aufweist. Über diese Krokodilchips wird auch die Zahl der Handkarten geregelt. Wer mehr als zehn Karten besitzt, muss entweder pro Karte einen Krokodilchip nehmen oder aber überzählige Karten ablegen und nur einen Krokodilchip akzeptieren. Wir ahnen es bereits … die Krokodilchips sind nicht gerade positiv.

Mosaik Deswegen gibt es zwei Möglichkeiten, diese Chips wieder loszuwerden. Zum einen wird immer, wenn ein Spieler mindestens einen Teil gebaut hat, gewürfelt. Die zunächst fünf Würfel weisen auf einer Seite das Ankh-Zeichen auf. Die Würfel, die beim Wurf das Ankh-Zeichen zeigen, werden auf den Altar des Hohepriesters gelegt. Sobald dort alle fünf Würfel liegen, wird dem Hohepriester ein Opfer gebracht. Dazu nimmt jeder Spieler die Talente in die Hand, die er opfert. Wer am meisten opfert, darf Krokodilchips ablegen; die restlichen Baumeister erhalten welche und zwar umso mehr, je kleiner das Opfer ausfiel. Zum anderen kann man beim Bau des Mosaiks Heiligtümer errichten. Die Mosaikteile bestehen aus diversen Formen, die immer fünf Felder abdecken. Wenn man Gebiete abtrennt, in die kein weiteres Mosaikteil passt, darf man dort ein Anubisstatue errichten, wodurch das abgetrennte Gebiet zu einem Heiligtum wird. Am Ende des Spiels darf man dann pro Feld in einem solchen Heiligtum ein Krokodilchip ablegen.

Das Spielende wird durch Kleopatra eingeleitet. Sie schreitet durch die Obelisken hindurch, an den Sphinxen vorbei auf den Palast zu. Sie benötigt dazu fünf Schritte. Immer wenn eine Art Bauteil - es gibt sechs - aufgebraucht wurde, geht sie einen Schritt weiter. Der Palast wird somit meist nicht vollständig errichtet. Nun erhalten die Spieler noch Krokodilchips für korrupte Karten auf der Hand und dürfen ihre Krokodilchips für die Heiligtümer ablegen. Der oder die Baumeister, die nun am meisten Krokodilchips aufweisen, werden nun ihrem so geliebten Krokodil zum Fraß vorgeworfen, d. h., sie scheiden aus dem Spiel aus. Die restlichen Spieler zählen ihre Talente. Der reichste Baumeister ist der Sieger.


Palastanlage Kleopatra und die Baumeister verbindet bekannte Mechanismen mit zwei neuen Ideen. Das Grundprinzip, Ressourcen zu sammeln um diese je nach Kombination zum Bau zu verwenden, ist hinlänglich bekannt. Der Pfiff hier entsteht durch die Sobek-Anbeter: Sie verschaffen einem Baumeister deutliche Vorteile. Ohne ihre Verwendung wird es kaum möglich sein, einen Spielsieg zu erlangen. Mit jeder Anwendung wächst jeweils auch das Risiko, das Ende des Spiels als Futter des Krokodils zu erleben. Weil dabei nur ungefähr die Hälfte der Ressourcen, die man aufnimmt, bekannt ist, wird dieses Risiko erhöht. Ein Baumeister, der bereits häufig auf korruptem Wege gebaut hat, kann sich eben nur zum Teil der Sobek-Anbeter entziehen. Weil auch mehrere Spieler durch die Krokodilchips ausscheiden können, ist das Spiel selbst für diejenigen Spieler spannend, die beim Bau nicht so viele Talente bekommen haben.

Der durch die Sobek-Anbeter aufgebaute Spannungsbogen wird durch die Geschichte und das Material hervorragend unterstützt. Die vielen Baumöglichkeiten, der Wettstreit unter den Baumeistern, Obelisken und Sphinxe und schließlich Kleopatra als allmächtige Regentin geben ein Spielgefühl wieder, das vom Flair des alten Ägypten getragen wird und nicht von Spielmechanismus. Wenn Kleopatra durch die beiden Obelisken hindurch schreitet oder aber ein Sphinx-Pärchen passiert ist dies nicht das Kennzeichen für verbrauchtes Material oder ein Schritt in Richtung Spielende, sondern es ist ein Schritt zur Fertigstellung des Palastes. Mit der Dreidimensionalität des Palastes, dessen Teile fein ausmodelliert sind, entsteht auch nicht nur irgendein Bauwerk; sondern ein beeindruckendes Gebilde. Zusammen mit dem Steinbruch, der bei Spielbeginn die zu bauenden Teile beherbergt, fasziniert der Palast durch die Menge an Spielmaterial und durch seine Gestaltung.

Wird oft an Spielen kritisiert, dass sie von Mechanismus getrieben sind, so findet man hier das Gegenbeispiel. Für rund eine Stunde tauchen die Spieler in das Altertum ein und erleben die spannende Entstehung eines Monumentalgebäudes. (wd)

Steckbrief
Kleopatra und die Baumeister

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Bruno Cathala
Ludovic Maublane
Days of Wonder 3 - 5 ab 10 Jahre ca. 60 Minuten Julien Delval