Auslage"Kabale und Hiebe" wurde als ein Spiel in der Tradition von "Ohne Furcht und Adel" angekündigt. Das erweckte in mir Neugierde und Spannung, denn "Ohne Furcht und Adel" spiele ich sehr gern. Ich mag dieses chaotische, scheinbar unplanbare an dem Spiel. Die Entscheidungen treffe ich aufgrund eigener Annahmen. So habe ich Einfluss auf das Spiel und bin gleichzeitig dem Kartenglück und den Aktionen der Mitspieler ausgeliefert.

Die Grundidee von Kabale und Hiebe ist ganz einfach. Es gibt 36 Zielkarten, je sechs in sechs Kategorien und mit Werten von 1 bis 5 versehen. In jede der sechs Runden werden so viele Zielkarten aufgedeckt wie es Mitspieler gibt, ein eventueller Rest an Zielkarten spielt nicht mit. Es geht nun darum, diese Zielkarten zu bekommen, meist nach Masse, oft nach Klasse und gegen Ende auch nach der Kategorie. So eine Zielkarte bekommt der Spieler, der am meisten Punkte unter die Zielkarte gelegt hat. Wie kommen aber die Punkte dorthin?

Nun, jeder Spieler besitzt den gleichen Satz von 25 Karten, auf denen 25 Charaktere abgebildet sind. Jeder Charakter hat einen Punktwert und viele auch noch eine Sondereigenschaft. Jeder hat seine Karten als verdeckten Stapel vor sich liegen und nimmt drei Karten auf die Hand. Kommt er an die Reihe, legt er eine dieser drei Karten unter eine Zielkarte verdeckt ab. Wenn dort bereits eine Karte lag, wird sie nun aufgedeckt. Einige Charaktere haben Eigenschaften, die genau beim Aufdecken wirken, so führt der Meuchler dazu, dass die soeben gelegte, noch verdeckt liegende Karte direkt auf den Ablagestapel wandert.
Dieses Anlegen geht so lange bis unter jeder Zielkarte mindestens so viele Karten liegen wie ihr Wert beträgt. Dann endet eine Runde und es kommt zur Auswertung. Dazu werden zuerst die verdeckt liegenden Charaktere aufgedeckt. Danach werden die Werte der Charaktere pro Spieler aufaddiert und wer am meisten hat, bekommt die Zielkarte. Halt! So einfach ist es dann doch nicht, denn viele Eigenschaften der Charaktere verändern die Auswertung. Da werden munter Karten entfernt sowie Werte erhöht oder gesenkt. Manche Kombinationen eigener Charaktere erhöhen die Gewinnchancen ungemein, aber … genau, eine sichere Kombination gibt es nicht, denn wer entfernt, kann entfernt oder neutralisiert werden. Und wer die Zahlenwerte ändert, trifft auf andere Charaktere, die es auch können oder wurde auch schon mal vorab entfernt. Sicher ist nur, dass nichts sicher ist.

Nun werden also sechs Mal Zielkarten verteilt, dann ist Schluss und zwar mit einer sehr effektiven wenngleich ungewöhnlichen Abrechnung: Wer einen kompletten Satz Zielkarten besitzt, d.h. mindestens eine in jeder Kategorie, wählt in jeder Kategorie die höchste aus, addiert deren Werte und verdoppelt das Ergebnis. Besitzt der Spieler weitere Karten, ist jede davon einen Minuspunkt wert. Besitzt ein Spieler keinen kompletten Satz addiert er einfach die Werte aller Zielkarten. Wer dann die meisten Punkte hat, ist Sieger.

Der Ablauf des Spiels ist einfach und schnell erklärt, im Gegensatz zu den Charakteren: Diese sind vielseitig und weil jeder mit dem gleichen Satz spielt, auch gerecht verteilt. Dabei ist jeder Charakter von Nutzen - es ist nur eine Frage, ob man ihn im richtigen Moment bekommt. Aufgrund der vielen Charaktere ist das erste Spiel auch rein zum kennen lernen. Danach weiß man, welche fiesen Möglichkeiten es im Spiel gibt und kann sich ein wenig darauf einstellen.
Im Spiel selbst steht der Spieler ewig zwischen Hoffen und Bangen. Da im Laufe einer Runde immer mehr Charaktere offen liegen, sieht jeder, was auf ihn zukommt. Die drei Karten auf der Hand sind nicht immer die gewünschten, doch selten auch die total verkehrten. So bleibt ein Stück Zufall bezüglich der Kartenhand, was jedoch bei den Unwägbarkeiten durch die Mitspieler kaum eine Rolle spielt. Spieler, die Strategiespiele bevorzugen, bezeichnen deshalb Kabale und Hiebe auch als unplanbar.
Das Spiel muss sich einige Kritik gefallen lassen: Spielt man streng nach den Regeln, kann es zu einer endlosen Auswertung kommen; real ist dies bei uns aber nicht passiert. Auch die Zeitangabe von 30 Minuten ist wohl nur bis drei Spieler einhaltbar, zu sechst benötigten wir immer eine gute Stunde. Ebenso ist die Einstiegshürde nicht gerade niedrig.
Trotz all dieser Kritik fällt auf, dass Kabale und Hiebe immer wieder auf den Tisch kommt. Das liegt sicher am flotten Spielablauf, den schön gestalteten Karten und dem häufig auftretenden Ätsch-Effekt. Wer dafür in der Stimmung ist, der mag gern mitspielen.
Was mich angeht, so empfinde ich das Spiel als das chaotische, scheinbar unplanbare Spiel, das ich eingangs erwähnt habe und kann nachvollziehen, warum es verlagsseitig mit "In Tradition von Ohne Furcht und Adel" propagiert wurde. Ich mag das Spiel, verzeih ihm so die Schwachpunkte und erfreue mich an den Überraschungen während des Spiels. (wd)

Steckbrief
Kabale und Hiebe

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Lutz Stepponat Hans im Glück 2 - 6 ab 8 Jahre 30 Minuten Christof Tisch