2006, das Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft, ja sogar der Weltmeisterschaft in Deutschland. Plötzlich sind alle Bundestrainer und die Kinder beim Spielen Ronaldihno, Beckham und Ballack. Und auch die Gartenbohne, die Kaffeebohne, die Saubohne, die Brechbohne und die Feuerbohne wagen sich auf den Fußballplatz. Ja, genau die aus der Bohnensammelsurium von Amigo. Und herausgekommen ist Bohnkick, dessen Untertitel 'Das Wunder von Bohn' ganz klar den Bezug zur WM herstellt. Aber Bohnkick ist ein irgendwie anders, komisch, ein bisschen daneben. Doch im Verlauf mehr.

Ballabnehme Fangen wir doch gleich mit den Spielerkarten an. Die Bohnen sind die einzige Gemeinsamkeit zu den anderen Spielen der Reihe. Keines der Spielprinzipien wurde übernommen. Selbst die Illustrationen erinnern kaum an die anderen Spiele, die einzelnen Bohnensorten sind teilweise sogar schwer zuzuordnen. Daher geht man ganz schnell dazu über, nur von einer blauen Karte zu reden anstatt von der Brechbohne. Das alles zeigt, dass das Thema des Spiels den Bohnen nur übergestülpt wurde. Und das haben die nicht verdient. Na , wenn es denn wenigstens ein gutes Spiel ist.

Jeder der beiden Kontrahenten spielt mit einem identischen Satz Angriffskarten. Da gibt es das nationale und das internationale Team. Waaas? Warum denn so ein künstliches Konstrukt? Warum kickt nicht ganz neutral Team Gelb gegen Team Grün oder konkret Brasilien gegen die Niederlande. Selbst das Spiel einer Südamerika Auswahl gegen eine solche aus Europa hätte mehr Bezug zur WM. Sechs der Angriffskarten hat man logischerweise für einen Angriff auf der Hand, dazu noch drei Verteidigungskarten von einem gemeinsamen Stapel.

Der Ablauf eines Angriffs ähnelt sehr dem Prinzip wie es aus Schuss und Tor von Rudi Hoffmann bekannt ist. Eine Bohne X dribbelt oder passt/flankt zu Bohne Y oder Bohne Z schießt aufs Tor. Die entsprechende Karte gibt vor, ob das mit einem normalen Schuss, einem Fernschuss oder eben per Kopfball (nach einer Flanke) passiert. Zum Torschuss muss vom Angreifer eine der Ecken des Tors benannt werden. Hat der Verteidiger einen Torwart mit einem Ballsymbol in der betreffenden Ecke, der zudem noch die aktuelle Schussart abwehren kann, wurde der Ball gehalten, anderenfalls fällt ein Tor. In beiden Fällen sowie nach einem Fehlpass wechselt das Angriffsrecht. Immer nachdem der Angreifer eine Karte gelegt hat, zieht er eine nach. Gleichzeitig darf der Verteidiger bis zu drei seiner Karten austauschen. Einerseits kann man auf diese Art versuchen, bessere Torleute, die also mehr Torecken abdecken und/oder mehrere Arten abwehren, zu bekommen. Andererseits macht man das, um sich Ballabnahmekarten zu sichern, die einen gegnerischen Angriff unterbinden können, wenn die beiden Farben (Bohnen) übereinstimmen. Ich sage bewusst könne, denn als dritte Kartenart befinden sich Schiedsrichter unter den Verteidigungskarten. Denn eine solche nach einer Ballabnahme bedeutet fast immer einen Freistoß, sprich einen Fernschuss aufs Tor.

SpielerWaren die Regeln bisher klar und einfach, so werden sie nun komplex. So komplex, dass man in den ersten Partien immer mal wieder in der Regel nachschlagen muss. Welche Auswirkung hat der Schiedsrichter? Hat er überhaupt eine Auswirkung (z.B. nicht nach einen verfehlten Torschuss)? Was passiert, wenn plötzlich zwei Schiedsrichter gleichzeitig aufgedeckt werden? Wie wird ein Freistoß ausgeführt? Wie wird ein Elfmeter ausgeführt? Das spricht leider nicht für ein so einfach angelegtes Kartenspiel.

Generell wird man versuchen, seinen Angriff möglichst schnell, nach zwei Karten, abzuschließen. Aber es hat auch Situationen mit langen Ballstafetten gegeben. Was will man machen ohne den passenden Torschützen auf der Hand? Dribbelnde Spieler können jeden Trainer auf die Palme bringen und so ist es auch hier. Sie sind zu nichts nutze und müssen halt möglichst geschickt in den Angriff eingebaut werden, am besten gleich zu Anfang. Das spannendste am sonst immer gleich bleibenden Spielablauf war das Duell des Schützen gegen den Torwart. Welche Ecke nehme ich dieses Mal? Rechts unten hat bisher nicht geklappt, also links oben. Aber auch dafür ist eine passende Karte vorhanden, Mist. Also die nächste Chance wieder rechts versuchen?

Torschuss Bohnkick zur Fußballweltmeisterschaft auf dem großen Spielfeld? Da nur fünf Spieler pro Team beteiligt sind, kam mir von Anfang an die Assoziation zu Hallenfußball. Und auch die erzielten Ergebnisse (6:4, 3:3, 7:2) sprechen sehr dafür. Ebenso wie die Spielzeit von ca. 20 Minuten. Nun gut, 90 Minuten für ein einfaches Kartenspiel wäre wohl etwas übertrieben, aber manchmal wähnte ich mich im falschen Film.

Wer noch kein Fußball(karten)spiel besitzet, kann sich ohne weiteres Bohnkick anschaffen.
Mit der gewollten Verbindung zu Bohnanza sollte man allerdings keine Erwartungen verknüpfen, schlicht weil sie nicht existiert. Mit der bereits erwähnten Spieldauer von 20 bis maximal 30 Minuten eignet sich Bohnkick gut für eine Partie zwischendurch, vorausgesetzt man hat die Regeln intus und muss nicht immer wieder nachschlagen. Auch bietet das Spiel eine Variante für vier Spieler, die ich aber überhaupt nicht empfehlen kann, da dann nur mit Torleuten in der Verteidigung gespielt wird (man zieht solange, bis man gute auf der Hand hat) und sich durch die Unwissenheit über die Kartenhand des Partners die Fehlpässe häufen. Ich weiß nicht, ob sich Uwe Rosenberg mit Bohnkick seiner und der Amigo-Bohnenfamilie einen Gefallen getan hat. (mw)

Steckbrief
Bohnkick

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Uwe Rosenberg Amigo 2 oder 4 ab 8 Jahre ca. 30 Minuten Björn Pertoft