Augsburg 1520. Jakob Fugger ist auf dem Höhepunkt seines beruflichen Wirkens. Sein Handelsimperium hat er weit, sehr weit über den heimatlichen Raum hinaus ausgedehnt und er hält Handelsposten in vielen Königreichen und Fürstentümern. Dabei hat ihm nicht nur sein kaufmännisches Geschick geholfen, sondern viele exklusive Privilegien, wie wichtige Handelsrechte, politische Ämter, gesellschaftliche Würden.
Diese Privilegien, geschickt eingesetzt, konnten mehr wert sein als das den mächtigen Potentaten gegen Schuldscheine geliehene, aber dann oft nicht zurück erhaltene Geld. Und schon sind wir mitten drin im dritten Spiel von alea, das in der mittleren Schachtelgröße erschienen ist, eben Augsburg 1520. Zwei bis fünf Mitspieler schlüpfen in die Rolle von Jakob Fugger.

Schuldschein Pro Runde können nacheinander vier Personen speziell nur für diese bestimmte Schuldscheine (Karten) angeboten werden, schließlich zum Schluss noch Kaiser Maximilian alle Arten von Schuldscheinen. Wer die meisten (!) Schuldscheine anbietet, darf sich eine der zu Beginn der Runde fünf Privilegienkarten aussuchen und dabei zwei der drei Privilegien ausnutzen. Damit kann man sich in drei Bereichen verbessern. Einmal beim Geld, zum anderen bei den Prestigepunkten, nur die zählen am Ende, oder bei der Anzahl der zu erhaltenden Schuldscheine, das bzw. die jeweils am Ende der Runde entsprechend der jeweiligen Stufe ausgegeben werden. Je mehr Schuldscheine, desto besser könnte man denken, aber irgendwie falsch. Denn bevor man die Schuldscheine tatsächlich auf die Hand nehmen darf, müssen diese erst bezahlt werden. Viele Schuldscheine zu bekommen, um dann das Geld zum Bezahlen nicht zu haben, ist ebenso wenig optimal wie zwar viel Geld zu haben, aber dann nur wenige Schuldscheine zur Auswahl. Ein goldener Mittelweg ist also angesagt. Oder Schuldscheine und Geld ganz vergessen und nur auf die im Endeffekt wichtigen Prestigepunkte gehen? Wäre eine Möglichkeit, funktioniert aber auch nicht so richtig. Denn erstens, mit wenigen Schuldscheinen wird man kaum die Privilegien gewinnen, um sich entsprechend engagieren zu können, und zweitens, hat der Autor zwei Barrieren eingebaut. Um diejenige bei 25 Punkten zu überspringen muss mit einem Privileg eine (teure) Kirche gebaut werden, bei 45 Punkten ein noch teurerer Dom. Mit der Anzahl der gebauten Kirchen/Dome werden diese zwar billiger, aber das Geld muss trotzdem vorhanden sein.

Je höher man in den einzelnen Bereichen steigt, kann man für ein Privileg Sonderrechte erwerben, die ganz nützlich sein können. So z. B. auf der Stufe Graf ein Wappen, dass permanent am Ende einer Runde zusätzliche Prestigepunkte bedeutet. Oder als Ratsherr einen Münzmeister, der einen kostenlosen Schuldschein einbringt. Leider sind diese Rechte nur auf den die aktuelle Stufe anzeigenden Plättchen vermerkt und nicht auch auf dem Spielertableau, wo sie auch hingehört hätten. Schade, die dadurch bedingte häufige Nachfragerei wäre so einfach zu vermeiden gewesen.

Zurück zum Anbieten der Schuldscheine. Sind wir mal ehrlich, im Grunde genommen handelt es sich um eine Auktion, deren Ablauf aber offensichtlich durch die im Moment zahlreichen Pokersendungen im Sportfernsehen beeinflusst wurde.
Neben passen und erhöhen ist auch halten des letzten Gebots möglich. Wenn es auf diese Art zum Showdown kommt, gewinnt die Hand, die den Schuldschein mit der höchsten Nummer beinhaltet. Schuldscheine gehen von 1 bis 17, die höheren sind natürlich auch entsprechend teurer.
Auswahl So pfiffig diese System erscheinen mag, so tückisch ist es andererseits aber auch. Hat man das Glück, und gerade in der ersten Runde, eine relative hohe Karte erwerben zu können, steigen damit die Chancen auf den Gewinn einer Auktion ungemein. Denn ein Gebot einer Karte muss ja nicht erhöht, was vielleicht gar nicht ginge, sondern nur gehalten werden. Und wenn sich das Glück dann massiv in einer oder zwei Händen konzentriert, sehen die anderen ganz schön alt aus.
Nun könnte man meinen, wenn man nicht zum Zug kommt, hat man irgendwann so viele Karten, dass der Wert wegen der Anzahl keine Rolle mehr spielt. Ja und nein. Angenommen, es wird eine Karte geboten, man selbst hat fünf der Person. Was tun? Gleich diese fünf bieten, dann passen alle anderen und freuen sich, dass so viele Karten ausgegeben wurden. Oder vorsichtig erst mal zwei bieten? Dann hält einer der nachfolgenden Bieter nur, man selbst darf nicht mehr erhöhen und hat mit den niedrigen Karten wieder daneben gegriffen. Bei einer ‚normalen' Auktion hätte noch eine reelle Chance bestanden. In einer Viererpartie hat die erste Runde einmal 3-2-0-0 Auktionsgewinne ergeben. Es dürfte nicht schwer zu erraten sein, wer den Sieg unter sich ausgemacht hat.

Auch nach inzwischen einigen Partien Augsburg 1520 weiß ich immer noch nicht schlüssig, was ich davon halten soll. Einerseits sind einige wirkliche nette Ideen und Umsetzungen in das Spiel gepackt, wie die oben erwähnte, notwendige Balance zwischen den einzelnen Bereichen. Oder was ich noch nicht erwähnt habe, das nicht genügend Stufenplättchen für alle da sind, so dass sie auch wieder abgenommen werden können, wobei der Verlust durch eine kleine Geldgabe etwas kompensiert wird. Oder, dass man als Unterlegener bei einer Versteigerung ebenfalls mit Geld entschädigt wird. Oder die Barrieren, die allzu forsche Mitspieler etwas einbremsen. Demgegenüber stehen die relativ große Glückskomponente bei der Zuordnung der Schuldscheine, die oben beschrieben Tücke bei der Auktion oder die Barrieren, deren Überwindung, aus was für Gründen nicht gelingen will, und so langsam den Frust hochkommen lassen.

Alles in allem würde ich, und da gehe ich mit dem Urteil vieler Testspieler konform, den Finger eher nach unten zeigen lassen, auch vor den Hintergrund, dass es sich um ein alea-Spiel handelt. Da sind die Ansprüche doch etwas höher angesetzt.

Noch eine lustige Anmerkung zum Schluss. Die Schachtel ist von der Farbgebung so gestaltet, dass sie irgendwie verstaubt aussieht. Mehrmals schon wollte ich drüber fahren, um den vermeintlichen Staub abzuwischen, nur um dann zu erkennen, dass da nichts ist. Passt irgendwie zum Gesamteindruck von Augsburg 1520. (mw)

Steckbrief
Augsburg 1520

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Karsten Hartwig alea 2 - 5 ab 12 Jahre 25 - 75 Minuten Czarnè