Ubongo ist ein auf den ersten Blick komisches Spiel. Schon der Name will nicht so recht in die deutsche Spielelandschaft passen, deutet er doch irgendwie auf Afrika hin. Und tatsächlich, die Farbgestaltung der Schachtel oder die verwendeten Darstellungen der Maske eines Medizinmann, stilisierter Elefanten oder springender Gazellen verstärken diesen Eindruck. Vollends in Afrika wähnt man sich spätestens, wenn man auf dem Spielplan eine typische Dorfszene mit bunt gekleideten Frauen entdeckt, die Hirse stampfen oder Lasten auf ihrem Kopf balancieren. Aber dann der Kulturschock. Legeteile, zwar schön bunt, aber ganz ordinäre Legeteile. Angefangen vom einfachen Domino, zusammengesetzt aus zwei Quadraten bis hin zu den Pentominos (fünf Quadrate), wobei aber nur vier der möglichen zwölf hier verwendet werden.

Zu den Legeteilen gibt es entsprechende Legetafeln, 36 Stück an der Zahl. Auf der einen Seite passen immer genau drei Legeteile hinein, auf der Rückseite, die damit eher für ein Fortgeschrittenenspiel geeignet ist, vier. Neben sechs Symbolen ist auf der Tafel auch angegeben, welche drei bzw. vier Teile das sind. Diese Symbole finden sich auch auf einem Würfel, so dass sich das Spielprinzip fast von alleine ergibt. Nachdem jeder eine Legetafel erhalten hat, wird gewürfelt. Jeder sucht sich die angegebenen Legeteile und versucht sie, passgenau auf der Tafel unterzubringen. Eigentlich wäre das schon ein Spiel aber offensichtlich hat das dem Autor, Grzegorz Rejchtman (Pi mal Daumen, Moderne Zeiten) noch nicht gereicht. Zum einen baute er eine Stresskomponente in Form einer Sanduhr (Laufzeit ca. 45 Sekunden) ein, zum anderen eine Sammelkomponente. Auf sechs Bahnen des Spielplans liegen beliebig verteilt, 72 Edelsteine in sechs Farben. Wer seine Legeaufgabe zuerst geschafft hat, darf bis zu drei Bahnen weit wechseln und die vordersten beiden Edelsteine aufsammeln. Der nächste noch zwei Bahnen, der letzte darf nicht mehr wechseln.
Und wer seine Legeaufgabe nicht geschafft hat, bekommt gar nichts. Sieger ist am Ende, wenn alle Legetafeln durchgespielt, sind, wer die meisten Edelsteine in einer (!) Farbe sammeln konnte.

Für Stress ist nicht nur beim Legen gesorgt, sondern auch noch danach. Denn die Edelsteine müssen ebenfalls noch in der Laufzeit der Sanduhr eingesammelt werden. Hier offenbart Ubongo für meinen Geschmack zwei große Schwächen. Einmal, die Sanduhr läuft leise ab. Da hat man schon Druck genug und muss auch noch die Sanduhr im Auge behalten. Viel schöner wäre es, gäbe es eine Uhr, die durch ein Signal, Glocke oder Klack, hörbar macht, wann die Zeit abgelaufen ist. Idealerweise könnte diese Uhr zusätzlich die letzten fünf oder zehn Sekunden akustisch abheben. Das alles leistet eine Sanduhr natürlich nicht. Und zum Zweiten, die Reihenfolge des Fertigwerdens. Zwar soll man dies durch ein Ubongo laut andeuten, aber nicht selten kommt die Frage, "Wievielter war ich?" bzw. "Wie viele Schritte darf ich noch gehen?" Wenn überhaupt eine Antwort kommt, wertvolle Zeit geht verloren. Da könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass sich jeder entsprechend der Reihenfolge einen Platzierungschip nimmt und anschließend unter Beobachtung aller die Edelsteine. Wer kontrolliert in der jetzigen Fassung, ob der Erste nicht vier Bahnen wechselt. Niemand, denn alle anderen sind mit dem Puzzle beschäftigt. Auch würde ein Nehmen der Edelsteine in Ruhe, die Sache noch spannender machen. Dann würde man vielleicht nicht zwei beliebige Edelsteine nehmen (müssen), weil es ja schnell gehen muss, sondern gezielter auswählen. Zum Glück ist aber ja jeder frei, genehme Hausregeln aufzustellen.

Trotz der aufgezeigten Schwächen macht Ubongo eine Menge Spaß. Aber nur, wenn sich alle Mitspieler in etwa auf dem gleichen Niveau bewegen. Sollte ein Überflieger darunter sein, der jedes Puzzle ziemlich schnell löst, während die anderen nicht zurecht kommen, oder das Gegenteil der Fall ist, ist eine Partie ziemlich frustrierend. Wenn aber mal der Eine mit einem verwinkelten Pentomino nicht klarkommt, mal der Andere, und dabei entsprechende Kommentare ausgetauscht werden, ist Ubongo im wahrsten Sinne kurzweilig. Spielerische Leichtgewichte, ohne das abwertend zu meinen, sind mit der Dreierseite gut bedient, alle anderen sollten sich nur der Viererseite zuwenden. Ich bin mir sicher, dass es nicht bei einer Partie bleiben wird. (mw)

Steckbrief
Ubongo

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Grezgorz Rejchtman Komsos 2 - 4 ab 8 Jahre 20 - 30 Minuten Nicolas Neubauer