Lange ist es her, dass Wolfgang Kramer ein Spiel im Hans im Glück Verlag veröffentlichte. Die letzten Werke dort schuf er mit Richard Ullrich und sie waren sehr erfolgreich: Es waren El Grande sowie die dazugehörigen Erweiterungen und das eigenständige El Cabellero. Nun gibt es mit Hazienda wieder ein Spiel von Wolfgang Kramer bei Hans im Glück.

Die Spieler schlüpfen in die Rolle von Großgrundbesitzern in Argentinien. Mit etlichen Pesos als Startkapital sowie einigen Landschaftskarten und noch weniger Tierkarten versuchen sie, Landketten zu bebauen sowie Tierherden zu gründen und sie zu den heimischen Märkten zu führen. Wer dann noch Landschaftspflege durch Wasserlöcher und Bebauungen betreibt, kommt zu den Siegpunkten, die über das erfolgreiche Abschneiden im Spiel entscheiden.

Spielsituation Schauen wir uns den Ablauf ein wenig mehr im Detail an. Wenn ein Spieler an die Reihe kommt, darf er drei Aktionen ausführen. Solch Aktionen bringen Landschafts- und Tierplättchen auf den Spielplan, bringen Geld oder verschaffen Gegenstände. Die Landschaft besteht überwiegend aus Pampa, das ewig weite Weideland, das nur schwer in Besitz genommen werden kann. Durch diese Landschaft zieht sich ein Ring anderer Landschaften wie Sümpfe oder Hügelland. Für eine bereits auf der Hand befindliche Landschaftskarte nimmt der Spieler eine gleiche Landschaft in Besitz. Sollte es dabei um eine Pampa handeln, muss sich diese direkt neben einer bereits in eigenem Besitz befindlichen Landschaft befinden. Tiere, von denen es vier Arten gibt, werden ebenfalls über Handkarten in das Spiel gebracht. Ein Tier muss immer an ein eigenes Tier der gleichen Art oder an eine eigene Landschaft gelegt werden. Wird das Tier direkt neben einem der auf dem Spielplan aufgedruckten Märkte platziert, so gibt es außerdem noch Pesos. Die Höhe der Auszahlung ist abhängig von der Tierherde, die zum Markt geführt wurde und von den eigenen Landschaften, die an sie grenzen.
Hazienda Haziendas und Wasserlöcher werden ebenfalls gekauft, jedoch nicht in Kartenform. Sie werden sofort auf den Spielplan gebracht. Haziendas werden auf eine eigene Landschaft oder auf ein Tier einer eigene Herde gestellt und bringen bei den Wertungen - dazu später mehr - Siegpunkte. Wasserlöcher gibt es in verschiedenen Größen und Formen. Sie werden immer in die Pampa, also direkt auf den Spielplan, gelegt. Auch sie tragen zu den Siegpunkten bei.
Neben den Märkten gibt es noch eine Einnahmequelle: Jedes zusammenhängende Stück eigenes Land kann abgeerntet werden. Dabei erhält man Pesos in Abhängigkeit von der Größe des Landes. Neben den Haziendas und Wasserlöchern kann man mit den Pesos offene und verdeckte Land- und Tierkarten erwerben, wobei die verdeckten preiswerter sind.
Diese Tierkarten bestimmen auch den Moment der beiden Wertungen. Zu Beginn wird der Nachziehstapel der Tierkarten ungefähr halbiert. Wenn jeweils eine Hälfte an Tierkarten aufgekauft wurde, wird die aktuelle Runde - gerechterweise - noch zu Ende gespielt wird. Beide Wertungen sind identisch und mit der zweiten Wertung endet das Spiel. Punkte gibt es für angeschlossene Märkte, für Landschaften aus mindestens drei Feldern, für Tierherden und Landschaften mit Haziendas, für Tiere und Landschaftsfeldern an Wasserlöchern und für Geld. Wer mit beiden Wertungen die meisten Punkte erzielt, ist Sieger.

Mit Hazienda zeigt Wolfgang Kramer, dass er das Genre des anspruchsvollen Spiels weiterhin beherrscht. Dabei hat er ein Spiel geschaffen, dessen Regelwerk zunächst komplex klingt, welches aber schon nach wenigen Spielzügen eingängig ist. Durch die Startkarten und den preiswerteren, verdeckten Kauf von Tier- und Landschaftskarten enthält das Spiel einen geringen Glücksfaktor. Er wird von Spielern, die bevorzugt strategische Spiele spielen, akzeptiert und verhindert gleichzeitig die Wiederkehr eingefahrener Taktiken. Für die Punkte ist der Anschluss von Märkten ebenso unerlässlich wie Wasserlöcher an den eigenen Landschaften und Tieren. Haziendas werden oft unterschätzt, unterstützen aber die Bildung großer Ländereien und Tierherden. Zuletzt wird hier auch die Ernteaktion wichtig, weil sie bei großen Ländereien schnell Geld bringt und so den Kauf mehrerer Haziendas bzw. Wasserlöcher unterstützt. Für all diejenigen, die sich noch mehr wünschen, sei gesagt, dass Hazienda einen doppelseitig bedruckten Spielplan enthält. Die beiden Pläne erfordern deutlich unterschiedliche Taktiken. So müssen auch Spieler, die bereits Hazienda kennen, ihre Flexibilität zeigen und in jedem Spiel neu beweisen, dass sie sich auf neue Situationen einstellen können.

Pampa Die Mechanismen klingen vertraut und das Spiel wenig originell. Gerade aber diese Vertrautheit erleichtert den Zugang zu dem Spiel und schon nach wenigen Runden im ersten Spiel bekommt man ein Gefühl, wie das Spiel so abläuft. Wenn man sich dann, so wie ich, näher mit dem Spiel beschäftigt, wird man die vielen Möglichkeiten entdecken, die es bietet. Mir ist nach wenigen Spielen egal, ob es aus bekannten Mechanismen neu zusammengesetzt wurde, weil die einzelnen Teile gut aufeinander abgestimmt sind und als Ganzes harmonieren. Mein guter Eindruck wird von den meisten Spielern in unseren Spielerunden geteilt; dies geht soweit, dass ein Spieler es als beste Neuheit der Spiel '05 deklarierte.
Bulle Das Spiel richtet sich an Spieler, die ein Spiel bevorzugen, bei dem der Plan statisch bebaut wird, denn einmal ausgespielte Karten gehen danach aus dem Spiel und einmal ausgelegte Plättchen sowie die Haziendas bleiben unbeweglich. Mit Mesopotamien erschien zur gleichen Zeit ein Spiel, das sich an eine ähnliche Spielerschicht wendet. Hier jedoch ist die Auslage nicht statisch, weil hier Spielfiguren über den stetig wachsenden Spielplan gezogen werden und Güter transportieren. Da beide Spiele viel Spielspaß bieten, empfehle ich, sich über beide Spiele zu informieren um sich dann zu entscheiden - bei Spielern, die sich einige Spiele zulegen, kann diese Entscheidung durchaus für beide Spiele ausfallen. (wd)

Steckbrief
Hazienda

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Grafik
Wolfgang Kramer Hans im Glück 2 - 5 ab 10 Jahre 60 - 90 Minuten Michael Menzel