Einen geographischen Bezug haben viele Spiele, zu Norwegen aber meist nur die Spiele, die mit Wikingern zu tun haben. Auf der Schachtel schaut uns dann auch ein Wikinger mit seinem typischen Helm an. Im Hintergrund sehen wir Wasser und eine Hügellandschaft. Das Wasser gab dem Spiel seinen Namen, denn die zerklüfteten Wasserarme der Nordsee, die weit in das Landesinnere von Norwegen reichen, heißen Fjorde.

Im Spiel finden wir sechseckige Plättchen. Auf ihnen sind Landschaften abgebildet: Wasser, Ebenen und Gebirge. Viele Plättchen zeigen zwei Landschaften, die das Plättchen in unterschiedlichen Verhältnissen teilen. Manchmal sind sogar alle drei Landschaften auf dem Plättchen. Selten ist es nur eine Landschaft und ein reines Wasserplättchen gibt es gar nicht. Die würden auch keinen Sinn machen wie wir gleich sehen werden.

Zu Beginn des Spiels werden die drei Startplättchen ausgelegt. Sie zeigen etwas Wasser und Gebirge sowie viel Ebene. Kommt ein Spieler an die Reihe, nimmt er sich zunächst ein verdecktes Plättchen. Es muss nun an die bestehende Landschaft angelegt werden und zwar immer an mindestens zwei schon liegende Plättchen. Außerdem müssen sämtliche Landschaften an den Kanten fortgeführt werden. Passt das Plättchen nicht, kommt es in den offenen Vorrat und man nimmt sich ein neues Plättchen. Hat man ein Plättchen gelegt, darf man darauf noch einen seiner vier Bauernhöfe platzieren. Dies ist ein sehr wichtiger Aspekt, denn die Bauernhöfe sind der Ausgangspunkt für die zweite Spielphase. Befinden sich offene Plättchen im Vorrat, kann man auch diese legen, statt ein verdecktes Plättchen zu nehmen.
Sind alle Plättchen aufgedeckt, beginnt die Phase der Landnahme. Ausgehend von den Bauernhöfen besetzt man nun ein Plättchen mit einer eigenen Holzscheibe, hier Felder genannt. Später kann man auch von einem Feld ausbreiten. Die einzige Bedingung besteht darin, dass das neue Land über die Ebene mit einem bereits eingenommenen eigenen Plättchen verbunden sein muss. Wenn einer der Spieler kein Land mehr einnehmen kann, füllt der andere Spieler seine Gebiete noch auf. Jeder Spieler bekommt pro eingenommenem Feld einen Punkt. Es werden drei Durchgänge gespielt. Wer dann die meisten Punkte hat, ist Sieger.

Fjorde ist erst ein Lege- und dann ein Landnahmespiel. Beim Legen versucht man, sich bereits Hinterland zu besorgen. Diese Phase erinnerte mich durch die Landschaftskonstruktion an Hellas, einem Zwei-Personen-Spiel vom gleichen Autor. Entscheidend sind hier nicht nur die richtigen Landschaften, sondern vor allem der Zeitpunkt, an dem man seine Bauernhöfe setzt. Setzt man sie zu früh, hat man nicht genug Ausbreitungsmöglichkeiten, setzt man sie zu spät, sind die einflussreichen Plätze bereits zugebaut. Gegen Ende der ersten Phase wird dann darauf geachtet, möglichst nicht das letzte Plättchen zu legen, denn es ist von Vorteil, zuerst mit der Landnahme beginnen zu können. Die Landnahme selbst ist dann schnell ausgeführt und bietet wenige Einflussmöglichkeiten. Hier wird im Grunde das Ergebnis der ersten Spielhälfte ausgewertet.

Ich selbst halte Fjorde für ein mittelmäßiges Spiel. Die Landschaftsbildung sieht interessant aus, die Einflussnahme ist durch die gezogenen Plättchen begrenzt. So bleiben die vier Bauernhöfe als die Entscheidung. Ich komme deshalb auf Hellas zurück. Dieses Spiel bietet mehr Aktionen. Mir lag es auch nicht, aber ich habe beobachtet, dass Spieler, die Hellas mochten, auch Fjorde gern spielten. Die Verwandtschaft im Spielsystem und der gemeinsame Autor lassen sich nicht verleugnen. Eine andere Beobachtung bezieht sich auf die drei Durchgänge. Sie werden selten gespielt; meistens bleibt es bei einem Durchgang. Spieler, die Fjorde mögen, holen es halt öfter hervor. Deswegen stört mich auch die Auswertung nur ein wenig, denn statt die Punkte zu addieren hätte ich mir ein "Best of Three" gewünscht. (wd)

Steckbrief
Fjorde

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Franz-Benno Delonge Hans im Glück 2 ab 8 Jahre 30 Minuten Jörg Asselborn
Christof Tisch