Dolmengötter

Früher, als eggertspiele noch ein ganz, ganz kleiner Verlag war, konnte man davon ausgehen, dass Peter Eggert immer zur Spielemesse Essen ein neues Spiel präsentieren würde. Nun aber, da man sich zu einem Kleinverlag gewandelt hat, mit geschäftlichen Strukturen, mit Mitarbeitern und auch Gastautoren, gilt diese Regel nicht mehr. So ist im späten Frühjahr Dolmengötter von Thomas Odenhoven erschienen, das in Essen zwar noch als Neuheit durchgehen wird, es eigentlich aber dann nicht mehr ist. Bei Dolmengötter schlüpfen die Spieler in die Rolle von Druiden, die durch die keltischen Landschaften wandern und gemeinsam Steinkreise errichten. Sie tun dies zu dem Zweck, in der Mitte der Steinkreise übereinander liegende Domen mit unterschiedlich wertvollen Götterdarstellungen zu errichten und dabei die meisten Punkte zu erlangen.

Die keltischen Landschaften sind nicht flach, aber auch keine Kugel, sondern ein Torus, gemeinhin als Schlauch bekannt. Wer also auf der einen Seite das Spielfeld verlässt oder verlassen muss, taucht auf der anderen Seite wieder auf. Unterteilt ist die Landschaft abwechselnd in Kreise mit acht, sechs und vier Kultstätten, so dass jede Kultstätte zu drei Kreisen gehört. Dort also bewegen sich die drei Druiden eines Spielers. Sie begeben sich von ihrem Startplatz in beliebiger Richtung bis zum nächsten freien Feld, gegebenenfalls über beliebig viele andere Druiden hinweg, niemals aber über errichtete Steinmonumente kletternd. Bevor sie dies aber tun, huldigen sie noch den Göttern und errichten auf dem Ausgangsfeld eines der besagten Steinmonumente. Sind so in einem Steinkreis mindestens drei Monumente in, ganz wichtig, mindestens zwei Spielfarben entstanden, darf der Spieler mit der Mehrheit an Steinen einen Dolmen im Kreis verdeckt platzieren. Das muss nicht unbedingt der agierende Spieler sein. Die Wertigkeit der darauf abgebildeten Götter wird einfach durch Zahlen zwischen 1 und 4 dargestellt. Und auch die Steinkreise sind unterschiedlich wertvoll, fünf, vier, bzw. drei Punkte. Damit ergibt sich die Punktzahl ganz einfach als Produkt der beiden Wertigkeiten. Ideal ist also ein 4er-Dolmen im großen Steinkreis (20 Punkte).

Spielsituation Und damit schon die Taktik vorgegeben? Ran an die großen Kreise, die mittleren gleich noch mitnehmen, und wertvolle Dolmen platzieren? Nein, denn gewertet wird erst zum Schluss. Und zwischendrin können Mehrheiten wechseln. Wer einen Gleichstand an Steinen schafft, darf nämlich einen Dolmen unter den bereits platzierten legen, wer eine neue Mehrheit schafft, darf einen oben drauf legen. Und nur der oberste Dolmen wird mit dem Wert des Feldes multipliziert, der nächste mit dem um eins verringerten Wert usw. Ganz schnell werden aus den 20 eingeplanten Punkten nur noch 16 oder noch weniger. Die Dolmen wollen also geschickt platziert werden. Gut, dann tummeln wir uns halt in einer Ecke, wo uns keiner stört. Geht aber leider auch nicht, denn dann bekommt man die zweite Steinfarbe nicht in seinen Kreis, die anderen lassen einen regelrecht verhungern. Das Spiel endet in der Regel mit dem Setzen des letzten Dolmens eines Spielers. Durch das mögliche, mehrfache Platzieren eines Dolmen nach Setzen eines Steines kann ein Spieler seine Dolmen bereits weghaben, während ein anderer noch darauf sitzen bleibt. Merke, nur ein (richtig) platzierter Dolmen bringt (richtig) Punkte.

Ich hoffe, ich habe darstellen können, dass Dolmengötter mit wenigen, einfachen Regeln auskommt. Dennoch ergibt sich ein abwechslungsreiches, offenes, spannendes Spiel. Naturgemäß gilt dies umso eher, je mehr Mitspieler am Druidenwettkampf teilnehmen. Zu zweit kommt eine Partie nicht so gut. Der Spielplan ist insgesamt ziemlich nüchtern gehalten, wie auch die überwiegend schwarze Verpackung, da hätte man grafisch einiges machen können. Aber es ist wohl verständlich, dass ein Kleinverlag wie eggertspiele sich nicht einen Franz Vohwinkel oder eine Doris Mathäus leisten kann und will. Auf der anderen Seite sind die Druiden, die Steinmonumente und die Dolmen aus Holz, wenn auch ein paar Anleihen bei Carcassonne und El Grande gemacht wurden. Alles in allem denke ich, dass Dolmengötter ein Spiel ist, das einen größeren Bekanntheitsgrad verdient. Dazu kann ja die Spielemesse in Essen beitragen. In meinen Spielrunden wurde es, auch wegen der kurzen Spieldauer, immer wieder nachgefragt. (mw)

Steckbrief
Dolmengötter

Autor Verlag Spieler Alter Spieldauer Illustration
Thomas Odenhoven eggertspiele 2 - 5 ab 10 Jahre ca. 20-30 Minuten Steffi Krage